Düren: Dürener Geschäftsleute zum frühen Verkauf von Weihnachtsartikeln

Düren: Dürener Geschäftsleute zum frühen Verkauf von Weihnachtsartikeln

Alle Jahre wieder passiert es: Mitten im Jahr, also Anfang September, halten Spekulatius, Christstollen und Lebkuchen Einzug in die Regale. Der Sommer hat noch nicht seine Segel gestrichen, da wird es in den Discountern schon weihnachtlich.

Die Bürger sehen diese Situation eher kritisch. Wie eine repräsentative Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa unter mehr als 1000 Menschen ergab, sind 63 Prozent der Befragten vom frühen Weihnachtsangebot genervt. Jeder dritte Umfragen-Teilnehmer erklärte sogar, er wünsche sich einen Stichtag, um den Weihnachts-Wahnsinn in die Schranken zu weisen.

Ähnlich wie bei der Reglementierung, die seit einigen Jahren für die Silvester-Böller existiert. Der Verkauf von Feuerwerkskörpern ist ausschließlich vom 29. bis zum 31. Dezember erlaubt. Die kleinen Einzelhändler gehen entsprechend vorsichtig mit dem Thema um. So berichtet Rita Bücker, Chefin des Dürener Traditionsunternehmens „Zucker Bücker“, das seit 1919 in der Fußgängerzone existiert: „Wir sind in der Regel die Allerletzten im Jahr, die die Ware in die Regale räumen. Aber wir legen auch Wert darauf, dass alles frisch ist.“ Zudem bietet Zucker Bücker rund um das Jahr Artikel wie Marzipan, Nougat und braune Printen an. Rita Bücker: „Braune Printen benötigen die Kunden nicht selten zum Kochen, daher führen wir so etwas ganzjährig im Sortiment.“

Die Vertreter der großen Discounter sehen die Aktion „Weihnachts-Gebäck ab September“ mit anderen Augen. Raimund Esser, Pressesprecher des Rewe-Konzerns mit Sitz in Köln: „Das Thema Weihnachtsgebäck im September ist ein Evergreen. Fakt ist, dass die Nachfrage da ist und diese Saisonware bereits im September reißenden Absatz findet.“ Denn das Angebot, so der Fachmann, werde von der Nachfrage bestimmt. Seit Jahrzehnten gelte der Grundsatz, dass in der 36. Kalenderwoche, wenn die Nächte wieder länger und es draußen kälter wird, das Weihnachtsgebäck in den Regalen Einzug halte.

„Herbstware“

Wie Raimund Esser weiter berichtet, wird die Ware inzwischen in einigen Geschäften auch als „Herbstgebäck“ deklariert. Der Rewe-Pressesprecher schmunzelt, als er sagt: „Stellen sie sich mal vor, wir würden das nicht anbieten, den Kunden würde es fehlen und wir würden massive Anfragen erhalten. Ich persönlich greife jedoch auch erst später zu und nicht bereits im September.“

Rainer Guthausen, Chef der „IG City“, der rund 90 Geschäfte angeschlossen sind, ist ganz gelassen, was das Thema angeht. Er sagt: „In Deutschland wird so viel reglementiert, da muss nicht auch noch festgeschrieben werden, wann weihnachtliches Gebäck verkauft werden darf.“ Der Druck des Marktes bestimme das Angebot und jeder Konsument könne ja für sich selbst entscheiden, was er wann kauft oder eben nicht. Guthausen: „Ostereier heißen im Herbst Partyeier und in manchen Geschäften gibt es auch rund ums Jahr Printen.“ Begrüßenswert sei es aber auch, dass Fachgeschäfte hausgebackene Printen zum Beispiel nur im Herbst und zur Weihnachtszeit hin anbieten. Rainer Guthausen: „Meine Familie und ich, wir kaufen auch erst zur Weihnachtszeit entsprechendes Gebäck, am liebsten backen wir sogar selber.“

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