Einzelhandelskonzept soll mehr Kaufkraft in Kreuzau halten

Vorstellung am Montag im Rathaus : Einzelhandelskonzept soll mehr Kaufkraft in Kreuzau halten

Einkaufen in Kreuzau soll Spaß machen. Damit wirbt die Gemeinde zumindest an den Ortseingängen. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, legt sie derzeit ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept auf.

Das geschieht nicht aus reinem Selbstzweck, sondern hat viele Gründe. Am heutigen Montag stellt das Aachener Büro Futura Consult den Entwurf dem Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde Kreuzau vor. Er soll noch vor den Sommerferien verabschiedet werden. Dann können sich die Bürger und die sogenannten Träger öffentlicher Belange offiziell beteiligen. Die wichtigesten Fragen und Antworten zum Einzelhandels- und Zentrenkonzept.

Welche Ergebnisse sind schon jetzt bekannt?

15.000 Euro stellt die Gemeinde für das Konzept zur Verfügung. Diese Summe ist im Haushalt verankert. Die ersten Ergebnisse der Expertise überraschen in Kreuzau niemanden: Im Kern des Ortes fehlt ein Drogeriemarkt, auch das Angebot an Nahrungs- und Genussmitteln könnte laut Gutachter erweitert werden. Dr. Rainer Kummer von Futura Consult nimmt als Maßstäbe für seine Einschätzung die sogenannte Kaufkraftbindung in bestimmten Bereichen. Sie beschreibt, wie viel Geld die Bewohner der Gemeinde Kreuzau für bestimmte Waren vor Ort ausgeben.

Welche Rolle spielt die Kaufkraft in Kreuzau?

Positiv wirkt sich für den Handel aus, dass Kreuzau gemessen am Bundesdurchschnitt über ein überdurchschnittliches Kaufkraftniveau verfügt. Konkret nennt das Aachener Beraterunternehmen die Summe 6769 Euro pro Jahr und Kopf im Schnitt. Das macht im Vergleich zum deutschlandweiten Wert 101,53 Prozent aus. Nur Hürtgenwald liegt mit 102,41 Prozent des Bundesdurchschnitts in der Region noch höher. Statistisch betrachtet geben die Kreuzauer insgesamt 121,8 Millionen Euro für Waren aus. Allerdings bleibt dieses Geld nur zu 49,8 Prozent im Ort. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass ein Teil der Kreuzauer ihre Einkäufe vor allem auch in Düren und Nideggen erledigen.

Was bedeutet die „Kreuzauer Sortimentsliste“, und warum ist sie für weitere Planungen wichtig?

Das Konzept legt einen Kernbereich fest, dem bestimmte Waren vorbehalten sind. Diese Güter werden in einer Liste aufgeführt, die „Kreuzauer Sortimentsliste“. Sie soll verhindern, dass Waren, die zentrenrelevant sind und das Zentrum schwächen würden, in Randgebieten auf der grünen Wiese angeboten werden. Im Gutachten heißt es, dass man so potentiellen Investoren „Mögliches und „Nicht-Mögliches“ aufzeigen könne. Dies führt sogar so weit, dass der Rat bestimmte Nutzungen wie Sex-Shops und Wettbüros im Zuge der Bauleitplanung für bestimmte Bereiche ausschließen kann. Die Hauptstraße in Kreuzau bezeichnet der Gutachter aufgrund der großen Zahl an Geschäften als „Herzstück“. Der zentrale Versorgungsbereich beginnt im Norden am Rathaus und endet im Süden entlang des Windener Wegs. In diesem Bereich befinden sich laut Gutachter insgesamt 36 Einzelhandelsbetriebe mit einer Gesamtverkaufsfläche von 5650 Quadratmetern. Auch die Landesentwicklungsplanung fordert von Kommunen, ihre Zentren als Handels-, Arbeits- und Wohnstandort zu stärken. Darüber hinaus sind Zentrenkonzepte erforderlich, um an bestimmte Fördertöpfe zu gelangen.

Welche Empfehlungen spricht der Gutachter aus?

Er schließt sich den schon bestehenden Überlegungen der Gemeinde Kreuzau an, eine Fläche neben einem Getränkemarkt im Ortskern als Standort für einen Drogeriemarkt zu entwickeln. Um den Bedarf an Nahrungs- und Genussmitteln zu decken, schlägt der Gutachter vor, einen neuen und größeren Alternativstandort für den bereits bestehenden Markt an der Hauptstraße zu finden. Das Konzept nimmt auch Bezug auf die Überlegungen im Rahmen des Masterplans Kreuzau: „Sofern für den Markt ein geeigneter Mikrostandort an anderer Stelle innerhalb des Hauptzentrums Kreuzau gefunden werden kann, würde hiermit die Chance verbunden sein, eine etwaige Umwidmung im Standortbereich in und um die Mühlengasse zu befördern“, heißt es. Der Markt könne so auf eine Verkaufsfläche von bis zu 1600 Quadratmeter wachsen und wäre „zukunftsbeständig aufgestellt“.

Schließt das Konzept Ansiedlungen von Lebensmittelmärkten außerhalb des Zentrums grundsätzlich aus?

Nein, allerdings muss im Zweifel nachgewiesen werden, dass es nicht zu deutlichen Kaufkraftverlusten für das zentrale Versorgungsgebiet kommt. Konkret nennt der Gutachter die Ortslagen Stockheim und den Standort Maubacher Straße. In Stockheim hält er allerdings durchaus die Ansiedlung eines Lebensmittelanbieters in einem Außenbereich für möglich. Zum einen leben dort über 2500 Menschen, zum anderen liegt der Ort günstig an der Bundesstraße 56. Dr. Rainer Kummer schränkt jedoch ein, dass man vorher prüfen müsse, ob eine zentrale Lage im Ort nicht möglich sei, lediglich die Nahversorgung gewährleistet werde und keine Beeinträchtigung des zentralen Versorgungsbereichs zu erwarten ist.

Wie geht es nun weiter?

Das Einzelhandels- und Zentrenkonzept wird heute im Bau- und Planungsausschuss, der um 19 Uhr beginnt, vorberaten. Der Ratsbeschluss, die Öffentlichkeit im Verfahren formell einzubinden, soll Anfang Mai erfolgen. „Wir hoffen, dass wir vor den Sommerferien die Träger öffentlicher Belange und die Bürger beteiligen können“, sagt Bürgermeister Ingo Eßer. Verbände, Nachbarkommunen und auch Bürger können sich zu den Plänen dann äußern. Nach der Offenlage beraten die Ratsvertreter erneut. Läuft alles nach Plan, kann das Konzept in diesem Jahr beschlossen werden. Das ist wahrscheinlich, weil der Einzelhandel und die betroffenen Bürger schon bei der Erstellung des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes eng eingebunden waren.