Düren: Dürener (23) geht für ein Jahr zur Gedenkstätte Yad Vashem

Düren: Dürener (23) geht für ein Jahr zur Gedenkstätte Yad Vashem

„Wir müssen den Weg der Aussöhnung gemeinsam gehen. Der Holocaust darf von niemandem und zu keinem Zeitpunkt geleugnet werden”, sagt Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, mit Blick auf den heutigen internationalen Holocaust-Gedenktag.

Für den 23-jährigen Dürener Moritz Povel hat dieser Satz in den kommenden Monaten eine besondere Bedeutung: Er wird für die Katholische Kirche ein Jahr lang als Freiwilliger in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem arbeiten.

Im Mai 2009 war es, als Zollitsch die Gedenkstätte in Jerusalem besucht hat und dabei auch das Engagement junger Deutscher in der Gedenkstätte kennengelernt hatte. Um, wie es Zollitsch sagt, „neu aufkeimenden antisemitischen Tendenzen in unserer Gesellschaft entgegen zu wirken”, hat sich die Katholische Kirche entschlossen, Freiwillige nach Jerusalem zu entsenden, die in der Gedenkstätte arbeiten. Moritz Povel wird der zweite Freiwillige sein, den die Bischofskonferenz entsendet.

Der Dürener studiert derzeit in Münster Politik- und Wirtschaftswissenschaften. Sein Abitur hat er 2007 am Stiftischen Gymnasium absolviert. „Meine zweite Heimat ist jetzt Münster. Aber meine Eltern leben noch in Düren”, so Povel, der bereits fleißig Hebräisch lernt.

Der 23-Jährige freut sich auf die neue Herausforderung: „Besonders als Deutscher ist es für mich eine große Ehre, Teil der einzigartigen Arbeit in Yad Vashem sein zu dürfen. Was damals geschehen ist, kann niemand wieder gut machen. Aber wir können versuchen, durch Erinnerung und Aufklärung alles daranzusetzen, eine Wiederholung solcher Grausamkeiten zu verhindern.”

Im März wird Povel seine Arbeit antreten. Ein Jahr lang wird er in Jerusalem bleiben und hat dort dann auch die Möglichkeit, seine Bachelor-Abschlussarbeit zu schreiben.

Dass der Dürener für diese Aufgabe ausgewählt wurde, hat sich eher zufällig entwickelt. In Münster besuchte er einen Vortrag zum Besuch des Papstes im Heiligen Land im Jahr 2009. Mit dem Referenten kam er ins Gespräch und daraus entwickelte sich ein Praktikum im Sekretariat der Bischofskonferenz. Der Referent, Abteilungsleiter bei der Bischofskonferenz, wurde sein Chef.

„Er hatte den Besuch des Papstes und auch des Erzbischofs in Jerusalem 2009 mit organisiert und so sind wir auch über die Arbeit in der Gedenkstätte ins Gespräch gekommen”, sagt Povel, der in Münster im katholischen Studentenverein aktiv ist. Und nachdem die deutsche Bischofskonferenz den Beschluss fasste, die Stelle eines Freiwilligen in Jerusalem zu finanzieren, hat er sich beworben - und einen Tag vor Heiligabend die Zusage erhalten. „Das Katholische ist mir mit in die Wiege gelegt worden” - kein Wunder, denn mit vollem Namen heißt er Moritz Augustin Maria Povel. „Ich gehe als Katholik nach Jerusalem. Das ist Teil meiner Identität.”

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