Düren: Eine Prämie, die niemand will

Düren: Eine Prämie, die niemand will

Betreuungsgeld, Herdprämie, Subventionierung häuslicher Kleinkindbetreuung: Damit ist etwas gemeint, das in Düren nie und nimmer eingeführt würde, wenn es nach den hiesigen Christdemokraten ginge.

Skeptisch bis strikt ablehnend äußerten sich gegenüber den „DN” familienpolitisch engagierte CDU-Mitglieder von Stadt und Kreis Düren zu einem Gesetz, das die christdemokratische Bundeskanzlerin Angela Merkel ab 2013 unbedingt installiert wissen will.

Bis zu zwei Milliarden Euro sollen eingesetzt werden für Mütter, die mit ihren Unter-Dreijährigen zu Hause bleiben. Einen großen „Rückschritt für unsere Gesellschaft” nennt Dr. Patricia Peill, Kreisvorsitzende der Frauenunion Düren, das Vorhaben, wichtige Ziele der hart erkämpften Bildungs- und Familienpolitik und der Arbeitspolitik würden gefährdet.

Fragt man in Düren Christdemokraten, so gibt es mindestens ein halbes Dutzend Möglichkeiten, wie die zwei Milliarden sinnvoller ausgegeben werden könnten. Dr. Peill sagt: „Statt eines Betreuungsgeldes brauchen wir Rentengerechtigkeit” für Menschen, die Familienarbeit leisten. Die weibliche Altersarmut werde mit einem Betreuungsgeld der geplanten Art noch verstärkt.

„Nicht ganz zeitgemäß” ist auch für Thomas Floßdorf (CDU), Jugendhilfeausschussvorsitzender in Düren, das Betreuungsgeld. Und dass man für eine familiäre Selbstverständlichkeit Geld bekommen soll, findet er „sonderbar”. Er möchte die Milliarden lieber für den Ausbau der U3-Betreuung in den Kitas ausgeben.

Helga Conzen, Leiterin des Katholischen Forums für Erwachsenen- und Familienbildung in der Holzstraße und langjähriges Mitglied im Jugendhilfeausschusses des Kreises Düren, sagt: „Wenn es dieses Geld gibt, bar auf die Hand, dann ist nicht garantiert, dass es den Kindern zugute kommt.” Sie sagt dies voller Überzeugung, wie jemand, der genau weiß, wovon er redet, „dazu habe ich zu viel mit Kindern und Jugendlichen zu tun und schon mehr gesehen als nur heile Welt”. Vielen Kindern fehle heutzutage ein gutes Frühstück, ein gutes Mittagessen und der Umgang mit ausgebildeten Personen.

Die Dürenerin hat auf dem Bundesparteitag in Leipzig gegen das Betreuungsgeld gestimmt, „ich war von Anfang an dagegen und bleibe auch dagegen”. Man fragt sich, warum die Maßnahme so verbindlich in den Koalitionsvertrag aufgenommen wurde. Helga Conzen würde das Geld jedenfalls lieber für beitragsfreie Kindergartenjahre ausgeben.

Von Betreuungsgeld will übrigens auch Hans-Harald Sowka von den Vereinigen Industrieverbänden nichts wissen. Er ist davon überzeugt, dass bildungsferne Schichten die 150 Euro pro Monat nicht für ihr Kind ausgeben und damit den Nachwuchs gewisser Zukunftschancen berauben. In Zeiten von Fachkräftemangel werde es in den Firmen ohnehin nicht gern gesehen, „wenn sich eine junge Mutter nach dem ersten Kind für drei Jahre gänzlich aus dem Erwerbsleben verabschiedet”. Die Dürener Unternehmer wollten, dass die Infrastruktur gestärkt wird, dass also das Geld in Kindergärten und Schulen gesteckt wird.

Egal ob man die Frauenbeauftragte der Stadt, Gila Knorr, fragt oder Erzieherinnen wie Melanie Weingartz in der Kita Lollypop in Norddüren: das Betreuungsgeld wird abgelehnt. Entweder weil klassische Rollenbilder gefestigt und „die Potentiale der Frauen” nicht genutzt werden” (Knorr) oder weil auch für Kleine soziale Kontakte und frühes Sprachlernen (Weingartz ) sehr wichtig sind.

Zum Schluss findet sich doch eine gemäßigte Stimme: Astrid Natus-Can, CDU-Ratsfrau in Langerwehe und Leiterin einer Bildungseinrichtung: Mütter sollte mit der Prämie erkennen, dass sie sich nicht rechtfertigen müssen, wenn sie bei den Kindern bleiben.

Auf Rechtsanspruch wird verzichtet

Im Koalitionsvertrag wurde 2009 zwischen CDU und CSU verabredet: Ab 2013 soll für diejenigen Eltern, die ihre Kinder von ein bis drei Jahren nicht in Einrichtungen betreuen lassen ein monatliches Betreuungsgeld eingeführt werden. In Verhandlungen ist stets von 150 Euro die Rede.

Damit soll ein Ausgleich geschaffen werden dafür, dass Eltern auf den Rechtsanspruch auf U3-Betreuung (ab 2013) verzichten.