Düren: Eine Geschichte für sich: Historiker Horst Wallraff im Porträt

Düren: Eine Geschichte für sich: Historiker Horst Wallraff im Porträt

Es war das Weihnachtsfest 1974, als Horst Wallraff ein Buch bekam, das sein Leben beeinflussen sollte. Damals war das noch nicht klar, erst ein paar Jahre später, als Wallraff einige Bücher mehr geschenkt bekommen hatte, stand fest, wie sein weiterer Weg verlaufen sollte. Es waren Geschichtsbücher, die es Wallraff damals angetan hatten. Heute ist er 53 und Historiker.

Seinen Namen hat er mittlerweile um zwei Buchstaben ergänzt: Dr. Horst Wallraff. Der Birkesdorfer promovierte von 1992 bis 99 mit einer Arbeit über die NS-Zeit im Kreis Düren und hatte das Glück, seine Dissertation im Dürener Hahne & Schloemer-Verlag als Buch auf den Markt bringen zu können. Das ist deshalb der Erwähnung wert, weil Wallraff seinen Doktor gewissermaßen auf Zuruf machte.

Das Werk über die NS-Zeit war eine Auftragsarbeit, die bezahlt wurde. Und das wiederum war nicht unwichtig, weil es Historiker seit jeher nicht leicht haben, nach dem Studium einen Job zu finden. Das hat Wallraff nicht geschreckt, für ihn stand seit seiner Oberstufenzeit auf dem Burgau-Gymnasium fest, Geschichtswissenschaften zu studieren. Damals hatte er im Leistungskurs eine Lehrerin, die „es verstand, Geschichte anschaulich zu vermitteln“.

Das hält Wallraff, der heute im Dürener Stadtarchiv arbeitet, für das Entscheidende, wenn es darum geht, junge Menschen für die Vergangenheit zu interessieren. Ideal sei es, wenn die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar ist. Das Wamper-Mahnmal vor dem Rathaus ist so ein Fall. Als vor zwei Jahren die NS-Vergangenheit des Bildhauers in der Dürener Öffentlichkeit diskutiert wurde, hat Wallraff für die Stadt recherchiert.

Begreifbar wird diese Geschichte, weil der Dürener am Flammenengel tausend Mal vorbeigelaufen ist und nun die Hintergründe kennen könnte. Dass „Geschichte begreifbar sein sollte“, erklärt Horst Wallraff auch in anderer Hinsicht. Wenn man die Zusammenhänge verstanden hätte, wenn klar sei, wie damals alles zusammenhing, dann sei es kein Problem, sich die Jahreszahlen dazu zu merken. Für ihn jedenfalls nicht. Außerdem rät er, Geschichte über konkrete Ereignisse zu vermitteln. Beispiel 11. September 2001. Über den Terroranschlag und seine direkten Auswirkungen könne das große Thema Islamismus angegangen werden.

Lokale Historie

Wallraff selbst hat sich längst der lokalen und regionalen Geschichte verschrieben. Auch im Sinne des Wortes: Neben seiner Dissertation über die NS-Zeit hat er der Geschichte der Landräte im Kreis Düren nachgespürt. „Vom preußischen Verwaltungsbeamten zum Manager des Kreises Düren“ heißt das Buch und auch ein Vortrag, den der Dürener Historiker am kommenden Donnerstag in der Volkshochschule hält.

Zudem hat Wallraff Aufsätze für Fachpublikationen verfasst, eine Birkesdorfer Ortschronik und Rezensionen für andere Bücher. Dass viele Jugendliche kaum für sein Fach zu interessieren sind, erklärt er auch mit der „Konzentration und Ausdauer“, die für „diese Lese-Wissenschaft“ notwendig seien. Viele Jugendliche seien heute eher visuell orientiert. Dass jemand sich wie er mit 14 Jahren eine Hitler-Biografie schenken lässt, ist eher ungewöhnlich. Wenn man so will, hat dieses Weihnachtsfest 1974 für Wallraff historische Bedeutung. Es ist eine Geschichte für sich.

Seine Geschichte.