Düren: Ein Konzert in der Christuskirche für die Hospizbewegung

Düren : Ein Konzert in der Christuskirche für die Hospizbewegung

Sanfte Töne umspielten das genießende Publikum. In andächtiger Stille lauschten sie dem virtuosen Tastenspiel von Star-Pianist Lars Vogt, der im Rahmen des Jubiläums zum 25-jährigen Bestehen der Hospizbewegung Düren-Jülich ein Benefizkonzert in der Christuskirche spielte.

„Es ist herrlich: So viele bekannte Gesichter bilden eine ganz besondere Verbindung zum Publikum“, beschrieb er sein seltenes Heimspiel. Der aus Düren stammende Musiker fühlt sich allerdings überall zu Hause, sagt er. In allen Ländern der Welt gebe es die Familie von Menschen, die „an die Verrücktheit der Musik“ glaube. Unterschiede macht der erfahrene Konzertspieler im Temperament des Klatschens aus: „In England ist es wild und heftig, in Deutschland eher ruhig und länger.“ Düren war an dem Abend ein passendes Beispiel.

Der Protagonist und die Veranstalter: Lars Vogt (sitzend) mit dem Vorstand der Hospizbewegung Düren-Jülich Dr. Martin Franken (Vorsitzender), Ulla von Gagern, Irene Weyer (Pfarrerin) und Gerda Graf (v.l.). Foto: Huppertz

„Musik braucht keine Worte, das ist ihr Vorteil gegenüber dem Schauspiel. Sie kann überall verstanden werden“, erläuterte er diese spezielle Verbindung. Das verdeutlicht er mit einer Analogie zur Sprache. „Wenn man sie versteht, ist sie ein absolutes Geschenk.“

sd. Foto: Huppertz

Doch der heute eher auf Leistung geprägte Mensch habe damit ein Problem. Von Kindesbeinen an werde die Leistungsgesellschaft in den jungen Generationen verankert — hier sieht Vogt Handlungsbedarf und appelliert: „Das aktive Erleben darf nicht verloren gehen“. Um dem entgegenzuwirken, hat er das Projekt „Rhapsody in School“ ins Leben gerufen, in dem die Kinder wieder Kontakt zur Musik und zu ihren Emotionen bekommen sollen. „Musik ist ein urtümlicher, emotionaler Schlüssel für das, was in uns ist.“

Diese besondere Verbindung zur Musik kommt auch in der Hospizarbeit zum Tragen. „Oft fragen wir die Angehörigen nach der Lieblingsmusik der Patienten, sie wirkt beruhigend“, erklärte Gerda Graf, von der Hospizbewegung Düren-Jülich. Musik scheint der „Universalschlüssel“ zu sein, um Menschen über alle Grenzen hinweg miteinander zu verbinden und sie in ihrem tiefsten Innern zu erreichen. Diese Verbindung werde „dringend benötigt, will man sterbende Menschen verstehen und begleiten“.

Pfarrerin Irene Weyer eröffnete das Konzert mit einem Zitat. „Leben spricht eine eigene Sprache. Sterben oft eine andere“. Diese Sprachbarriere kann Musik überwinden — deshalb ist sie so wichtig. „Leben und Sterben hat viel Kulturelles“, äußerte Gerda Graf. Der Vorsitzende der Hospizbewegung, Dr. Martin Franke, ergänzte: „Mit diesem Benefizkonzert möchten wir den Gedanken in die Öffentlichkeit bringen.“ Welcher Weg wäre da besser geeignet als der musikalische, um den Menschen diese Gedanken und dieses Wirken näher zu bringen.

Mit Erlös Wünsche erfüllen

Auch Lars Vogt ist begeistert. „Die Hospizbewegung ist fantastisch“, lobte er den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer. Aus persönlicher Erfahrung wisse er, wie wichtig es sein kann, solche Stellen zu haben. „Nicht nur den Sterbenden wird eine schöne Atmosphäre geboten, sondern auch den Angehörigen, wenn sie gemeinsam diesen Weg gehen. Es liegt eine Schönheit in dem Prozess, die nach außen getragen werden sollte“, erklärte er sein Engagement in dieser Sache. Bei dem Konzert sind zwischen 8000 und 9000 Euro zusammengekommen, mit denen die letzten Wünsche von Patienten erfüllt werden sollen. Ein letztes Mal das Meer zu sehen, ist nur einer davon.

„Appassionata“ nach 15 Jahren wieder vor Publikum

Eindrucksvoll bewies Lars Vogt, warum er zu den führenden Pianisten unserer Zeit gehört. In einem selbst zusammengestellten Programm entführte er die Zuhörer in die Welten von Wolfgang Amadeus Mozart, Leoš Janáek, Arnold Schönberg und Ludwig van Beethoven. Wenn solch hochkomplexe Werke von Vogt mit einer Leichtigkeit gespielt werden, dann stehet die Professionalität außer Frage, auch wenn die kühlen Temperaturen der Kirche das Spielen erschwerten.

Höhepunkt war die Klaviersonate f-moll op 57 „Appassionata“ von Beethoven, die er seit 15 Jahren nicht mehr vor Publikum gespielt hatte. Als Zugabe spielte er ein Intermezzo von Johannes Brahms.

Vogt, der nur das spielt, worauf er wirklich Lust hat, präsentierte den Zuhörern an diesem Abend seine liebsten Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms.

Viele Besucher hatten die Augen geschlossen oder blickten verträumt und waren gefesselt von der Wirkung der Musik. Das Konzert von ihm war ein akustischer und emotionaler Hochgenuss — und sicher auch einmalig.

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