Düren: Dürener Firmenchefs richten den Blick nach Japan

Düren: Dürener Firmenchefs richten den Blick nach Japan

Die ganze Welt blickt auf Japan. Mit großer Sorge haben am vergangenen Wochenende die Firmenchefs mehrerer in Düren ansässiger Unternehmen versucht, ihre japanischen Geschäftspartner zu erreichen. Mit Erfolg.

Dr. Stephan Kufferath ist geschäftlich drei oder vier Mal im Jahr in Japan und hat „inzwischen Kontakt zu allen Kunden und Lieferanten”. Die Partner-Firmen sind in den Bergen ansässig, die Fabriken seien wie die Wohngebäude erdbebensicher errichtet und nicht beschädigt, wohl aber die Maschinen. Es könne aber ohnehin nicht produziert werden, „weil dort jetzt Strom gespart werden muss”.

Von Angst vor Strahlung sei ihm nichts berichtete worden, so Kufferath. Er bezweifelt aber, dass seine Partner die nötigen Informationen haben, um den Ernst der Lage - 400 Kilometer von den Explosionen entfernt - überhaupt erkennen zu können. „Die Regierung sagt, was sie will, und die Leute glauben das.” Es gebe dort keinen unabhängigen Journalismus, so Kufferath.

Kanzan in Düren ist Teil des japanischen Konzerns „Oji Paper” mit Hauptsitz in Tokio. „Keine erheblichen Schäden” vermeldet in Düren Firmenchef Matthias Simon auf Anfrage, doch die Lage sei unübersichtlich. Sicher sei, dass die Regierung Stromabschaltungen plant, auch in Tokio, das werde das Leben der Menschen sehr beeinträchtigen. Sechs Japaner sind derzeit bei Kanzan in Düren anwesend. Mit großer Erleichterung habe man ermitteln können, dass deren Familienangehörige nicht verletzt seien.

„Die Japaner sind äußerst diszipliniert”

„Über allem hängt die Gefahr der atomaren Katastrophe”, so Simon. Wie kann es da sein, dass die Menschen im Fernsehen so gelassen erscheinen? „Die sind nicht gelassen”, stellt Simon klar. Die Japaner seien äußerst diszipliniert. Und: Bei allem, was einem Japaner unangenehm und peinlich sei, „flüchtet er sich in ein Lächeln”. Es sei in Japan absolut nicht üblich, seine inneren Empfindungen zu zeigen.

Bei Anker-Teppichboden hat man zwar derzeit noch keine Verbindungen nach Japan, ist aber optimistisch, dort in den nächsten Jahren mit Flugzeugteppichboden landen zu können. „Die werden diese schwierige Situation meistern”, davon ist Geschäftsführer Markus Schoeller überzeugt.

Zulieferer, große Kunden und eigene Vertreter der Firma Heimbach sind südlich von Tokio ansässig. Auch Klaus Huneke, Geschäftsführer des Unternehmens, hat - nachdem zunächst alle Telefonverbindungen überlastet waren - Nachrichten von allen erhalten. „Wir haben zu allen Kontakt aufgenommen.” Von schweren Schäden sei nichts bekannt, „alle sind außerhalb der Katastrophenzone”. Das Dürener Unternehmen hat Hilfe angeboten, man werde bei Bedarf Hilfslieferungen organisieren und Geräte schicken, die eventuell zerstört wurden, „damit die dort wieder auf die Beine kommen”.

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