Marienkapelle: Ein Konzert voller Ernst und stiller Freude

Marienkapelle : Ein Konzert voller Ernst und stiller Freude

Ein lichtdurchfluteter Raum empfing Musiker, Sänger und Publikum in der Jüngersdorfer Marienkapelle. Trotz anhaltenden Regens waren die Bänke und Stühle nahezu besetzt. „Alla Marcia“ — mit diesem Marsch stimmte das Mandolinenorchester die Gäste auf das über 90-minütige Konzert ein.

Von einem Marsch erwarten die Organisatoren offenbar — das machen andere Orchester ähnlich — eine Auflockerung der Gedanken. „Alla Marcia“ hatte seine Crescendi und Decrescendi, doch martialische Einladungen zum Marschieren lieferte er nicht.

Mit mehr Bewegungspotenzial waren dann die folgenden Wanderlieder ausgestattet: „Wenn wir wandern auf unseren Wegen“ und das „Rennsteiglied“. Beide kamen zackig und locker daher.

Den „Deutschen Mandolinisten Marsch“ trugen die Musiker mit Ernsthaftigkeit und stiller Freude vor. „Das Ave Maria der Berge“, ein Lied zu Ehren der Mutter Jesu, konnte auch einem Nicht-Christen gefallen, vermittelt es doch eine heimelige Atmosphäre, beschreibt musikalisch mit Steigerungen die Anstiege und mit Ruhe und Besonnenheit die Abstiege in der Bergwelt.

Die Stimmen der acht Rurland-Singers waren präsent, die Instrumente des Mandolinenclubs T.C. „Rurland“ erfüllten mit ihnen den modernen Kirchenraum, der wiederum mit seiner großartigen Akustik das Ganze zu einem Wohlfühl-Gesamtblock machte. Was kann in der Folge dann schöner sein, als die Beinahe-Nationalhymne Italiens, das „O Sole Mio“, gesungen von einem waschechten Italiener aus dem toskanischen Grosseto.

Von „Beatles“ bis „Bläck Fööss“

Gegen Ende des Konzerts wurde es fast international: Der Walzer Nr. 2 von Schostakowitsch sowie Evergreens der „Beatles“ und „Bläck Fööss“ standen auf den Programmzetteln. Doch mit dieser Aufzählung ist das Konzertgeschehen noch lange nicht abgehandelt, denn der Dirigent des Mandolinenorchesters, Alfons Schwalbach, und seine Mitstreiter ließen ihr Publikum nicht einfach dasitzen.

Immer wieder wurden Mitsinglieder eingestreut, bei denen die Zuhörer ihre Stimmen erproben konnten. „Mein Vater war ein Wandersmann“, „Hohe Tannen“, „Das Wandern ist des Müllers Lust“ — Lieder, die vor Jahrzehnten noch zum allgemeinen Liedgut in den Wohnzimmern Deutschlands gesungen wurden, standen auf dem Programm. „Wir wollen zu Land ausfahren“, „Wir lieben die Stürme“, „Heute an Bord“ — vor vielen Jahren noch füllten diese Stücke die Liederhefte vieler Wanderer.

Gegen Ende des Konzerts präsentierten die Musiker die „Nationalhymne“ der Eifeler — „Eifelland, du bist mein Heimatland“ —, sowie „Lasset uns das Leben genießen“, zum Abschied, wieder ein „Fööss“-Lied: „Bye, bye my Love“.

Inbrünstig sang das Publikum die Lieder mit und saß zufrieden auf den harten Kirchenbänken. Dreh- und Angelpunkt des Geschehens war Alfons Schwalbach, der mit Leib und Seele von seinem Hocker aus den Taktstock schlug. Während die Körbchen für die Spendensammlung herumgereicht wurden, boten Orchester und Chor „Somewhere over the ocean“. Gespendet wurde im Übrigen für die Unterstützung der Langerweher Tafel. 460 Euro kamen so zusammen.

(bel)
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