Merzenich: Ein Rettungspaket zum Erhalt der Postfiliale Merzenich

Merzenich : Ein Rettungspaket zum Erhalt der Postfiliale Merzenich

Die Entscheidung ist ungewöhnlich: Um zu verhindern, dass die Post in Merzenich am 31. Januar ihre Türen schließt, wird die Gemeinde selbst einspringen. Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU) hat kurzfristig ein entsprechendes Rettungspaket geschnürt.

Untergebracht ist die Postfiliale in der Laurentius-Apotheke. Die schließt aufgrund einer Privatinsolvenz des Betreibers zum Monatsende. „Für uns ist die Postfiliale ein belebendes Element im Ortskern. Deshalb war mir wichtig, dass das Angebot vor Ort übergangslos erhalten bleibt“, betonte Gelhausen gestern.

Das Konstrukt ist kompliziert: Der Insolvenzverwalter übernimmt das Vertragsverhältnis mit der Post, ein Mitbewerber tritt in das Mietverhältnis ein und vermietet günstiger an den Insolvenzverwalter unter. Der könnte dann die Arbeitsverhältnisse der vier Mitarbeiterinnen der Postagentur übernehmen. Das Defizit will die Gemeinde tragen. „Wir unterhalten uns über eine mittlere dreistellige Summe im Monat und haben das auf ein Jahr befristet“, erklärt der Bürgermeister, der sich diese Entscheidung per Dringlichkeitsbeschluss von den Fraktionen hat absegnen lassen. Gelhausen: „Wir haben für viel Geld ein Dorfentwicklungskonzept entwickelt und beschlossen, das den Dorfkern von Merzenich stärken soll. Es wäre kaum vermittelbar, wenn wir jetzt diesen vergleichsweise niedrigen Betrag nicht einsetzen würden.“

Wegfall von Angeboten

Zumal die Alternative für Gelhausen klar umrissen ist: „Wenn wir nicht aktiv würden, geht die Tür der Postfiliale am 31. Januar zu.“ Wann die Tür sich dann wieder öffnen würde und mit welchen Angeboten, ist zudem nicht vorhersehbar. Zuletzt hatte es in Vettweiß Probleme gegeben. Fast sieben Monate lang mussten die Bürger warten, bis die Post eine neue Agentur eröffnen konnte — in der Zwischenzeit gab es nur eingeschränkte Angebote. Gelhausen hatte aber noch eine andere Befürchtung: „Es geht hier nicht nur um den Erhalt der Postfiliale, sondern auch um den Erhalt des Bankangebotes. Wir haben in Merzenich viele Postbank-Kunden.“ Bei einer Schließung hätte das wegfallen können. „Im Fall einer Schließung einer Postagentur suchen wir stets einen neuen Partner, der das als Zusatzgeschäft betreibt. In 99,9 Prozent der Fälle werden wir auch fündig. Klappt es nicht sofort, versuchen wir in einer Interimsfiliale unser Pflichtangebot aufrecht zu erhalten“, erklärt Postsprecher Achim Gohr.

Auch wenn das Rettungspaket mit Zustimmung der Politik geschnürt ist, ist Gelhausen klar, dass ein tragendes Konzept zur Nutzung der Räume her muss. Keine leichte Aufgabe. Während die Post Gewerbetreibenden ihre Agenturleistungen als zusätzliches Geschäft anbietet, müsste hier der umgekehrte Weg beschritten werden. Und das bei einer Leistung, die eher defizitär ist. Dafür hat man nun ein Jahr lang Zeit.

(bugi)
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