Interessengemeinschaft Seniorenarbeit: Eine Seniorenberatungsstelle fehlt nach 17 Jahren immer noch

Interessengemeinschaft Seniorenarbeit : Eine Seniorenberatungsstelle fehlt nach 17 Jahren immer noch

Seit 17 Jahren ist die Interessengemeinschaft Seniorenarbeit ein Sprachrohr für ältere Menschen im Kreis Düren. Und auch nach 17 Jahren steht eine Seniorenberatungsstelle auf der Wunschliste.

Die Zahlen sind eindeutig: 45,17 Prozent der knapp 264.000 Einwohner des Kreises Düren sind älter als 50 Jahre, 21,24 Prozent sogar älter als 65. Unter 30 ist dagegen nur knapp ein Drittel der Menschen im Kreis, genau gesagt, 30,64 Prozent. Und die Zahl der Senioren wird sich in den kommenden Jahren weiter erhöhen.

Um auf den demografischen Wandel gut vorbereitet zu sein und entsprechende Handlungsempfehlungen für die „Seniorenpolitik“ zu formulieren, wurde schon vor ziemlich genau 17 Jahren, nämlich am 3. Juni 2002, die „Interessengemeinschaft Seniorenarbeit Raum Düren-Jülich“ (ISaR) gegründet. „Angefangen“, erklärt Monika Sandjon, „haben wir im Rahmen des Projektes ‚Teilhabe im Alter’ des Caritasverbandes. Heute gehört die ISaR zur Koordinationsstelle ‚Pro Seniorinnen und Senioren im Kreis Düren’ im Amt für Demografie, Kinder, Jugend, Familie und Senioren des Kreises Düren. Wir waren im Kreis Düren sehr früh damit, eine nachhaltige Seniorenarbeit zu etablieren“

Bei der ISaR-Gründung waren 35 Institutionen mit von der Partie, katholische Pfarrgemeinden, die Evangelische Gemeinde zu Düren, das Freiwilligenzentrum, der Paritätische und verschiedene Senioreneinrichtungen aus dem Kreis Düren. Heute sind mehr als 300 Institutionen in der Interessengemeinschaft vernetzt, die ISaR hat rund 2000 Mitglieder. „Die Themen“, sagt Sandjon, „sind uns in den vergangenen 17 Jahren nicht ausgegangen. Schwerpunktmäßig arbeiten wir in den vier Themengruppen Armut im Alter, Demenz, Wohnen im Alter sowie Kultur und Begegnung.“

Eine, die sich von Anfang an bei der ISaR engagiert, ist Inge Meinardus aus Kreuzau. „Ich bin von Beruf Verwaltungsangestellte“, sagt sie, „und war unter anderem auch mit den Bereichen Sozialhilfe und Wohngeld betraut. Im Rahmen dieser Arbeit habe ich gesehen, dass es vielen älteren Menschen, vor allen Dingen den Frauen, schlecht geht. Dagegen wollte ich etwas tun.“ Meinardus ist in der Themengruppe „Armut im Alter“ aktiv. „Wir müssen die Betroffenen informieren“, sagt Sandjon, „ihnen bei Anträgen beispielsweise für Wohngeld helfen.“

Vielen sei beispielsweise immer noch unbekannt, dass auch Wohngeldbezieher seit Januar dieses Jahres für 23,50 Euro im Monat ein Mobilitätsticket bekommen können, mit dem sie alle öffentlichen Verkehrsmittel im Kreis Düren nutzen können. Monika Sandjon: „Uns muss bewusst sein, dass Armut mittlerweile ein gesamtgesellschaftliches Problem ist. Menschen, die heute nicht mehr als den Mindestlohn verdienen, rutschen später ganz sicher in die Altersarmut.“

Generationsübergreifend

Auch deswegen ist es den ISaR-Verantwortlichen wichtig, generationsübergreifend zu arbeiten. „Natürlich verstehen wir uns in erster Linie als Sprachrohr für Senioren“, sagt Sandjon. „Aber wir wollen auch die Jungen mit ins Boot holen, weil es natürlich auch darum geht, die Zukunft zu gestalten.“

Regelmäßig bietet die ISaR Informationsveranstaltungen an, es gibt zweimal im Jahr eine große öffentliche Tagung, Tanzveranstaltungen, Kinonachmittage und vieles mehr. „Ältere Menschen, die nur wenig Geld haben“, erklärt Meinardus, „vereinsamen sehr häufig. Auch da setzt die ISaR an. Wir versuchen, unsere Angebote immer so günstig anzubieten, dass wirklich jeder mitmachen kann.“

Neben den großen Veranstaltungen, bietet die ISaR auch eher niederschwellige A.-v.-O.-Treffen an. Sandjon: „Das sind Frühstücks- oder Kaffeetreffen am Nachmittag im gesamten Kreis Düren, bei denen aber auch immer zu verschiedenen Themen von Fachleuten informiert wird und bei denen die Teilnehmer ihre Interessen einbringen sowie ihre Fragen stellen können.“

Auch nach 17 Jahren Seniorenarbeit in der ISaR, ergänzt Sandjon, steht eine Seniorenberatungsstelle noch auf der Wunschliste. „Und auch die Schuldnerberatungsstelle“, ergänzt sie, habe keine spezielle Sprechstunde für Senioren. „Beides wäre aber wünschenswert.“ Umso wichtiger sei es, ergänzt Inge Meinardus, die Senioren-Interessengemeinschaft weiter bekannt zu machen und Ansprechpartner für noch mehr Senioren zu werden. Monika Sandjon: „Ich denke aber, dass wir in den vergangenen 17 Jahren schon sehr viel erreicht haben. Wir haben die Vernetzung von Institutionen, die in der Seniorenarbeit tätig sind, deutlich verbessert und mit Hilfe unserer zahlreichen, dezentralen Angebote dafür gesorgt, dass niemand alleine zu Hause sitzen muss.

Altersarmut ist ein Thema, das den Verantwortlichen der Interessengemeinschaft Seniorenarbeit Raum Düren-Jülich vermutlich auch in den nächsten Jahren erhalten bleibt, es gibt aber auch neue Schwerpunkte, wie Energiearmut, Klimaschutz und Digitalisierung, mit denen sie sich beschäftigen.

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