Langerwehe: Ein Schießstand unter der Gutachter-Lupe

Langerwehe: Ein Schießstand unter der Gutachter-Lupe

Es zieht wie Hechtsuppe und warm ist es auch nicht wirklich. Aber als Schütze ist man abgehärtet, erst recht als Sportschütze. „Wir schießen auch bei Minus zehn Grad“, antwortet Karl-Josef Dick von der Historischen St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Pier leicht amüsiert auf die merkwürdige Frage, ob die Kälte im Winter beim Zielen nicht hinderlich sei.

Gemeinsam mit Helmut Brechmacher von den Sportschützen Pier und Geschäftsführer Dieter Müller erwartet Dick den Besuch, auf den man dreieinhalb Jahre lang hingearbeitet hat: Manfred Bittner heißt der Mann, er ist Schießstandsachverständiger und kommt eigens aus St. Augustin, um die endlich fertiggestellte Klein-Kaliber-Schießanlage der Schützen in Augenschein zu nehmen und vor allem freizugeben.

Sachverständiger testet Details

Bittner nimmt alles ganz genau unter die Lupe, misst die Schießtische nach, prüft die Bahnen, die eingesetzten Materialien die verhindern sollen, dass Querschläger Schaden anrichten können. Rund anderthalb Stunden ist der Sachverständige vor Ort, um die Arbeitsleistung von dreieinhalb Jahren zu überprüfen. Einen kleinen Mangel findet er nach langem Suchen dann doch: Über einer Tür muss noch eine Notbeleuchtung angebracht werden.

Kein Problem, sagt Karl-Josef Dick. Und auch mit der Entscheidung, dass mit Luftgewehren in der neuen Anlage nur geschossen werden darf, wenn das Holz an der Decke verkleidet wird, können die Schützen sehr gut leben, schließlich gibt es gleich nebenan im kombinierten Bürger- und Schützenhaus den Luftgewehrschießstand mit 16 Bahnen. Das Aufatmen der Schützen ist förmlich zu hören.

Unzählige Stunden an Arbeitsleistung haben sie in den Bau gesteckt. Ganz abgesehen vom Geld. Insbesondere für die Sportschützen ist die Anlage wichtig. Seit Jahren nehmen sie regelmäßig an den Deutschen Meisterschaften teil und haben in der Vergangenheit schon etliche Bundessieger gestellt. Helmut Brechmacher: „Bisher mussten wir bei Wettkämpfen oder zum Training immer auf fremde Stände, zum Beispiel in Birkesdorf oder Aachen, ausweichen. Das war schon eine enorme Fahrerei.“

Die dürfte vorbei sein, wenn der Bericht des Sachverständigen auch schriftlich vorliegt und die Kreispolizeibehörde die entsprechende Bestätigung ausgestellt hat. Knapp 600.000 Euro inklusive der Eigenleistungen haben die Pierer Schützen dann an ihrem neuen Standort in Schützenhein, Luftgewehrschießstand und den neuen Klein-Kaliber-Schießstand im Langerweher Umsiedlungsgebiet investiert.

Was bei der Summe nach Edelbauten klingt, kommt eher pragmatisch daher. Fenster, Beleuchtung, eine kleine Küche und auch Steine stammen zum Beispiel aus Alt-Pier, selbst alte Kirchenbänke finden sich in der Anlage wieder. Nicht gespart hat man hingegen bei der Sicherheit. „Die steht für uns an erster Stelle“, bekräftigt Karl-Josef Dick. Das stellt wenig später selbst unter Beweis. Das Gewehr, das Dick extra für ein Foto von Zuhause holt, ist in einer Tasche verpackt und eigens mit einem Schloss zusätzlich gesichert.

Ein erster Schuss fällt an diesem Tag übrigens noch nicht. Sachverständiger Manfred Bittner verzichtet, weil eine Überprüfung nicht nötig ist. Und die Schützen wollen den ersten Schuss erst bei der Einweihung der neuen Anlage abfeuern. Eine Ehre, die dem Schützenkönig vorbehalten sein wird. Das ist Helmut Brechmacher, der das Gewehr immerhin schon mal in die Hand nimmt und probehalber am Schießtisch Maß nimmt.

Schüsse bis zu einer Distanz von 50 Metern können die Schützen hier abfeuern. Dementsprechend wurde eine hängende Zuganlage installiert, die die Ergebnisse anzeigt und auch über die 25-Meter-Distanz genutzt werden kann. Und damit die Anwohner trotz der Ballerei ihre Ruhe haben, haben die Schützen darauf geachtet, die Auflagen des Lärmgutachtens zu erfüllen. „Die Züge, die hier vorbeifahren, sind lauter“, erklärt Karl-Josef Dick.

Vielleicht können die Sportschützen da mit dem Jubel über ihre Siege ja eine Ausnahme machen.