Lesung im Heimatmuseum in Merzenich: Ein amoralischer, ungebildeter Lügner

Lesung im Heimatmuseum in Merzenich : Ein amoralischer, ungebildeter Lügner

Durch das beschauliche Heimatmuseum in Merzenich wehte ein Hauch der großen Welt. Ansgar Graw, Chefreporter der Zeitungen „Welt“ und „Welt am Sonntag“ referierte über „Die USA, Donald Trump und die Midterm Elections".

Eingeladen hatte den langjährigen Washington-Korrespondent und USA-Experten der beiden Blätter die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung des CDU Kreisverbandes Düren-Jülich.

Vor vollbesetztem Auditorium schilderte der Abiturient des Stiftischen Gymnasiums, der Präsident Trump so gut wie kaum ein anderer Journalist kennt, seine persönlichen Eindrücke über die Veränderungen in Amerika unter Trump.

Obwohl der Präsident der Republikanischen Partei angehört, ist er nach Graws Deutung kein klassischer Vertreter der Partei. Die sei traditionell für Freihandel, Russland-kritisch, gottesfürchtig und gegen alles Vulgäre. Lauter Eigenschaften, die auf Trump nicht zutreffen. So liebe ihn denn auch höchstens die Hälfte der Republikaner, die übrigen wählten ihn nur, weil er der Partei angehöre. So schilderte Graw Donald Trump als amoralischen, pathologischen Lügner, als unzuverlässig, einen Gegner der Pressefreiheit und nicht zuletzt ungebildet, da er kein einziges Buch lese. Zudem sei er nicht fähig, länger als acht Stunden Selbstdisziplin zu halten.

Durchaus auch Erfolge

Bei all diesem Negativen gibt es aber durchaus Erfolge und Einstellungen, die bei den Amerikanern für Trump sprechen. So habe er eine erfolgreiche Steuerreform und eine Deregulierung der US-Wirtschaft geschafft sowie die Arbeitslosigkeit auf ein 50-Jahres-Tief gedrückt. Außerdem schätzten seine Wähler es, dass er Klartext mit den Verbündeten spricht und sich auch sonst nicht um „political Correctness“ schere. Schließlich bringe es ihm in den bisher eher vernachlässigten Mittelstaaten im so genannten „Flyover America“ Stimmen, dass er diese Wähler anspreche und sich zumindest vordergründig ihrer Probleme annehme.

Mit dem Blick auf die gerade anstehenden „Midterm Elections“ sieht Graw die Erfolgsaussichten der Republikaner zwiespältig. Bei diesen Wahlen werden das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu besetzt. Während Graw erwartet, dass die Demokraten im Repräsentantenhaus die Mehrheit erringen könnten, hält er das im Senat für wesentlich schwieriger.

Wenn Ansgar Graw im Fazit sagt: „Trump wird bleiben“, meint er damit, abgesehen von einer möglichen Wiederwahl, vor allem Einiges, was dieser Präsident generell verändert hat. Einige Mindestanforderungen an Person und Verhalten eines US-Präsidenten habe Trump eliminiert. So beispielsweise damit, dass er sich einer Offenlegung seiner Steuererklärung als erster Nachkriegspräsident beharrlich widersetze.

Als Schlusspointe berichtete Graw, dass Trump sich seit seiner Wahl als der Größte unter allen US-Präsidenten bezeichne, wenn auch nur mit Bezug auf seine 1,92 Meter Körpergröße. Selbst das sei aber nie nachgewiesen. Im Gegenteil wirke er auf Fotos neben Leuten, die etwa so groß sind, immer deutlich kleiner.

(kel)
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