Düren: Ehemaliger Judenfriedhof: Ein unscheinbarer, aber bedeutender Ort

Düren: Ehemaliger Judenfriedhof: Ein unscheinbarer, aber bedeutender Ort

Eine unscheinbare kleine Grünanlage liegt an der Arnoldsweilerstraße in Düren. Täglich werden hier Hunderte, wenn nicht einige Tausende Autos vorbeifahren und Fußgänger entlang gehen. Wie viele von ihnen wissen, dass dieser vielleicht 30 Meter lange Grünstreifen ein bedeutendes Areal für Düren darstellt, ist unbekannt: An der Ecke Arnoldsweiler-straße/Josef-Schregel-Straße liegt der alte Judenfriedhof von Düren.

Auf dem Rasen ein Gedenkstein, der auf die historische Stätte hindeutet, außerdem ein einzelner Grabstein, der 1989 ausgebuddelt wurde, als das benachbarte Parkhaus im Bau war, einige wenige umfasste Beete mit zurzeit gelben und purpurfarbenen Blumen. Das ist alles. Man muss schon hinschauen und kurz innehalten, um zu erkennen, dass es sich um einen Judenfriedhof handelt.

Diese Grünanlage ist übrig vom ehemaligen Dürener Judenfriedhof, der 1888 an die Binsfelder Straße verlegt wurde. Links mehrere Stromkästen nebeneinander.

Ludger Dowe, früherer Leiter der Kreis-Volkshochschule, beginnt seine historischen Stadtführungen an diesem Punkt. „Allzu viel ist nicht überliefert von diesem Flecken“, sagt das Mitglied der Dürener Geschichtswerkstatt. Das Stadtmuseum liegt ein paar Hundert Meter östlich, Dowe gehört zu den Männern, die sich dort engagieren und sich für die Zusammenhänge Dürener Geschichte interessieren.

Ein 500 Millionen Jahre alter Findling aus dem Tagebau Inden liegt ebenso auf dem Areal.

Das Jahrbuch des Kreises Düren von 1988 berichtet, dass der alte Judenfriedhof seit 1581 nachgewiesen ist. Wenzel Hollar, der von 1607 bis 1677 lebte, hat 1634 einen Stadtplan von Düren gezeichnet, der heute zu den bekanntesten Dokumenten der örtlichen Historie zählt.

Hollar hat den Friedhof an der Arnoldsweiler Straße, der damals außerhalb der Stadtmauern lag, in seinen Plan aufgenommen. Wie viele Menschen an der Arnoldsweiler Straße begraben wurden, lässt sich heute kaum noch ermitteln. Um Platz zu gewinnen, sei das Areal einige Mal aufgeschüttet worden, sagt Ludger Dowe.

1847 beschloss der Dürener Stadtrat, den Friedhof zu verlegen. Und zwar „aus polizeilichen und sanitären Rücksichten, namentlich wegen erfolgter und noch zu anwachsender Erweiterung der Stadt“, wie es in den Dürener Geschichtsblättern von 1958 notiert ist. Der Beschluss zur Verlegung wurde aber erst 1888 umgesetzt. Bis dahin wurde noch an der Arnoldsweilerstraße bestattet, ab da auf dem Friedhof an der Binsfelder Straße, den es heute noch unscheinbar gelegen hinter Mauern gibt.

Die Grabfelder an der Arnoldsweilerstraße wurden vermutlich im Zweiten Weltkrieg zerstört. Viele Judenfriedhöfe im Land waren nach 1945 in einem schlechten Zustand, 1958 schlossen deshalb Bund und Länder mit dem Zentralrat der Juden eine Vereinbarung über die Betreuung der Friedhöfe.

Zuschüsse flossen. Der Judenfriedhof unweit des Wirteltorplatzes, dort, wo im Mittelalter ein Stadttor stand, geriet aber mehr und mehr in Vergessenheit. Dabei sollen nach jüdischer Religionsauffassung die Friedhöfe „als in die Landschaft eingefügte Einheit erhalten bleiben und eine sichere Einfriedung haben“, wie es dem Heimatjahrbuch des Kreises Düren von 1966 zu entnehmen ist.

Was übrig bleibt

Dass heute an der unscheinbaren Grünanlage neben der Arnoldsweilerstraße einige Stromkästen stehen, sorgt sicher nicht unbedingt für eine optische Aufwertung des Areals. Mancher klagt darüber und hält das für pietätlos. Letztlich ist es Geschmacksache.

Um 1845 lebten in Düren laut eines Landratsberichts etwa 580 Juden, zu Beginn der NS-Zeit waren es zirka 350. Die Dürener jüdische Gemeinde hatte ihren Sitz in der Schützenstraße. Seit 1938 verliert sich die Geschichte dieser Gemeinde, so Josef Dollhoff und Karl-Josef Baum in ihrem Buch „Düren — aus der Geschichte einer alten Stadt“. Übrig blieben verwaiste Friedhöfe — wie der in der Arnoldsweilerstraße.

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