Flugplatz Bergstein: Ein Oldtimertreffen für historische Segelflugzeuge

Flugplatz Bergstein : Ein Oldtimertreffen für historische Segelflugzeuge

Sie wird am Wochenende wieder lebendig: die Zeit, in der Segelflugzeuge nur kleine Luftsprünge gemacht haben, anstatt lange majestätisch in den Höhen zu gleiten. Als es noch zehn Paar starke Hände zum Anziehen von Gummiseilen bedurfte, um den darin gespannten Flieger in die Luft zu katapultieren. Als die Piloten auf einer Art Brett im Freien saßen und nicht in einem schützenden Cockpit.

Denn am Samstag und Sonntag, 15. und 16. September, ab 12 Uhr veranstaltet der Luftsportverein Düren-Hürtgenwald sein erstes Oldtimertreffen für Segelflugzeuge auf dem Flugplatz in Bergstein. „Bei dem Treffen kann man sehr gut die Entwicklung des Segelfliegens in den vergangenen 60 Jahren sehen“, erklärt Bernd Jäger, mit 79 Jahren das älteste Mitglied des Dürener Flugsportvereins.

Auch der Cumulus wird am Wochenende ausgestellt. Foto: Jäger

Mindestens sechs Flugzeuge, die ihre Hochzeit in den 1950er und 60er Jahren hatten, werden ausgestellt. Die meisten von ihnen können noch fliegen und werden das unter Beweis stellen. Dabei schleppt die neue selbst gebaute Winde des Vereins die Flugzeuge in 300 bis 400 Meter Höhe. Alle, bis auf einen Oldtimer. Der SG38 bekommt vor den Augen des Publikums mit Hilfe von Muskelkraft und Gummiseilen Wind unter seine Flügel.

Der SG38 bedeutet dem Verein viel, denn es war der erste Flugzeugtyp, den die Mitglieder ab der Vereinsgründung 1951 selbst gebaut hatten. Das Modell markiert den Beginn des Luftsportvereins und die Fliegerei im Dürener Land. Am Wochenende wird nicht das Originalflugzeug von damals zu sehen sein, sondern ein Modell von der Wasserkuppe, dem höchsten Berg der Rhön, der als Geburtsstätte des deutschen Segelflugs gilt.

Das letzte Holzflugzeug

Die Flieger, die nach Bergstein kommen, befinden sich in Privatbesitz. Der Kontakt kam dank befreundeter Vereine zustande und die Besitzer reisen mit ihren Seglern extra an. Initiiert hat das Treffen Christian Kroll von dem Dürener Luftsportverein, der selbst einen Oldtimer besitzt und ausstellen wird — einen Cumulus, der bereits vor Ort ist. Ebenso wie die Ka 6E, „die eigentlich kein richtiger Oldtimer ist“, erklärt Bernd Jäger. Es ist aber das älteste Flugzeug im Verein und „das letzte in Deutschland gebaute Holzflugzeug“, sagt er stolz. Das damalige Hochleistungsflugzeug beeindruckt Jäger vor allem wegen seines harmonischen Fliegens. „Es bleibt trotz schwacher Thermik oben. Das ist heute bei vielen Flugzeugen nicht mehr so einfach“, ergänzt der 79-Jährige.

Auf ein Flugzeug freut Jäger sich besonders: den Zweisitzer „Doppelraab“. So ein Schulflugzeug hat der Verein 1954 angeschafft. „Ich freue mich, wenn der ‚Doppelraab‘ noch einmal hier am Platz steht. Es ist schon zig Jahre her, dass ich den selbst geflogen bin“, sagt Jäger und schwelgt in Erinnerungen. „Damals gingen die Flüge nicht so weit und hoch. Da zählte jede Sekunde in der Luft, um die Leistungsnachweise zu bekommen. Heute wissen Jugendliche gar nicht mehr, wie die Flugzeuge von früher aussehen.“ Das soll sich mit dem Treffen ändern.

Ein Organisator ist der Student Daniel Strack, der nicht zu den „unwissenden Jugendlichen“ gehören möchte und sich besonders für das Oldtimertreffen engagiert. Das Treffen ist auch mit der Hoffnung verbunden, Nachwuchs im Segelflug zu generieren. Den bräuchten die 40 Mitglieder des Vereins nämlich dringend, erklärt Jäger. Die Vergangenheit und die Zukunft können also am Wochenende am Flugplatz in Bergstein aufeinandertreffen.

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