500 Menschen jubeln : Eine gute Mischung aus Chansons, Pop und Balladen

500 Menschen jubeln : Eine gute Mischung aus Chansons, Pop und Balladen

Irgendwann war der Innenhof von Burg Nideggen eine große Karaokebar. Vicky Leandros, die im Rahmen des Festivals „Bühne unter Sternen“ ein Konzert gab, mischte sich unter das Publikum und bat ihre Fans zu singen: „L’amour est bleu“ stimmte die 66-jährige Sängerin an, die im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert hat.

Und die Konzertbesucher sangen begeistert den Refrain mit. Überhaupt war das Publikum beim vorletzen der insgesamt sechs Konzerte auf Burg Nideggen sehr textsicher und sangesfreudig.

Zwar waren nur rund 500 Menschen zu Vicky Leandros nach Nideggen gekommen — fast die Hälfte der Sitzplätze war noch frei, aber die, die da waren, bereiteten der Sängerin einen tollen Empfang. Leandros hatte noch keinen Ton gesungen, da standen die Menschen schon von ihren Stühlen auf, jubelten und klatschten. Kein Wunder eigentlich, präsentierte sich die Sängerin mit dem einzigartigen Timbre in der Stimme doch ungeheuer sympathisch.

Leandors plauderte aus ihrem Leben, erzählte von ihrem Auftritt beim Grand Prix d‘ Eurovision, bei dem sie 1967 mit 15 Jahren für Luxemburg gestartet ist und den sie fünf Jahre später ebenfalls für Luxemburg gewonnen hat, von Besuchen in Japan, wo ihre Liebe zu Karaoke entstand, überhaupt von Konzerten auf der ganzen Welt. „Es gibt zwei Konstanten in meinem Leben“, betonte die Sängerin. „Die eine ist meine Familie, die andere sind Sie, meine wunderbaren Fans.“ Klar, dass Leandros die Herzen der Konzertbesucher im Sturm eroberte.

Nach mehr als 50 Bühnenjahren und 55 Millionen verkauften Tonträgern nahm die Sängerin die Zuschauer mit auf eine Reise durch ihre musikalische Welt. Vom Schlager, mit dem man sie hierzulande meist verbindet, war sie dabei übrigens meilenweit entfernt — außer bei ihrem einzigen deutschen Nummer-eins-Hit „Theo, wir fahr’n nach Lodz“, der bei dem Abend in Nideggen aber auch nicht fehlen durfte.

Vicky Leandros Songs sind in erster Linie Chansons, gemischt mit Pop und Balladen. Sie interpretierte aber auch Lieder der Chansoniers Mikis Theodorakis und Jacques Brel. Mal mit einem Hauch Melancholie zum Dahinschmelzen schön, mal mit sattem Groove. „Aprés toi“, jener Chanson, mit dem sie den Grand Prix gewann, war genauso zu hören wie das eher moderne Lied „Möge der Himmel“, für das Xavier Naidoo den Text geschrieben hat.

Und egal, ob man die Musik von Vicky Leandros mag oder nicht: Eins hat sie am Sonntagabend auf Burg Nideggen mehr als deutlich gemacht: Sie ist eine Sängerin, die ihr Handwerk versteht, mit viel Gefühl und noch mehr Fingerspitzengefühl für ihr Publikum. Das allein hat den Abend besonders gemacht.

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