Parzelle für Menschen ohne Obdach oder Geld: Ein besonderes Gartenprojekt in Düren

Parzelle für Menschen ohne Obdach oder Geld : Ein besonderes Gartenprojekt in Düren

Ein großes Beet mit Salat, Rote Beete, Kartoffeln Kohlrabi, Artischocken, Mangold und verschiedene Obstbäume – der Schrebergarten von Lena Spies in der Kleingartenanlage „Rurtal-Süd“ an der Dr.-Overhues-Allee kann sich sehen lassen. Sie möchte ihren Garten für Menschen öffnen, denen es nicht so gut geht.

Zwei kleine Gewächshäuser sollen auf dem rund 380 Quadratmeter großen Areal noch entstehen, außerdem ein kleines Gartenhäuschen zum Zusammensitzen und Klönen. Lena Spies’ Gelände ist nämlich kein normaler Schrebergärten. Die 50-jährige gelernte Tischlerin möchte dort vielmehr in Zusammenarbeit mit dem Verein „In Via“ ein besonderes Gartenprojekt ins Leben rufen.

„Meiner Familie und mir geht es sehr gut. Wir haben seit 100 Jahren einen Familienbetrieb in Düren und möchten der Gesellschaft etwas zurückgeben.“ Sie habe lange nach einem geeigneten Projekt gesucht, erzählt die engagierte Frau, und vor drei Jahren auch mit Hilfe von „In Via“ ein Frauencafé im „Café Lichtblick“ gegründet.

„Dort treffen sich einmal in der Woche rund 20 bis 25 Frauen zwischen 48 und 75 Jahren. Mittlerweile sind sogar schon richtige Freundschaften entstanden, und die Frauen helfen sich untereinander.“ Anfangs habe sie gehofft, ergänzt Spies, mit ihrem Frauencafé auch junge Mütter anzusprechen. „Das hat aber nicht funktioniert. Und irgendwann ist mir dann die Idee mit dem Garten gekommen.“

Lena Spies ist mit einem großen Garten aufgewachsen, Gartenarbeit ist ihr großes Hobby. „Einen Schrebergarten als offenen Garten anzulegen, lag für mich deswegen nahe“, sagt sie. „Und als dann die Parzelle im Kleingartenverein an der Dr.-Overhues-Allee frei wurde, musste ich nicht mehr lange überlegen.“

Lena Spies zahlt die Pacht für den Garten. Um Pflanzen und Materialien für Gewächs- und Holzhäuser zu finanzieren, hofft sie auf Spenden. Für die Menschen, die den Garten nutzen, entstehen keine Kosten. „Natürlich habe ich mein Projekt beim Vorstand des Kleingartenvereins vorgestellt. Alle waren sofort begeistert und helfen mir, wo sie können. Das ist eine tolle Gemeinschaft.“

Unterstützung bekommt Lena Spies auch von einem Mann, der in einer Obdachlosenunterkunft wohnt und fast jeden Tag in den Schrebergarten kommt. „Bei uns ist alles total biologisch. Und weil wir keine Schädlingsbekämpfungsmittel einsetzen, hat er zuletzt im Kartoffelbeet alle Kartoffelkäfer eingesammelt.“ Es sei deutlich zu sehen, wie sehr der Mann im Garten aufblühe. Spies: „Er hat in den vergangenen fünf Monaten nur einmal getrunken. Vorher hat er regelmäßig Alkohol konsumiert.“

Lena Spies weiß, dass es dauern wird, bis ihr Garten sich etabliert hat und von den Menschen, die sie ansprechen möchte, angenommen wird. „Das hat auch bei dem Frauencafé eine Zeit lang gedauert. Man muss erst das Vertrauen der Leute gewinnen.“ Auch York Sommereisen, Geschäftsführer von „In Via“, war von Anfang an von der Idee eines Schrebergartens überzeugt. „Ich denke, dass Gartenarbeit die Menschen erdet“, sagt er. „Alle Menschen. Und unseren Kunden tut das in besonderem Maße gut.“ Hinzu komme, dass viele der „In Via“-Kunden nie gelernt hätten, sich aus frischen Produkten ein Essen zu kochen. „Im Garten muss man sich hinsetzen und Zeit nehmen, damit man am Ende leckeres Obst und Gemüse bekommt.“

Ein Garten zum Naschen

Natürlich, das wissen Lena Spies und York Sommereisen, reicht ein 380 Quadratmeter großer Garten nicht, um viele Menschen mit Obst und Gemüse zu versorgen. „Aber wir könne vielleicht ein Bewusstsein schaffen“, sagt Spies. „Unser Garten soll in erster Linie ein Naschgarten werden, der den Menschen Spaß macht.“

Als nächstes großes Gartenprojekt will die Tischlerin die beiden Gewächshäuser und ein Holzhaus bauen. „Damit kann unser offener Schrebergarten auch dann ein schöner Treffpunkt sein, wenn das Wetter nicht ganz so toll ist.“

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