Hilfsprojekt: Ein Heilpflanzengarten im Senegal mit Hilfe aus Düren

Hilfsprojekt : Ein Heilpflanzengarten im Senegal mit Hilfe aus Düren

Als Bernhard und Michael Grizemks berühmter Film „Serengeti darf nicht sterben“ 1959 ins Kino kam, war Hans Georg Tangemann gerade einmal neun Jahre alt. Trotzdem hat dieser Film sein Leben nachhaltig beeinflusst. „Der Film hat mich enorm aufgewühlt, weil ich den Gedanken furchtbar fand, dass dieses Tierparadies sterben könnte. Und er hat den Grundstein für meine große Afrika-Neugier gelegt.“

Von 1977 bis zu seiner Pensionierung 2012 hat der heute 69-Jährige am Dürener Wirteltor-Gymnasium Französisch, Philosophie und Erziehungswissenschaften unterrichtet — und immer wieder Urlaub in Afrika gemacht. „Es gab damals die Möglichkeit zu integriertem Tourismus“, erklärt der Pädagoge. „Das bedeutete, dass man mit den Menschen in ihren Dörfern gelebt hat und ihr Leben wirklich erfahren konnte.“

In dem kleinen Dorf Affiniam in der Region Casamance im südlichen Senegal hat Tangemann 1986 auch seine Ehefrau Francine Badji kennengelernt, sieben Jahre später hat das Paar geheiratet und lebt heute sowohl in Senegal als auch in Deutschland. Im Heimatland seiner Frau hat der Ex-Dürener ein spannendes Hilfsprojekt ins Leben gerufen, das von der katholischen Gemeinde St. Josef unterstützt wird.

Tangemanns Schwiegervater und auch seine Ehefrau sind Experten auf dem Gebiet der traditionellen afrikanischen Medizin. „Mein Schwiegervater hatte ein kleines Krankenhaus für rund 20 Patienten“, erzählt Tangemann. „Und er hatte ein enormes Wissen, was die Heilkraft afrikanischer Pflanzen angeht. Das hat er an sein ältestes Kind, meine Frau weitergegeben.“

Viele der Pflanzen, die sein Schwiegervater und seine Frau zum Heilen verschiedener Leiden, wie beispielsweise schwerer offener Wunden, verwendet hätten, würden es heute nicht mehr geben. Tangemann: „Da geht natürlich enorm viel Wissen verloren.“ Deswegen sind Francine Badji und Hans Georg Tangemann durch die ganze Region, auch in Nachbarländer des Senegals gereist, um die verloren gegangenen Pflanzen vielleicht dort zu finden.

Rund 150 verschiedene Pflanzen

„Wir sind fündig geworden, haben Experten getroffen und mit ihnen unser Wissen geteilt.“ Mittlerweile gibt es in Affiniam ein vier Hektar großes Stück Land, das mit Hilfe der mittlerweile rund 150 verschiedenen Heilpflanzen in einen botanischen Garten verwandelt werden soll. Außerdem erstellen Tangemann und Badji eine Online-Datenbank mit den Pflanzen, neben dem afrikanischen Namen werden dort auch die lateinische Bezeichnung, Fotos und die Wirksamkeit der Gewächse aufgeführt.

Und jetzt kommt auch die Gemeinde St. Josef ins Spiel. Dort haben Tangemann und Badji während ihrer Dürener Zeit gelebt, Tangemann war sogar lange Jahre Pfarrgemeinderatsvorsitzender. „Er war in unserer Gemeinde sehr angesehen und akzeptiert“, sagt Dr. Thomas Rubel, der sich heute in St. Josef engagiert. „Und als unsere Gemeinde ein Projekt gesucht hat, das sie unterstützen kann, haben wir uns entschlossen, Hans Georg Tangemann zu helfen.“

Rund 2000 Euro sind schon zusammengekommen, allerdings kostet allein der Zaun, der den botanischen Garten vor Vandalismus schützen soll, das Fünffache. Tangemann: „Unser Ziel ist es, irgendwann auch die kleine Klinik wieder aufzubauen, die mein Schwiegervater hatte. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“ Aber einer, den die Tangemanns ganz sicher gehen werden.

Wenn der siebenfache Familienvater und sechsfache Großvater von Senegal und Afrika erzählt, merkt man sofort, wie groß seine Liebe zu diesem Land ist. „Es ist vor allem das Leben und der Zusammenhalt der Menschen, die mir gefallen. In Afrika ist niemand allein. Die Familien halten zusammen, Freundschaften werden gepflegt. Das ist einfach sehr schön.“

Und so hat der Film „Serengeti darf nicht sterben“ nicht nur eine Afrikaneugier bei Hans Georg Tangemann geweckt, sondern vielmehr eine Afrikaliebe, die irgendwie auch zu einer Lebensaufgabe geworden ist.

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