Düren: Dürener Christdemokrat geht nach 28 Jahren

Düren : Dürener Christdemokrat geht nach 28 Jahren

Manchmal klingt es wie eine Binsenweisheit, aber es ist wohl keine: Wenn Politiker sagen, sie wollten ihren Abschied selbst bestimmen und gehen, bevor andere der Meinung sind, sie sollten gehen, klingt das auch nach Selbstverständlichkeit, aber die Praxis sieht bisweilen anders aus.

Karl-Albert Eßer wird heute Abend ein Amt niederlegen, das er 28 Jahre innehatte: den Vorsitz im CDA-Bezirk Aachen. Eßer will das so, er geht, obwohl ihn manch einer gebeten hat, zu bleiben, wie er erzählt. Seinen Abschied hat er schon vor zwei Jahren angekündigt, es war der Tag, als er zum 13. Mal als CDA-Vorsitzender wiedergewählt worden war.

„Ich will kürzertreten“, sagt der 63-Jährige. Irgendwann sei es genug und Zeit, Jüngeren das Feld zu überlassen. Und dann kommt der Satz: „Ich will meinen Abschied selbst bestimmen.“ Ob tatsächlich die Gefahr bestand, dass andere über seinen Abschied befunden hätten, bleibt dahingestellt. Eßer hat mehr als sein halbes Leben der Politik gewidmet. Er ist im CDA-Landes- und Bundesvorstand, und er ist Kommunalpolitiker in Düren. Seit 1979, seit 37 Jahren also, ist er Mitglied der CDU.

Eßer war viele Jahre Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat. Das ist in einer Stadt wie Düren mit gut 90 000 Einwohnern eigentlich ein Vollzeitjob. Eigentlich. In Düren gibt es eine Aufwandentschädigung von gut 1000 Euro im Monat. Eßer hat den Job neben seinem Hauptberuf im Berufsförderungswerk gemacht. Dort ist er für die politische Kommunikation verantwortlich. Irgendwann vor sechs Jahren ging das alles nicht mehr: Burnout. Eßer zog sich zurück und geht heute anders mit den Belastungen um. 2012 legte er selbst den Fraktionsvorsitz nieder, blieb aber im Rat.

In der CDA behielt er seine Ämter, sicher auch, weil ihm die soziale Ausrichtung der CDU besonders wichtig ist. Die CDA sei die „Organisation für die kleinen Leute“, sagt er. Das Christlich-Soziale sei ihm wichtig. Das ist eine der drei Grundausrichtungen in der CDU, neben dem Konservativen und Liberalen. Die CDA will sich um die Stellung und Belange der Arbeitnehmer in den Betrieben kümmern, aber ebenso um die Gesellschaft an sich.

So hat es Eßer auch immer gehalten, und so hält er es bis heute. Wenn er sich im Rat zu Wort meldet, was deutlich weniger vorkommt als früher, geht es ihm oft um die größeren Themen, nicht unbedingt um das Klein-klein der Kommunalpolitik. Eßer beschäftigt sich mit dem demografischen Wandel und seinen Folgen, auch für Düren. Er beschäftigt sich mit Bildungsfragen und einer Chancengerechtigkeit, soweit es sie geben kann.

Es müsse mehr gebundene Ganztagsschulen geben, findet er. Gebunden bedeutet: verpflichtend. Die Kinder müssen den Nachmittag in der Schule verbringen und haben nicht die Wahl, mittags schon zu gehen. So ist es zum Beispiel in den Offenen Ganztagsgrundschulen in Düren. Ob die Jungen und Mädchen auch noch am Nachmittag in der Schule betreut werden, ist die Entscheidung der Eltern — und natürlich auch eine Frage, ob es überhaupt Betreuungsplätze am Nachmittag gibt. Das ist längst nicht an jeder Dürener Grundschule der Fall.

Für Karl-Albert Eßer waren CDU und CDA immer ein Gleichklang. Das eine geht und ging nicht ohne das andere. Wahrscheinlich hat auch Wolfgang Vogt so gedacht, einer seiner größten Mentoren, wenn nicht der größte. Vogt, wie Eßer aus Düren, war Bundesschatzmeister der CDA und Staatssekretär im Arbeitsministerium bei Norbert Blüm. Eßer habe viel von Vogt gelernt, sagt er, etwa, „vom Ende her zu denken“. Welche Auswirkungen haben Entscheidungen? Wer ist betroffen — und wie wirkt sich diese Betroffenheit aus?

Auch das klingt nach Binsenweisheit, doch ein Blick auf die Politik zeigt, dass es oft bloße Theorie ist. Dass heute Parteien wie die AfD Erfolge feiern, beobachtet Eßer mir Sorge. „Es ist nicht leicht, schwere und notwendige Entscheidungen verständlich zu machen“, sagt Eßer. „Dann haben es Populisten einfach. Sie bieten unkomplizierte Lösungen an, die aber keine Lösungen sind.“

Über das eine oder andere wird Eßer heute in seiner Abschiedsrede bei der Bezirksversammlung sprechen. Dann soll mit Alexander Scheufens ein neuer Vorsitzender gewählt werden. Scheufens kommt aus dem Kreis Heinsberg uns ist 35. Wie Eßer, als er vor 28 Jahren zu ersten Mal den Vorsitz übernahm. Vermutlich wird Eßer einer der ersten Gratulanten sein und nach Hause fahren in der Gewissheit, dass er seinen Abschied selbst bestimmt hat.

(inla)
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