Düren: Ein Mann der Zahlen und des Geldes

Düren: Ein Mann der Zahlen und des Geldes

Im Flur liegt blauer Filzboden. Es ist eher der gediegene Charme der 1980er Jahre, den die Behörde ausstrahlt, mit der man in der Regel eher selten zu tun haben möchte.

Seit einem Jahr ist Hans-Friedrich Breuer Chef des Finanzamtes in Düren, Vorsteher nennt man das im Behördendeutsch. Ein Deutsch, das für viele Steuerpflichtige wenig bis gar nicht verständlich ist, von denen die alljährliche Steuererklärung eher als Tortur denn als Freude empfunden wird. Genau 46.429 Arbeitnehmer waren es im letzten Jahr, für die das Finanzamt Düren zuständig war. Hinzu kommen noch einmal knapp 16.500 gewerbliche und freiberufliche Unternehmen.

Dass sich die Aktenberge im Dürener Finanzamt dennoch nicht türmen, liegt zum Einen am Fleiß der rund 250 Beschäftigten, die sich 195 Stellen teilen, zum Anderen aber auch daran, dass zwar das Gebäude noch von innen den Charme der 80er ausstrahlt, aber natürlich längst mit moderner Technik gearbeitet wird.

Rund ein Viertel aller Steuererklärungen wird inzwischen per Elster online abgewickelt, erklärt Breuer, „davon profitieren beide Seiten. Die Steuerpflichtigen können sofort sehen, ob sie eine Rückzahlung zu erwarten haben und die Summe dann später mit dem Bescheid vergleichen.” Praktisch ist es aber eben auch für die Mitarbeiter, weil die Bescheide schneller bearbeitet werden können.

Dass Steuererklärungen so kompliziert sind, hat für Breuer auch etwas mit dem zu tun, weswegen er sich ursprünglich für diesen vermeintlich eher „trockenen” Job entschieden hat: der Gerechtigkeit. Eigentlich wollte Breuer Rechtsanwalt werden. Während seiner Referendarzeit hat er dann eine Stelle am Finanzamt Trier angenommen, weil er lernen wollte, wie man Bilanzen von Unternehmen liest - und ist hängen geblieben, weil er es spannend fand, die Schlupflöcher in Bilanzen zu schließen.

Die Gerechtigkeit ist für ihn auch mit ein Grund, warum Breuer nicht glaubt, dass irgendwann das gelingen wird, was Politiker gerne mal vollmundig versprechen: die Steuererklärung so einfach zu gestalten, dass sie auf den berühmten Bierdeckel passt. Breuer: „Die Steuervereinfachung ist schwer umzusetzen, wenn man gleichzeitig dem Grundsatz der Leistungsfähigkeit auch in Sonderfällen gerecht werden will.”

Dass der Behördenchef sich den Luxus leisten kann, sich neben der organisatorischen Arbeit genau um die Fälle kümmern zu können, die ihn interessieren, genießt er. Zumal er letztlich vielfach auch mit den Themen zu tun hat, die bundesweit diskutiert werden. Wenn eine neue Steuer-CD aus der Schweiz auftaucht, dann gibt es eben auch in Düren Selbstanzeigen. Spitzengehälter auf Managerebene können auch steuerrechtlich interessant sein. „Natürlich haben wir auch in Düren Unternehmen, die steueroptimiert handeln wollen”, drückt es Breuer vorsichtig aus. „Da achten wir natürlich darauf, ob es an irgendeiner Stelle verdeckte Gewinnausschüttungen gibt, zum Beispiel wenn der Unternehmer sich ein exorbitant hohes Gehalt zahlt oder mit hohen Rückstellungen der Gewinn gemindert wird.”

Interessant dabei: Immer dann, wenn es der Wirtschaft gut geht, sinken die Einnahmen des Finanzamtes. Und Breuer hat eine simple Erklärung dafür: „In guten Zeiten investieren die Firmen mehr.” Das klingt logisch. Düren geht es demnach wirtschaftlich sehr gut: Die Einnahmen des Finanzamtes sind nämlich von 2009 auf 2010 deutlich gesunken: von knapp über 600 Millionen Euro auf etwas mehr als 510 Millionen Euro.

Der blaue Filzboden zieht sich übrigens bis in das Büro von Breuer im 3. Stock durch. Dazu gesellen sich alte Aktenschränke und - Drucke des PopArt-Künstlers Keith Haring. Den schätzt Breuer besonders. Und es zeugt auch davon, dass die Mitarbeiter des Finanzamtes nicht nur reine Zahlen-Menschen sind. „Eigentlich sind wir sogar eine ganz lustige Behörde. Wir machen Betriebsausflüge, feiern im Frühjahr ein Hoffest und Karneval. Natürlich nicht auf Kosten des Steuerzahlers.

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