Düren: Eine Krankheit weit unterhalb der Gürtellinie

Düren: Eine Krankheit weit unterhalb der Gürtellinie

„Machen wir uns nichts vor. Wir reden hier von Krankheiten unterhalb der Gürtellinie. Von Krankheiten, die immer noch mit sehr vielen Tabus behaftet sind.“ Bernd Pfennings spricht von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, genauer gesagt von Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa.

Der 58-Jährige ist Mitbegründer und Vorsitzender einer Selbsthilfegruppe, die sich genau mit diesen Krankheitsbildern beschäftigt. In diesem Jahr feiert die Gruppe ihr 30-jähriges Bestehen, ungefähr genauso lange leidet Pfennings selbst unter Morbus Crohn.

Bernd Pfennings hat vor 30 Jahren die Selbsthilfegruppe mit gegründet und ist seitdem ihr Vorsitzender. Foto: Sandra Kinkel

Die körperlichen Belastungen von Menschen, die unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen leiden, sind groß. Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa führen zu Durchfällen, Darmblutungen, Bauchschmerzen und schweren Krämpfen. Hinzu kommen aber auch noch große seelische Probleme. Bernd Pfennings: „Die Betroffenen schämen sich häufig, haben Angst. Viele ziehen sich nach der Diagnose vollkommen aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.“

Und genau hier setzt die Arbeit der Selbsthilfegruppe an. Bernd Pfennings: „Vor 30 Jahren waren Selbsthilfegruppen etwas sehr Seltenes. Wir haben damals bewusst zu einem ersten Treffen nach Nideggen eingeladen, weil wir gedacht haben, wer diese Fahrt auf sich nimmt, hat wirklich Interesse.“ 40 Betroffene sind 1984 nach Nideggen gekommen, heute hat die „Selbsthilfegruppe Crohn-Colitis Ulcerosa Düren“ knapp 90 Mitglieder, die mehr oder weniger regelmäßig an den Gruppentreffen immer am zweiten Montag im Monat im Kongresszentrum des Krankenhauses Düren, Roonstraße 30, teilnehmen. Pfennings: „Die Gruppe gibt einfach Halt. Man muss nichts erklären. Wirklich Verständnis für unsere Krankheit haben nur Menschen, die selbst betroffen sind.“

Bernd Pfennings hat gelernt, mit seiner Krankheit zu leben. „In einem Restaurant checke ich immer zuerst ab, wo die Toiletten sind. Aber grundsätzlich komme ich gut zurecht.“ Gesund wird Pfennings nicht mehr, die Krankheit ist nicht heilbar. „Aber heute wirklich gut behandelbar.“ Trotzdem fühlten sich viele Menschen immer noch mit ihrer Krankheit allein gelassen.

Bernd Pfennings: „Gerade auch für Leute, bei denen die Krankheit gerade ausgebrochen ist, ist eine Selbsthilfegruppe wichtig. Sie hilft den Betroffenen oft, den Weg aus der Isolation zu finden.“ Zum Geburtstag der Gruppe hat Bernd Pfennings eigentlich nur einen großen Wunsch: „Ich wünsche mir, das über chronisch-entzündliche Darmerkrankungen offener gesprochen wird. Und dass sie kein Tabu mehr sind.“

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