1. Lokales
  2. Düren

Gut Müllenark: Emotionale Verbindung zwischen Meister und Bauwerk

Gut Müllenark : Emotionale Verbindung zwischen Meister und Bauwerk

Henning Wirtz geht mit Bauwerken eine emotionale Verbindung ein. Das Portal von Gut Müllenark in Schophoven wird von dem Steinmetzmeister und Bildhauer fachmännisch saniert und restauriert.

In seiner Heimatstadt Trier hätte er genug Arbeit. Zwischen der Porta Nigra und der Abtei St. Matthias, Amphitheater und Römerbrücke stehen Baudenkmäler dicht an dicht, und an vielen von ihnen war er bereits tätig. Doch die Sanierung des Torbogens eines fast unbekannten Gutes im fernen Indeland hat ihn besonders gereizt: „Dieses Portal ist ein Kleinod. Und so entsteht auch eine emotionale Verbindung zwischen mir und dem Bauwerk, die man nicht einfach erklären kann“, sagt Steinmetzmeister und Bildhauer Henning Wirtz. „Es ist mehr als nur ein Job.“

In der Tat ist Gut Müllenark, wenige hundert Meter vom Tagebaurand bei Inden-Schophoven gelegen, ein stiller Star, was seine Geschichte angeht: Es wurde 1129 erstmals als „Molenark“, in heutigem Deutsch „(Wasser-)Mühlenwehr“, erwähnt. Über Jahrhunderte stritten sich die Herzöge von Jülich und der jeweilige Kölner Erzbischof um das Gut und seine Ländereien ringsum. Zuletzt wurde zum Ende des Zweiten Weltkriegs dort gekämpft. Steinmetz Henning Wirtz kann die Spuren von Gewehrkugeln und Granatsplittern bis heute erkennen. Sie werden nicht entfernt, sondern sind Teil der Bauwerksgeschichte – wie Narben an einem menschlichen Körper. Wirtz demontiert lockere Zementplomben, die frühere Sanierer eingebaut haben. Wichtig sei, dass sich nirgendwo Wasser sammeln kann. Es würde bei Frost und mit Moosbefall den Sandstein des Portals langfristig zerstören.

Gut Müllenmark wird derzeit restauriert. Foto: RWE

Das Portal ist der architektonische Höhepunkt der 85 Meter breiten Westseite von Gut Müllenark. Es zeigt zwei Löwen, stilisierte Blumen und Wappen und entstand laut Inschrift derer von Metternich und Orsbeck „Anno 1670, 21 Aprilis“, also vor ziemlich genau 350 Jahren. Den original verbauten Nievelsteiner oder Herzogenrather Sandstein kann Wirtz nicht mehr bekommen. „Der Abbau ruht. Der ausgeschöpfte Steinbruch dient heute ausschließlich der Materialversorgung für die Aachener Dombauhütte“, berichtet der Bildhauer, der im vergangenen Jahr Träger des Bundespreises für Denkmalschutz im Handwerk war.

Der Trierer Unternehmer und sein Team, das der Kölner Steinmetzmeister Christian Müller verstärkt, ersetzen die nicht mehr zu restaurierenden Originalsteine deshalb mit ganz ähnlich gefärbtem und gemasertem Sandstein. Er stammt aus Leistadt in der Pfalz. Den bearbeiten sie nach historischer Vorlage und alter Väter Sitte mit Hammer und Meißel. „Nur die Beherrschung der traditionellen Handwerkstechniken lässt eine solche Restaurierung gelingen“, berichtet Henning Wirtz. Bei Grobarbeiten können sie den elektrischen Stemmhammer einsetzen, etwa wenn sie verwitterte oder beschädigte Steine entfernen. Der Fokus ihrer Arbeit liegt darin, so viel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten und für die Zukunft zu sichern.

Im alten Glanz wird das Portal jedoch nie mehr erstrahlen. „Wir machen nichts wie neu“, sagt der Steinmetz. „Ein historisches Gebäude soll die Spuren seiner Geschichte tragen.“ Dazu kommt: „Nichts ist für immer, selbst ein Stein nicht“, sagt Henning Wirtz fast philosophisch.

Über das Arbeitsprogramm sind sich die Beteiligten einig. Die Sanierung läuft in enger fachlicher Abstimmung zwischen RWE als Eigentümerin von Gut Müllenark, den Steinmetzen und den Denkmalbehörden. Das sind die Gemeinde Inden und der Landschaftsverband Rheinland. Das Land NRW, vertreten durch die Bezirksregierung Köln, unterstützt das Projekt auch finanziell.

Parallel werden bereits Nachnutzungsmöglichkeiten für Gut Müllenark erarbeitet. Hier bietet die Nähe zum künftigen Indener Tagebausee große Chancen: zum Beispiel die des Wohnens in historischem Gemäuer und in landschaftlich wie wassersportlich bevorzugter Lage. Den Erhalt des Denkmals bis dahin zu gewährleisten, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe.