Vettweiß: Ein Jubelruf nach der Parkinson-Diagnose

Vettweiß : Ein Jubelruf nach der Parkinson-Diagnose

Die Diagnose Parkinson erhielt Dagmar Lögler am 22. Dezember 2015. Wer nun glaubt, dass diese Nachricht ihr das Weihnachtsfest verdorben hat, liegt gehörig falsch. „Ich habe ,Hurra‘ geschrien“, erinnert sich die 54-Jährige.

Mit der Diagnose lebt sie nun mehr als zwei Jahre, mit der Krankheit jedoch schon seit ihrem 25. Lebensjahr. Darauf blickt sie am Welt-Parkinson-Tag zurück, wirft aber auch einen Blick nach vorn, auf die Zeit mit ihrer in Vettweiß neu gegründeten Selbsthilfegruppe.

Mit im Boot sitzt auch der Vettweißer Apotheker Christoph Koch, mit dem Lögler die Gruppe ins Leben gerufen hat. „Der Grund für die Gründung war: Raus aus der Isolation, rein ins Leben“, sagt Koch, und Lögler ergänzt: „Der Patient muss mitarbeiten, darf sich nicht hängenlassen. Ich mache sehr viel, sonst würde ich hier nicht sitzen. Ich gehe zur Ergo- und Physiotherapie und mache Reha-Sport.“ Aber allein damit ist es natürlich nicht getan: Dagmar Lögler ist auf bestimmte Tabletten eingestellt, damit sie so wenige Einschränkungen wie möglich spürt.

Drei typische Symptome

Apotheker Koch erklärt, dass es drei typische Symptome für Parkinson gibt: Das Zittern werde in der Öffentlichkeit am ehesten wahrgenommen, hinzu kommen Bewegungsarmut und Muskelsteifigkeit. „Einige Parkinson-Patienten haben ein maskenhaftes Gesicht mit sehr eingeschränkter Mimik und einem starren Blick. Das irritiert vielleicht Menschen, die das nicht kennen.“ Symptome wie diese sind jedoch vom Alter der Patienten, deren jeweiliger Tagesform und Medikation abhängig.

Heute sagt Dagmar Lögler, dass es ihr eigentlich gut gehe. Früher war das anders. Mit 25 Jahren bemerkte die Vettweißerin, dass sie fast keinen Geschmacks- und Geruchssinn mehr hatte. In stressigen Situation zitterte ihr linker Arm innerlich. Sie hatte regelmäßig Schmerzen, wurde zum Neurologen überwiesen und bekam zu hören, sie sei überarbeitet und solle mal in den Urlaub fahren.

In den 25 Jahren vor ihrer Diagnose und damit auch vor der Behandlung wurde sie oft als Simulantin hingestellt. Als das Zittern, der sogenannte Tremor, besonders schlimm war, wurde ihr auf der Arbeit nachgesagt, ein Alkoholproblem und Entzugserscheinungen zu haben. Zu der Zeit hatte Lögler Schlaf- und Sprechstörungen, ihr Gangbild hatte sich verändert, sie konnte kaum noch schreiben.

Mit der Behandlung sind die Symptome aber nicht gänzlich verschwunden. Koch: „Die Symptomatik kann gemildert werden, aber man setzt die Patienten nicht mit Arzneimitteln auf Normal Null.“ Fünf bis zehn Prozent, so schätzt Lögler, bleiben. Von denen lässt sie sich so wenig wie möglich einschränken und macht sich auch für andere Patienten stark. „Ich will kein Mitleid, keine Rücksichtnahme, aber das Leben positiv nehmen und das Beste draus machen.“

(wel)
Mehr von Aachener Nachrichten