Niederzier/Balve: Ein Leben ohne Sport ist für Udo Raumann unvorstellbar

Niederzier/Balve : Ein Leben ohne Sport ist für Udo Raumann unvorstellbar

Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona wurde er 14., 1995 holte er bei der WM in Nottingham die Bronzemedaille und ein Jahr später bei der Europameisterschaft in Augsburg sogar Gold: Udo Raumann (49) zählt zu den erfolgreichsten Kanuten Deutschlands.

Im Gespräch mit Sandra Kinkel erzählt der frühere Niederzierer, der heute in Balve im Sauerland wohnt und immer noch im Dürener Kanu-Club aktiv ist, von seiner Olympiateilnahme und wie er zu diesem Sport gekommen ist.

sdsdsd. Foto: Rauman, Kerwin

Wann haben Sie zum letzten Mal in einem Kanu gesessen?

Udo Raumann: Gestern in Augsburg auf dem Eiskanal.

Wie sind Sie zu dieser Sportart gekommen?

Raumann: Durch meine Eltern.Mein Vater war viele Jahre Vorsitzender des Dürener Kanu-Clubs. Ich bin also quasi in den Verein hineingeboren worden und hatte gar keine andere Chance. Mit zehn Jahren habe ich es mal mit Fußball versucht, bin aber kläglich gescheitert.

Wann wurde Ihr außergewöhnliches Talent entdeckt?

Raumann: Mit zwölf Jahren bin ich in den ersten Nachwuchskader des Landes NRW gekommen. Von da an ging es durch die Förderung stetig weiter. Düren hatte damals aufgrund der ehemaligen Kanusstrecke am alten Rurbad eine wirklich sehr gute Trainingsstrecke. Leider musste diese Strecke dann der Renaturierung in diesem Bereich weichen. Zu dem Zeitpunkt war ich aber schon sportlich in Augsburg gelandet.

Was macht für Sie den Reiz des Kanufahrens aus?

Raumann: Zum einen ist es ein absoluter Natursport. Und man stellt sich in diesem Sport permanent den Gewalten des Wassers und muss damit zurechtkommen. Sportlich ist Kanuslalom ein sehr technischer Sport, der einem ein sehr hohes Maß an motorischen und koordinativen Fähigkeiten abverlangt. Um in der Spitze bestehen zu können, kommen dann noch Ausdauer und Kraft hinzu, die im Trainingsplan einen wichtigen Stellenwert haben.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Olympischen Spiele von 1992?

Raumann: Neben dem rein sportlichen Event bleiben die Eröffnungsfeier und Abschlussfeier das absolute Highlight. Die Erinnerung an den Einmarsch mit der ersten gesamtdeutschen Mannschaft bereitet mir heute noch ein Gänsehautgefühl.

Warum ist Olympia für Sportler so etwas wirklich Besonderes?

Raumann: Ganz einfach — es ist das einzige Sportevent, wo wirklich alle Sportler aller Sportarten unter einem Dach antreten.

Wie viele Opfer mussten Sie für Ihren Sport bringen?

Raumann: Opfer? Gute Frage. Das wird immer so formuliert — aus meinem heutigen Blickwinkel würde ich lieber fragen: Was hat mir der Sport auf diesem Niveau gegeben? Ja, natürlich hat man bei bis zu 18 Trainingseinheiten in der Woche auf einiges verzichten müssen. Freunde, Feiern kamen mit Sicherheit nicht in dem Umfang vor, wie bei einem Leben ohne Leistungssport. Auch mein Studium in München ist anders verlaufen, als bei meinen Studienkollegen. Im privaten Umfeld von Familie bis hin zur Freundin musste ich mit Sicherheit auf das eine oder andere verzichten.

Was machen Sie heute?

Raumann: Heute bin ich Werkleiter und technischer Geschäftsführer des Stammwerkes beim drittgrößten Hygienepapierhersteller in Europa.

Wie viel Zeit geht immer noch für den Sport drauf?

Raumenn: Im Prinzip meine komplette verbleibende Freizeit. Zum einen betreue ich meinen Sohn Felix, bin aber auch noch in zwei Kanuvereinen 1. Vorsitzender.

Was haben Sie aus Ihrem Leben als Profisportler mitgenommen?

Raumann: Ein klar formuliertes Ziel zu haben und darauf konsequent hinarbeiten zu können und dabei zu wissen, dass man diese Ziele nur im Team erreichen kann. Eine weitere wichtige Erfahrung war, dass diese Ziele nur mit Geduld und Ausdauer zu erreichen sind.

Wo verwahren Sie Ihre Medaillen von Welt- und Europameisterschaft?

Raumann: Meine wichtigen Medaillen hängen an meinem Pokal, den ich 1992 als Sportler des Jahres in Düren bekommen habe. Der steht in meinem Arbeitszimmer.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem Partner von damals?

Raumann: Ja klar! Er ist unser Trauzeuge. 2013 sind wir Seniorenweltmeister in Turin geworden und an diesem Wochenende starten wir bei einem Wettkampf in Neuss.

Wie viele Tage am Stück können Sie heute ohne Sport auskommen?

Raumann: Am liebsten keinen. Nach zwei bis drei Tagen ohne Sport werde ich leicht unausgeglichen — sagt meine Frau.

Mehr von Aachener Nachrichten