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Düren: Dürener Stadtgespräch: Mischung aus Information und Niveau

Düren : Dürener Stadtgespräch: Mischung aus Information und Niveau

Als Frank Plasberg gefragt wird, welche Überschrift er im nächsten Jahr gerne in der Bild-Zeitung lesen möchte, sagt er zu erst: „Erster Journalist wird Milliardär“, um gleich mir Ernsthaftigkeit hinterherzuschieben: „Wir haben es tatsächlich geschafft!“ Diese beiden Aussagen des einem Millionenpublikum vertrauten TV-Talkers zeigen die Bandbreite des zweiten „Dürener Stadtgesprächs“ am Donnerstagabend in der Birkesdorfer Festhalle. Die Veranstaltung bewegte sich zwischen fundierter Information, niveauvoller Unterhaltung und schlagfertigem Humor.

Das liegt zum einen am Konzept der Reihe und zum anderen an den Gästen. Moderator Ulrich Stockheim, Vorsitzender des 2014 gegründeten Vereins „Dürener Stadtgespräch“ begrüßt neben Frank Plasberg („Hart aber fair“) den Vorstandsvorsitzenden des US-amerikanischen Landmaschinenherstellers Agco, Martin Richenhagen, und den sozialdemokratischen NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Drei Gäste aus ganz unterschiedlichen Bereichen, die sich über Zukunft und Chancen für 2016 unterhalten werden.

Im vergangenen Jahr zur Premiere hatte Stockheim, international erfolgreicher Kommunikationsberater aus Gürzenich, TV-Entertainer Harald Schmidt und den Vorsitzenden des Bundesverbandes Deutscher Industrie, Ulrich Grillo, zusammengebracht. Es geht darum, Menschen mit verschiedenen beruflichen und persönlichen Hintergründen auf die Bühne und zum Reden zu bringen. Das ist am Donnerstag gelungen. Es geht um das Thema dieser Zeit, die Flüchtlinge, es geht aber auch wirtschaftliche Perspektiven in Deutschland und die Griechenland-Krise. Überdies geht es um Persönliches, beispielsweise um die hypothetische Frage an Minister Walter-Borjans, was es für ihn heißen würde, in einem von Sigmar Gabriel geführten Kabinett zu sitzen. Eben noch, sagt Walter-Borjans, sei seine Geradlinigkeit gelobt worden. „Damit hätte ich dann vielleicht ein Problem“, sagt der Finanzminister offen und ehrlich. Moderator Stockheim lässt den Satz kurz sacken und meint dann: „Eine solche Aussage könnte es medial über den Raum Düren hinaus schaffen.“

Eine solche Aussage zeigt, wie die Gäste des „Dürener Stadtgesprächs“ die Veranstaltungsreihe vielleicht verstehen: Als Möglichkeit, vor einem interessierten Auditorium relativ frank und frei zu sprechen und nicht jedes Wort sorgfältig abzuwägen, wie sie es sonst bei eingeschalteten Fernsehkameras und einem Millionenpublikum machen. Das ist gut so, denn damit sind sie authentischer, klarer und direkter.

Plasberg an Jauchs Stelle

Dem Informationsgewinn tut das überdies gut. Alle loben, natürlich, die bisherige Willkommenskultur, aber nicht, ohne auf Folgen und Risiken hinzuweisen. Die Zustimmung in der Bevölkerung lässt ein wenig nach, wie der aktuelle Deutschlandtrend zeigt. Pegida? Da sind sie sich in der Ablehnung einig, ebenso in der Frage, dass der Bund mit Blick auf die Finanzierung der Flüchtlinge zu wenig mache.

Vom Lehrer zum Manager

Wie er reagiert hätte, wenn AfD-Mann Höcke wie bei Jauch die Deutschland-Fahne in seiner Sendung ausgerollt hätte, will Moderator Stockheim von Frank Plasberg wissen. Plasberg sagt, er hätte es jetzt einfach, weil er nicht wie Kollege Jauch ganz spontan reagieren müsse. Jetzt würde er sagen, dass er sich die Fahne genommen hätte, um sie vor sich an seinem Pult bei „Hart aber fair“ auszubreiten, so hätte Höcke die Wirkung genommen werden können.

Martin Richenhagen, der als erfolgreichster deutscher Manager in den USA gilt, sagt, die Ursachen für die millionenfachen Fluchten weltweit müssten bekämpft werden. Der ehemalige Religionslehrer, der, wie sich herausstellte, mit Walter-Borjans zusammen in einem Studentenheim wohnte, führt mit „Agco“ eines der 500 größten Unternehmen in den USA. Er fordert angesichts der rasant wachsenden Weltbevölkerung die Politik auf, den Hunger zu bekämpfen. „Das geht“, ruft Richenhagen den 320 Gästen in der Festhalle zu.

Schon jetzt lässt sich sagen, dass mindestens 8000 Euro für Sprachförder-Projekte ausgegeben werden können. Diese Aufgabe hat sich der Verein „Dürener Stadtgespräch“ auf die Fahne geschrieben. Die Gäste kommen deshalb ohne Gage, so dass der weitaus größte Teil der Einnahmen sinnstiftend verwendet werden kann. Dass dieses Mal auch Sprachförderung für Flüchtlinge betrieben wird, liegt auf der Hand. „Wir werden voraussichtlich im Januar die ersten Projekte unterstützen können“, sagt Ulrich Stockheim.

Ebenso liegt auf der Hand, dass es eine dritte Auflage geben wird. Alles andere wäre dem Dürener Veranstaltungskalender auch abträglich.