Dürener Einzelhandel mit Weihnachtsgeschäft unzufrieden

Kunden bleiben aus : Das Weihnachtsgeschäft in der Dürener City verläuft schleppend

Ulf Minartz ist ein wenig ratlos. So leer wie in den vergangenen Tagen hat der neue Vorsitzende der IG City die Dürener Innenstadt während des Weihnachtsgeschäfts noch nicht gesehen.

Minartz spricht bereits vom schlechtesten Verlauf der vergangenen Jahre und ist nur verhalten optimistisch, dass die letzten Tage noch für eine Trendumkehr sorgen könnten. Selbst am verkaufsoffenen dritten Adventssonntag blieb der erhoffte Ansturm in den Geschäften aus.

„Es ist eine gewisse Konsumzurückhaltung zu spüren“, hat auch Stadtcentermanager Daniel Böttke festgestellt. Die Gründe sind vielfältig. Natürlich spielt auch das lange Zeit viel zu warme Wetter eine Rolle, das Winterbekleidung wie Steine in den Regalen liegenließ. Daran hat auch der vorübergehende Kälte- und Schneeeinbruch am Wochenende nichts geändert, wie der Dürener Jörg Hamel, Geschäftsführer beim Handelsverband NRW, betont. „Ein Aufwind war am Wochenende nicht zu spüren.“

Aber das Ausbleiben der Kunden allein aufs Wetter zu schieben, greift für Daniel Böttke zu kurz. Aus seiner Sicht waren vor allem die vielen Straßenbaumaßnahmen der vergangenen Wochen in Düren nicht gerade förderlich. „Wer vom Kreisverkehr bis in die Parkhäuser eine halbe Stunde braucht, kommt nicht wieder“, appelliert der Centermanager an die Stadt, Baumaßnahmen im kommenden Jahr besser zu koordinieren. 

Und auch das Datum des verkaufsoffenen Sonntags stellt er zur Disposition. „Wir müssen überlegen, ob wir nicht schon im kommenden Jahr wieder zum vierten Advent zurückkehren“, fordert Böttke. Dieses Datum war in früheren Jahren bewusst gewählt worden, um gezielt Last-Minute-Käufer anzusprechen, die auf den letzten Drücker vom Internet-Handel nicht mehr beliefert werden können. Dazu kommt die große Konkurrenz am dritten Adventssonntag. Diesmal hatten waren die Geschäfte nicht nur in Düren, sondern auch in Jülich, Köln, Euskirchen und Heinsberg geöffnet. „Wir müssen wieder ein Alleinstellungsmerkmal haben“, betont Böttke. Eine Rückkehr zum verkaufsoffenen vierten Advent wäre ein solches.

Jörg Hamel liefert ein Argument, das ebenfalls in diese Richtung geht. Aus seiner Sicht haben sich beim Einkaufsverhalten vor Weihnachten zwei Gruppen gebildet. Die eine, die lange im Voraus plant und dann gezielt Ende November die Angebote rund um den aus den USA importierten Rabattschlachttag „Black Friday“ nutzen. „Diese Gruppe hat sich Ende November bereits komplett eingedeckt“, erklärt Hamel. Die andere Gruppe kaufe immer auf den letzten Drücker. Dieser käme ein verkaufsoffener vierter Advent natürlich gerade recht.  Allerdings, und das betont Böttke, mache sich der Handel mit den permanenten Rabattaktionen auch selbst das Leben schwer: „Der Kunde wurde doch jahrelang zur Geiz-ist-geil-Mentalität erzogen.“ Auch hier müsse ein Umdenken her.

Was Minartz, Hamel und Böttke eint, ist die Hoffnung auf einen guten Endspurt. „Diese Woche ist gut angelaufen“, hat der Centermanager festgestellt. Minartz aber ist skeptisch, dass die Verluste noch ausgeglichen werden können. Dabei ist das Weihnachtsgeschäft im November und Dezember für viele Einzelhändler existenziell wichtig.  Manche fahren in diesen beiden Monaten ein Viertel ihres Jahresumsatzes ein.

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