Volleyballer Michael Andrei erzählt: Eindeutige Körpersprache und „Trash Talk“

Volleyballer Michael Andrei erzählt : Eindeutige Körpersprache und „Trash Talk“

Die kleine, fiesen Tricks der Volleyballer am Netz. Den Gegner einschüchtern und die eigene Mannschaft stärken. Michael Andrei erzählt.

Wenn die SWD Powervolleys am Mittwochabend (19 Uhr, Arena Kreis Düren) ihr zweites Viertelfinal-Play-off um die Deutsche Volleyballmeisterschaft gegen die Berlin Recycling Volleys bestreiten, muss das Team von Stefan Falter unbedingt gewinnen – sonst ist die Saison zu Ende. Klar, dass in erster Linie Angriff, Block und Abwehr funktionieren müssen, nicht zu unterschätzen sind aber auch Körpersprache und Kommunikation auf dem Spielfeld, um den Gegner zu beeindrucken. „Es geht darum, Dominanz zu zeigen“, sagt Powervolleys-Kapitän Michael Andrei. „Und das geht am besten mit der richtigen Körpersprache.“

Andrei, ausgebildeter Personal Trainer und Ernährungscoach, hat sich intensiv mit „Power Posing“ beschäftigt, einem Begriff aus der Forschung zur non verbalen Kommunikation. Andrei: „Menschen mit einer gewissen Dominanz haben einfach eine ganz andere Körperhaltung. Das möchte ich mir zu Nutze machen.“ Studien hätten belegt, ergänzt der Mittelblocker, dass Menschen, die sich bewusst groß machen würden, mehr Testosteron produzieren würden. „Gleichzeitig sinkt das Stresshormon Cortisol.

Mehr Selbstbewusstsein und weniger Stress bringen natürlich gerade für Profisportler sehr viele Vorteile.“ Andrei nennt ein Beispiel für eine Form des „Power Posings“, wie es heute Abend zu beobachten sein wird: „Wenn wir beim eigenen Aufschlag mit drei Spielern am Netz stehen, uns aufbauen und die Hände hinter dem Kopf verschränken, tun wir das, damit der Gegner den aufschlagenden Spieler nicht sehen kann. Wir tun es aber auch, um ihn einzuschüchtern.“ Böse gucken, laut Brüllen, damit, ist Andrei überzeugt, könne man den Gegner durchaus einschüchtern. „Junge Spieler natürlich mehr als erfahrenere“, sagt der 33-Jährige. „Aber es funktioniert.“

Wer sich klein macht und auf sein Handy starrt, wirkt unsicher und wenig motiviert. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Das ist beim Volleyball deshalb so wichtig, weil die gegnerischen Mannschaften keinen direkten (Körper-)Kontakt haben – das Netz hängt immer zwischen ihnen. „Körpersprache kann spielentscheidend sein“, sagt Andrei. „Auch, weil man damit Kraft in die eigene Mannschaft transportieren kann.“ Neben aller non verbalen Kommunikation spielt auch „Trash Talk“, also eine besondere Form der Beleidigung, wie sie sehr häufig beim Sport eingesetzt wird, eine wichtige Rolle. „Früher war das noch viel dreckiger“, sagt Michael Andrei. „Aber natürlich gibt es das immer noch.“

Sehr beliebt seien Kommentare zu Spielern, die gerade aus einer Verletzungspause zurück gekommen seien. „Sprüche wie ‚Das sieht aber noch nicht so rund aus’ kommen häufig vor. Und auch am Netz wird die ein oder andere Nettigkeit ausgetauscht“, sagt der Spielführer. Dabei sei das Ziel des „Trash Talks“ nicht in erster Linie, den Gegner wirklich zu beleidigen. „Natürlich wird man ab und zu auch schon einmal persönlich. Das Ziel ist aber in erster Linie, den anderen in seiner Konzentration zu stören. Dabei muss man natürlich aufpassen, dass man selbst konzentriert bleibt.

Manchen Spielern hilft ‚Trash Talk’ sehr, anderen schadet es eher.“ Und manchmal gibt es Gegner, an denen man sich die Zähne ausbeißt. „Ja, gibt es. Zum Beispiel der russische Zuspieler und Olympiasieger Sergej Grankin, der bei den Berlin Recycling Volleys spielt. „An dem prallt alles ab. Aber weil ich das weiß, konzentriere ich mich eben auf die anderen Spieler.“ Und wie reagiert Andrei, wenn er selbst beleidigt wird? „Ich kann damit gut umgehen, weil ich weiß, was dahinter steckt. Meistens stacheln mich die Kommentare mehr an, als das sie mich aus dem Konzept birngen.

Wer sich dagegen möglichst groß macht, demonstriert Stärke, und der Körper produziert Testosteron. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Für Andrei sind Körpersprache, „Power Posing“ und „Trash Talk“ mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden. „Das liegt auch daran, dass ich schon immer ein sehr emotionaler Sportler war. Aber ich hatte als junger Spieler mit Sven Anton und Heriberto Quero auch gute Vorbilder. Da war immer viel Feuer auf dem Spielfeld.“

Wichtig sei neben dem rein Spielerischen auf dem Spielfeld auch die Atmosphäre in der Halle. „Zum Glück macht unser Fan-Club jede Menge Lärm. Wenn die Halle voll ist, alle stehen und richtig Krach machen, ist das für uns wichtig und gut. Das brauchen wir auch unbedingt heute Abend.“

Mehr von Aachener Nachrichten