Suche nach „Wächterlymphknoten“: Ein leuchtender Helfer im Birkesdorfer Operationssaal

Suche nach „Wächterlymphknoten“ : Ein leuchtender Helfer im Birkesdorfer Operationssaal

Der Name des Farbstoffs ist unaussprechlich, aber zweitrangig: Indocyaningrün. Wichtiger ist seine hervorstechende Eigenschaft, denn Laserlicht in bestimmten Frequenzen bringt ihn zum Leuchten.

Diese Eigenschaft machen sich am Birkesdorfer St. Marien-Hospital die Fachabteilungen für Frauenheilkunde und Chirurgie bei der Behandlung von onkologischen Patienten seit einem knappen Jahr zunutze. Der Farbstoff wird in einer Lösung in die Nähe von Tumoren gespritzt, verteilt sich und macht in einem bestimmten Lichtspektrum Lymphbahnen und letztlich Lymphknoten sichtbar, die mit Tumorzellen befallen sind. Kurzum: Die Kamera zeigt dem Operateur an, welche Lymphknoten im Umfeld von Tumoren entfernt werden müssen und welche nicht.

„Das funktioniert sensationell gut“, sagt Chefarzt Dr. Axel Sauerwald (Frauenheilkunde und Geburtshilfe). Vor allem in seinem Fachbereich – bei Brustkrebs, Tumoren am Gebärmutterhals oder -körper und Vulvakarzinomen – reduziere die Einfärbung von sogenannten „Wächterlymphknoten“ das Metastasierungsrisiko verlässlich und schone zugleich die Patientinnen. Während vorher im Umfeld eines Tumors sicherheitshalber großflächig Dutzende Lymphknoten entfernt worden sind, reiche es nun, gezielt drei oder vier zu entnehmen. Damit gibt es laut Sauerwald eben auch deutlich weniger Komplikationen (zum Beispiel Lymphödeme).

In St. Marien kommt das Indocyaningrün-Verfahren, das es schon seit einiger Zeit im gynäkologischen und dermatologischen Bereich gibt, seit etwa einem Jahr regelmäßig zum Einsatz. Das hat mit dem Chefarzt der Chirurgie, Dr. Siegfried Shah, zu tun. Der hat vor seinem Wechsel nach Birkesdorf insgesamt neun Jahre für das Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum gearbeitet und die Methode „mitgebracht“. Shah war auch an klinischen Studien beteiligt, die eine mögliche Wirksamkeit „des Modells der Wächterlymphknoten“ zum Beispiel bei Darmkrebs überprüften.

Das hätte bedeuten können, dass bei Darmkarzinomen nur noch der tatsächlich befallene Teil hätte entfernt werden müssen. Allerdings sei das Verfahren laut Dr. Shah nicht komplett übertragbar gewesen. Dennoch sei es bei Dick- und Enddarm-Operationen nützlich. Werden nämlich Teile entfernt und die gesunden Enden wieder miteinander vernäht, „dann heilen 10 bis 15 Prozent dieser Verbindungen nicht“, erklärt der Chirurg.

Der Einsatz von Indocyaningrün aber zeige sicher an, wo die Darmenden gut durchblutet sind und sich dann auch verbinden. Der Farbstoff selbst stellt für den Chefarzt kaum ein Risiko dar. Shah: „Er enthält Jod, allerdings in so geringer Konzentration, dass Nebenwirkungen extrem selten auftreten. Ich habe damit seit 2011 noch nie ein Problem gehabt.“

(vpu)
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