Düren: Eine Schautafel soll an das alte Kloster erinnern

Düren : Eine Schautafel soll an das alte Kloster erinnern

Skelette, mittelalterliche Mauerreste, die Apsis der ehemaligen Franziskanerkirche — das alles hat der Archäologe Dr. Andreas Vieten Ende Juni auf der Wiese hinter der Marienkirche entdeckt. Doch die Mauern und menschlichen Überreste sind mittlerweile nicht mehr zu sehen. Wie zuvor ist das Stück Stadtgeschichte wieder unter der Oberfläche verschwunden. Entstanden ist ein Parkplatz mit einer kleinen Schranke. Wer dort vorbei kommt, ahnt nicht, dass er auf einem ehemaligen Friedhof steht, der zu einem 1459 gegründeten Kloster gehört.

Aber was ist eigentlich mit den menschlichen Überresten passiert, die der Archäologe entdeckt hatte?

Über den Mauerresten und Knochen befindet sich nun ein Parkplatz. Foto: kin

Die sind wie die Mauerreste auch, schlicht und ergreifend in der Erde geblieben. Nur ein paar Knochenstücke, die komplett aus der Erde gelöst waren, wurden geborgen. Der Rest bleibt dort, wo er schon Jahrhunderte liegt. Knochen, die zum Beispiel in fränkischen Gräberfeldern oder römischen Dörfern gefunden werden, werden ins LVR-Depot nach Meckenheim gebracht, aber spätmittelalterliche Knochen sind für das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege keine Seltenheit.

Nur das, was völlig lose im Baufenster liegt, wird geborgen. Die in Düren geborgenen Knochen hat der Archäologe an Pfarrer Hans-Otto von Danwitz übergeben. „Knochen, die im Bereich von Kirchen ausgegraben werden, werden in der Regel zur Wiederbestattung der Kirche übergeben.

Hans-Otto von Danwitz hat dafür gesorgt, dass für die Knochen ein würdiger Ort zur Zwischenlagerung gefunden wurde. „Bei der nächsten Beerdigung einer Ordensschwester in Düren“, erklärt der Seelsorger, „werden wir die geborgenen Knochen mit begraben.“

Aber warum werden Mauerreste und Knochen eigentlich nicht geborgen, wenn sie doch gefunden werden? „Im Denkmalschutz geht es in erster Linie eben um den Schutz eines Denkmals“, erklärt Uwe Steinkrüger vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege. Dinge, die trotz einer Baustelle wie eben einem Parkplatz an Ort und Stelle bleiben könnten, sollten das auch tun. Unberührt und gegebenenfalls von einem Vlies geschützt. Die Archäologen gehen also immer nur so tief, wie es bauseits nötig ist. Auch, weil künftige Generationen eventuell neue Methoden haben, um die Geschichte zu untersuchen. Wenn ein Keller gebaut würde, ist die Lage natürlich eine andere. Dann ist das Baufenster aber ja auch tiefer, Mauern müssten geborgen werden.

Archäologische Fenster

Nur in wenigen Ausnahmefällen, wenn es sich um Befunde von großer Bedeutung handelt, kann nach Absprache mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege eine komplette Freilegung des Fundes erfolgen, obwohl dieser zu tief oder über die Grabungsgrenze hinausragt. „Einen steinernen Sarkophag beispielsweise würde man herausnehmen, wenn man ihn entdeckt“, erklärt Steinkrüger. Der aber auch Beispiele aus dem Kreis Düren kennt: den steinzeitlichen Brunnen bei Morschenich und die jungsteinzeitliche Frau „Lilith“, die bei Arnoldsweiler ausgegraben wurde.

In Aachen gibt es archäologische Fenster, Vitrinen, die einen Blick in die Erde ermöglichen. So etwas hätte sich Achim Jäger, Lehrer und Autor eines historischen Buches über die Dürener Stadtmauer, auch auf dem Parkplatz gewünscht. „Solche Vitrinen sind aber sehr teuer“, erklärt Steinkrüger. Und das nicht nur in der Anlage, sondern auch in der Unterhaltung. Unter anderem sei eine Belüftung nötig, da sonst das Glas gleich beschlagen würde. Zudem gelte es Grünspan zu verhindern. Verpflichtet werden könnte ein Bauherr dazu nicht, zumal es auch immer auf die historische Bedeutung der Funde ankomme.

„Eine Vitrine ist wirklich kaum zu realisieren“, sagt auch Hans-Otto von Danwitz. Man habe sich aber mittlerweile darauf geeinigt, eine Schautafel aufzustellen. „Dort sollen unter anderem die alten Fundamente des Klosters, die wir entdeckt haben, aufgezeichnet werden, so dass Passanten sich darüber informieren können, wie es an der Stelle früher in Düren ausgesehen hat.“

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