Neue Horizonte: Dürener Migrantinnen erzählen vom Kulturschock

Neue Horizonte : Dürener Migrantinnen erzählen vom Kulturschock

Gulasch mit afrikanischen Gewürzen kochen, in zwei Sprachen träumen, Urlaub in der Heimat machen, darüber und über vieles mehr erzählten im Stadtmuseum Düren drei Migrantinnen. Wobei das Wort Migrantin zu diesen drei Frauen, die seit Jahrzehnten in Düren leben und hier Familien gegründet haben, irgendwie nicht mehr passt.

Denn die Wahl-Dürenerinnen haben nicht nur die deutschen Familiennamen ihrer Ehemänner übernommen, sondern die Gewohnheiten, die gesellschaftlichen Normen und einige typisch deutschen Marotten kennen gelernt. Sie haben auch gelernt damit umzugehen, jede auf ihrer Art.

Maria Braun kommt aus dem Kongo, Etienne Hermanns ist in Brasilien geboren, Ilaria Ranco ist Italienerin. Das Schicksal, die Umstände oder der Zufall haben sie nach Düren verschlagen. Und darüber gab es viel zu erzählen, denn sie haben jede Menge gelernt, erlebt und Erfahrungen gesammelt. Einiges davon gehört zur Kategorie „Kulturschock“, andere Kapitel erzählen von Missverständnissen und von Anpassungsversuchen.

Etienne Hermanns erlebt hier zum erstem Mal Schnee, und das ist, wie sie sagt, „ein schöner Kulturschock“. Sie haben auch eigene Bräuche, Feste und jede Menge Rezepte aus den Heimatländern mitgebracht.

Sprachexperimente der Ehemänner

Die Frauen sind unterschiedliche Wege gegangen, um Deutsch zu lernen. Der Ehemann hat seine brasilianische Frau an einer Sprachschule angemeldet, bei den anderen haben die Stunden mit der gesprächigen Nachbarin geholfen und es gab bereits in der Schule Deutschunterricht. Nicht nur die deutschlernenden Frauen mussten sich anstrengen, auch seitens der deutschen Verwandtschaft wurden ihnen zuliebe immer wieder Versuche unternommen, Hochdeutsch statt Platt zu sprechen. Auch die Ehemänner wagen Sprachexperimente, um in der Muttersprache ihrer Liebsten zu kommunizieren.

Die Gesprächsrunde „Migrantinnen erzählen“ ist Teil des Projekts des Stadtmuseums Düren „Neue Horizonte. Dürener Migrantinnen erzählen“. Eine gleichnamige Ausstellung, an derer Entstehung einige Monate lang 22 Migrantinnen aus zehn Ländern und vier Kontinenten beteiligt waren, kann seit April im Stadtmuseum besichtigt werden.

Die Museumsmitarbeiterinnen, Lisa Haßler und Sarah Höner, fanden es zu schade, dass die Ausstellung nur einen kleinen Bruchteil von den Gedanken, von dem Gesagten und Erlebten der Migrantinnen während des Projektes wiedergeben kann und beschlossen daher, drei der Teilnehmerinnen zu einem Interviewgespräch einzuladen.

Und diese hatten dann auch für ihr Publikum einige Anregungen zum Glücklichsein im Gepäck.„Wir können alle ein bisschen fröhlicher sein, wenn die Schule und die Arbeit etwas später anfangen würden, denn auch die Deutschen mögen die Sonne.“, dafür warb Ilaria Ranco. Die Kongolesin Maria Braun empfahl, das Leben lockerer zu sehen.

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