Düren/Langerwehe: Dürener Fußballerinnen stehen den Jungs in nichts nach

Düren/Langerwehe: Dürener Fußballerinnen stehen den Jungs in nichts nach

„Fußball ist nicht nur ein Jungensport. Das sollte mittlerweile allen klar sein.” Sarah Bruhnke ist 14 Jahre alt und weiß genau, wovon sie spricht, immerhin ist sie mit den C-Juniorinnen des TuS 08 Langerwehe gerade erst Kreismeister geworden.

„Und außerdem”, setzt Sarahs Schwester Annika (13), ebenfalls Fußballerin bei den „TuSsis”, wie ihre Mannschaft sich selbst nennt, „gibt es ja auch Jungs, die reiten.” Die beiden Fußballerinnen und auch die Spielführerin ihrer Mannschaft sind sich einig, dass Mädchen mindestens genauso gut Fußball spielen können wie Jungs. „Der Zusammenhalt in einer Mädchenmannschaft”, sagt Lena Apel (14), „ist größer als bei Jungs. Und wir können besser rumschreien und uns freuen.”

Auch Katrin Ruhnau (23) ist begeisterte Fußballerin. Sie kickt beim TuS 08 Jüngersdorf-Stütgerloch und ist mit ihrer Mannschaft am vergangenen Wochenende in die Bezirksliga aufgestiegen. „Ich hatte schon immer Interesse am Fußball”, erzählt die Diplom-Finanzwirtin. „Und mein Vater hat das forciert. Mein Bruder ist nämlich viel später geboren als ich.” Im Verein spielt Katrin Ruhnau erst seit vier Jahren, heute möchte sie den Teamgeist in ihrer Mannschaft nicht mehr missen. „Bei uns spielen Frauen ganz unterschiedlicher Altersklassen gemeinsam Fußball. Alle bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit, die sie einbringen können. Das ist einfach schön.”

Diane Kreutz ist die Mannschaftskapitänin der frischgebackenen Bezirksliga-Mannschaft. Sie reizt am Fußballspiel, sich jedes Wochenende erneut gegen andere Mannschaften durchsetzen zu können. „Und ich finde es super, dass man sich beim Fußball immer weiter entwickeln kann.”

Beide Frauen sind froh, dass Damenfußball längst keine Nischensportart mehr ist. „Eigentlich”, sagt Katrin Ruhnau, „hatte nur meine Mutter ein Problem damit, dass ich Fußball spiele. Deswegen bin ich auch erst so spät in einen Verein gegangen.” Sonst, so Katrin Ruhnau, seien die Reaktionen auf ihr Hobby durchweg positiv.

Stephan Wenn ist der Trainer der Jüngersdorfer Fußballdamen, vorher hat er über zehn Jahre nur Herren-Teams gecoacht. Und kennt naturgemäß die Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfußball ziemlich genau. „Frauen sind disziplinierter und zielgerichteter. Und sie haben eine positivere Einstellung. Aber manchmal sind sie natürlich auch zickiger.” Männer, so Wenn weiter, spielten einfach einen körperbetonteren Fußball. „Bei den Damen gibt es eindeutig weniger Fouls.” Katrin Ruhnau denkt, dass man Frauen- und Männerfußball eigentlich überhaupt nicht miteinander vergleichen kann. „Männer haben eine andere Dynamik”, sagt sie. Und Diane Kreutz? Die findet die Unterschiede gar nicht einmal so groß. „Ich denke, Frauen und auch Männer arbeiten hart dafür, dass sie gut spielen können. Ich glaube nicht dass es da große Unterschiede gibt!” Klar, dass sich die Fußballerinnen und auch Trainer Stephan Wenn auf die Frauen-WM in Deutschland freuen.

„Ich bin auch ein Fan von Männerfußball”, sagt Stephan Wenn. „Aber Damenspiele haben auch einen sehr großen Reiz. Und letztlich sind die Inhalte ja gleich. Alle wollen gewinnen. Es ist die Spannung, die zählt.” „Beim Herrenfußball”, ergänzt Katrin Ruhnau, „herrscht immer noch mehr Euphorie im Stadion.” Das sieht Lena Apel von den „TuSsis” ganz ähnlich. „Ich gucke auch ehrlich gesagt nicht so oft Frauenfußball. Weil da eine ganz andere Stimmung herrscht als bei den Männern.” Trotzdem will Lena auf jeden Fall die Deutschlandspiele der Weltmeisterschaft gucken. „Ich hoffe auch, dass die Leute wieder ihre Autos und die Häuser mit Fahnen schmücken”, sagt Lena Apel. „Das hätte unsere Mannschaft echt verdient.”

Frauenfußball in Düren seit 30 Jahren

Im Kreis Düren wird seit rund 30 Jahren Frauenfußball gespielt. Die ersten Mannschaften waren Merken, Rommelsheim und Berg.

Heute gibt es 150 aktive Seniorenspielerinnen und 450 Mädchen in 33 Mannschaften. Außerdem kicken etwa 100 Mädchen gemeinsam mit Jungen in einem Team.

Zurzeit spielen sieben Frauenmannschaften in der Kreisliga A, das Team des SV Merken in der Landesliga.

Einen Trainingsstützpunkt für Seniorenfußballerinnen gibt es im Fußballverband Mittelrhein nicht, aber der Verband setzt sich sehr für den Mädchenfußball ein. In Nörvenich trainieren jeden Montag rund 50 Mädchen aus den Fußballkreisen Düren, Euskirchen und Rhein-Erft unter lizensierten Trainern.