Dürener Stadtmuseum feiert zehnjähriges Bestehen

Mit der 50er-Jahre-Ausstellung fing alles an: Seit zehn Jahren die Dürener Stadthistorie im Blick

Das Stadtmuseum an der Arnoldsweiler Straße feiert seinen 10. Geburtstag – und freut sich ständig wachsender Beliebtheit. Warum ist das so?

Angefangen hat alles mit der großen 50er-Jahre-Ausstellung im Bettenhaus Thiemonds an der Josef-Schregel-Straße vor elf Jahren. Fast 10.000 Dürener haben im Jahr 2008 in nur sechs Wochen diese Ausstellung besucht. Und ein Stück weit war es auch der große Erfolg dieser Schau, der dazu geführt hat, dass die Rurstadt heute ein Stadtmuseum hat, das sich ausschließlich mit Lokalgeschichte befasst. Am Sonntag feiert das Museum seinen 10. Geburtstag.

„Wir haben damals“, sagt Bernd Hahne, Vorsitzender des Vereins „Dürener Stadtmuseum“, „mit wenigen Leuten eine riesige Ausstellung auf die Beine gestellt. Den Gedanken, ein Stadtmuseum zu gründen, gab es schon länger. Die 50er-Jahre-Ausstellung war nochmal ein sehr wirkungsvoller Anstoß.“

Karnevalsdienstag (24. Februar) 2009 haben Bernd Hahne und einige Mitstreiter sich die Räume in der ehemaligen Sparkassenfililale an der Arnoldsweilerstraße angesehen, weniger als einen Monat später, nämlich am 18. März, wurde der Trägerverein für das Museum gegründet. „Ohne, dass wir einen Museumsbestand hatten“, erinnert sich Bernd Hahne und muss schmunzeln. „Trotzdem haben wir schon im November des selben Jahres zu unserem ersten Schnuppertag eingeladen.“

Anne Krings und Bernd Hahne sind für das Stadtmuseum verantwortlich. Foto: Lisa Haßler

Derzeit läuft die fünfte Schau zur Dürener Stadtgeschichte „Betrogene Hoffnungen. Düren zwischen Aufbruch und Weltwirtschaftskrise 1919-1929“. Vorher hießen die Ausstellungen unter anderem „747 bis 1814. Von den Anfängen bis zum Ende der Franzosenzeit“, „Dürens Goldene Jahre 1871 bis 1914“ und „Heimatfront – Düren und der Erste Weltkrieg“. Es gibt einen eigenen Raum, der sich mit den Geschehnissen am 16. November 1944 in Düren beschäftigt.

Mittlerweile bringen viele Dürener dem Museum alte Schätzchen für den Museumsbestand. Hahne: „Die Leute bringen uns beispielsweise alte Lehrverträge und Versicherungsscheine. Und das ist natürlich auch wichtig für das Bild einer Stadt.“ Außerdem gibt es ein sogenanntes „HistoLab“, Geocaching-Touren für Jugendliche, Ferienprogramme und Kooperationen mit Dürener Schulen, um auch junge Leute für regionale Geschichte zu begeistern.

Neben den unterschiedlichen Ausstellungen werden dort auch Geocaching-Touren durch die Innenstadt angeboten. Foto: Lisa Haßler

Aber was treibt Hahne, den 66-jährigen, studierten Politikwissenschaftler, an? „Historische Zusammenhänge haben mich schon immer sehr interessiert. Die Auseinandersetzung mit lokaler Geschichte hilft dabei, sich über bestimmte Dinge klar zu werden. Man bekommt Erkenntnisgewinne, die für das augenblickliche Leben sehr hilfreich sein können.“ Hahne wird konkreter: „Weltgeschichte hat auch in Düren stattgefunden. Mit diesem Museum wollen wir den Dürenern mehr Selbstbewusstsein, ein Stück weit mehr Wertschätzung für die eigene Stadt und die eigene Geschichte geben.“

Dass das Stadtmuseum so eine großer Erfolg werden würde, hat Hahne vor zehn Jahren nicht zu träumen gewagt. „Der große Erfolg hat uns schon überrascht,“ sagt er, gleichwohl kann er ihn auch nachvollziehen. „Das Stadtmuseum war von Anfang an ein Gemeinschaftsprojekt engagierter Bürger. Und bei uns kann sich wirklich jeder einbringen, egal, was für einen Bildungsstand er hat. Man braucht kein abgeschlossenes Magisterstudium. Die, die an unseren Publikationen mitarbeiten, sind genauso wichtig wie die, die dafür sorgen, dass unsere Technik einwandfrei funktioniert, die unser Archiv betreuen und bei Umbauarbeiten helfen. Und ohne dieses ungebrochene ehrenamtliche Engagement stünden wir auch heute nicht da, wo wir stehen.“

Dabei ist es Hahne sehr wohl ein großes Anliegen, auf einem „wissenschaftlich akzeptablen Niveau“ zu arbeiten. Unterstützt werden die vielen Helfer dabei mittlerweile von drei hauptamtlichen Mitarbeitern. Einziger Wermutstropfen zum Museumsgeburtstag sind die dauernden Diskussionen zum Museumsstandort. Gerade aktuell ist wieder ein Umzug in das historische Verwaltungsgebäude an der Schenkelstraße im Gespräch.

Das Stadtmuseum feiert 10-jähriges Bestehen. Foto: Lisa Haßler

Das nutzt derzeit noch das Ordnungsamt der Stadt. „Die Standort-Diskussion“, sagt Hahne, „kostet Zeit, Kraft und Nerven. Dabei haben wir wirklich genug mit unserer inhaltlichen Arbeit zu tun.“ Der Standort an der Schenkelstraße wäre als Ausstellungsraum und auch für die Vortragsveranstaltungen, die das Museum regelmäßig anbietet, geeignet. „Aber wir brauchen auch Platz für unser Museumslager, das Magazin und irgendwann auch einmal eine Dauerausstellung, die wir gerne konzipieren würden. Den gibt es aber in der Schenkelstraße leider nicht.“

Finanziert wird das Museum übrigens mit Hilfe eines städtischen Zuschusses in Höhe von 120.000 Euro jährlich, die im wesentlichen die Personalkosten decken, und Mitgliedsbeiträgen von rund 10.000 Euro.

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