Nideggen: Ein Genuss von Sehen und Hören

Nideggen: Ein Genuss von Sehen und Hören

Ein außergewöhnliches Kunsterlebnis wird derzeit im „Dürener Tor” in Nideggen geboten: Die Ausstellung der Künstlerin Angela Maria Berger, „Painted classic”, verbindet Malerei mit Musik.

Das ist nicht neu, hielt Laudator Berthold Klammer den Gästen bei der Eröffnung entgegen: Modest Mussorgsky hat Ende des neunzehnten Jahrhunderts den berühmten Zyklus „Bilder einer Ausstellung” komponiert, um damit die Kunst seines Freundes Viktor Hartmann zu würdigen. Angela Maria Berger wählt den umgekehrten Weg: Beim Hören ihrer liebsten Stücke (meist klassische Musik) fühlt sie sich zum Malen inspiriert; Klammer nannte diesen Schritt „emotionale Wahrnehmung”. Wenn man übersetzen wolle, müsse man zwei Sprachen beherrschen, erläuterte er und ließ die Zuhörer wissen, dass Angela Maria Berger aus einer Musik liebenden Familie komme und Querflöte spiele. „Die Bilder dieser Serie sind ohne Musik nicht denkbar”, ergänzte die Malerin, die sichtlich erfreut war über den großen Kreis interessierter Besucher bei der Vernissage.

Als Beispiel der Verbindung zwischen Musik und dem gemalten Bild durften die Gäste dem Pianospiel von Ulrike Gietmann lauschen. Sie brachte gekonnt die „Mondscheinsonate” von Beethoven dar, und die Blicke gingen zu dem entsprechenden Bild. Die verträumte, zögernd schwebende Melodie ließ an einen stillen See im Mondlicht denken. Angela Maria Berger hat ihn in Acrylfarben gemalt, in geheimnisvollen Blautönen, in bleichem Licht, das das Wasser durchdringt.

Wie die Menschen in den Sog einer Revolution geraten, wie eine flammende, rollende Welle sie mitreißt, das ist zu sehen im Werk zur „Revolutionsetüde” von Chopin. Dankbarer und begeisterter Applaus zeigte, wie sehr den Besuchern dieser Genuss von Sehen und Hören gefallen hatte. Tatsächlich stehen während der Dauer der Ausstellung MP-3-Player zur Verfügung.

Wolf Dieter Keß, Vorsitzende des Kunst- und Museumsvereins Nideggen, freute sich über die gute Resonanz, die man hier zu Beginn der Ausstellungs-Saison vorfinde, goss aber andererseits einen Wermutstropfen in die gute Stimmung: Angesichts der finanziellen Misere der Stadt Nideggen sei es ab 2013 nicht mehr möglich, diese optimalen Räumlichkeiten zum Nulltarif zu mieten. Daher sei der Verein auf Spenden angewiesen, wenn er hier weiterhin Kultur anbieten wolle. Bürgermeisterin Margit Göckemeyer drückte ihre Überzeugung aus, dass man gerade hier ein Beispiel finde, wie man gemeinsam mit engagierten Menschen etwas bewegen könne.

Noch bis Sonntag, 13. Mai kann man die Ausstellung besuchen. Mittwochs ist sie von 14 bis 18 Uhr geöffnet, an Wochenenden sowie an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr, dann ist auch die Künstlerin vor Ort.

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