Einmaliges Projekt im Bistum: Dürener Kirche St. Bonifatius verwandelt sich in eine Kita

Einmaliges Projekt im Bistum : Dürener Kirche St. Bonifatius verwandelt sich in eine Kita

Die Planungen laufen seit 2015, nun wurde Richtfest gefeiert: Die Dürener Kirche St. Bonifatius wird zu einer viegruppigen Kindertagesstätte ausgebaut – als erste Kirche im gesamten Bistum Aachen.

Für Hans-Otto von Danwitz war es ein besonders glücklicher Tag. Nicht nur, dass der Pfarrer von St. Lukas, der fusionierten Dürener Innenstadtpfarre, am Mittwoch seinen 60. Geburtstag feierte. In der Pfarrkirche St. Bonifatius im Dürener Osten wurde zudem Richtfest gefeiert.

Das Gotteshaus aus dem Jahr 1953 wird zu einer viergruppigen Kindertagesstätte umgebaut – übrigens als erste Kirche im gesamten Bistum Aachen. Zum neuen Kindergartenjahr, also am 1. August 2020, soll die Kita San Pedro fertig sein und 80 Jungen und Mädchen einen neuen Raum zum Spielen und Lernen haben.

Die Entwidmung von St. Bonifatius im Rahmen des Prozesses „Kirchliches Immobilienmanagement“ (KIM) war für viele Katholiken ein schmerzhafter Prozess, den übrigens alle Pfarreien im Bistum durchlaufen haben. Maßgabe der Diözese für die Pfarre St. Lukas war: Rund 300.000 Euro muss die Pfarre für ihre „nicht-wirtschaftlichen“ Gebäude wie Kirchen, Amtsräume sowie Pfarr- und Jugendheime einsparen, gleichzeitig müssen Rücklagen und für Instandhaltungsmaßnahmen geschaffen werden. Seit 2011 setzen sich Verantwortliche von St. Lukas damit auseinander.

Am Ende wurde beschlossen, für zehn Immobilien der Pfarre eine neue Nutzung zu finden, neben St. Bonifatius zwei weitere Gotteshäuser, nämlich St. Cyriakus in Niederau und das Ühledömche in Distelrath. St. Cyriakus wurde zu einer Grabes- und Auferstehungskirche, um den Erhalt der Distelrather Kapelle kümmert sich ein eigens gegründeter Förderverein. Sehr schnell hat sich auch in der Gemeinde St. Bonifatius ein Verein gegründet, der die Kirche trotz immer weniger Gottesdienstbesuchern unbedingt erhalten wollte – ohne Erfolg.

Zum Richtfest waren zahlreiche Gäste gekommen. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Anfangs gab es Pläne, in St. Bonifatius altersgerechte Wohnungen einzurichten, kurz kam der Gedanke auf, dort eine In-ndoor-Skaterbahn zu etablieren. Seit 2015 nun laufen die Planungen, aus dem Gotteshaus eine viergruppige Kindertagesstätte zu machen. Vor einem Jahr starteten die Bauarbeiten der 2,25 Millionen Euro teuren Maßnahme. 1,85 Millionen Euro trägt die Stadt Düren, weil sie zwei der vier Kita-Gruppen neu einrichtet. Den Rest finanzieren die Pfarre St. Lukas und das Bistum Aachen.

Mit einer Rutsche vom Altar ins Freie

„Das ist sicherlich ein Prestigeobjekt“, sagte Architekt Marcus Laufenberg, der die Entwurfsplanung des Düsseldorfer Arichtektenbüros Heerich & Schmitz umsetzt. „Der Umbau einer Kirche in eine Kita ist natürlich deutlich aufwendiger als ein Neubau.“ Die vier Gruppenräume werden alle innerhalb der Kirche untergebracht. Zwei werden an der rechten Seite des Kirchenschiffs platziert, ein dritter vor dem jetzigen Haupteingang. Die vierte Gruppe wird in der ehemaligen Sakristei untergebracht. In der früheren Krypta entsteht ein Mehrzweckraum, dort, wo einst der Altar war, werden ein Café und ein Bistro gebaut. Der besondere Clou: Aus dem ehemaligen Altarbereich können die Kinder gleich ins Freie rutschen. Auch ein Raum für Gottesdienstfeiern ist vorgesehen.

Bei allen notwendigen Umbauarbeiten ist das Ziel, möglichst viel der originalen Bausubstanz der Kirche zu erhalten. Hans-Otto von Danwitz: „Von außen wird sich am Bild der Kirche kaum etwas ändern. Die Kirchenfenster bleiben erhalten, auch Empore und Orgel sollen bleiben. Genau wie das Eingangsportal.“

Benannt wird die neue Kita nach dem kolumbianischen Heiligen Pedro Claver, dem Schutzpatron der Sklaven. „Auch das ist neu im Bistum Aachen“, sagte Weihbischof Dr. Johannes Bündgens beim Richtfest und erklärte sofort, warum San Pedro ein guter Patron für die neue Kita ist. „Zum einen ist Kolumbien das Partnerland unseres Bistums. Und zum anderen hat San Pedro zwar die Sklaverei nicht abschaffen können. Er ist aber dafür eingetreten, dass alle Menschen Rechte und Würde haben, auch die Kinder.“