Düren und Jülich: Sonderveranstaltung zum 16. November 1944

Zerstörung von Düren und Jülich : Sonderveranstaltung zum 16. November 1944

Am Nachmittag des 16. November 1944 fielen die Städte Düren und Jülich in Schutt und Asche. Der 75. Jahrestag der Zerstörung und seine kritische Reflektion stehen im Mittelpunkt einer Sonderveranstaltung im Haus der Stadt am 19. November: mit Zeitzeugenberichten, Vortrag, Diskussion und Fotoausstellung.

Die Menschen hatten sich an Luftangriffe gewöhnt, nicht nur in Düren und Jülich. Was da aber am Nachmittag des 16. November 1944 auf sie zukam, übertraf jede Vorstellung. „Die Erde bebte unter den gewaltigen Explosionen. Plötzlich sprangen die schweren Eisentüren auf. Jetzt musste das Ende kommen! Alles Denken setzte aus.“ Mit diesen Worten beschrieb die 38-jährige Frau Großmann später ihre Erlebnisse im Keller der Jülicher Lederfabrik. In den Armen hielt sie ihre zehnjährige Tochter, die überzeugt war: „Mama, jetzt sterben wir zusammen.“

Die beiden überlebten und trugen dieses Trauma wie viele Zeitzeugen zeitlebens mit sich. 500 britische Flieger hatten einen regelrechten Bombenteppich über Jülich und fast zeitgleich über Düren gelegt. Die Zentren fielen in Schutt und Asche. Die Erinnerung und das Gedenken an diesen einschneidenden Tag stehen im Mittelpunkt einer besonderen Veranstaltung am kommenden Dienstag, 19. November, ab 19 Uhr im Haus der Stadt Düren.

Schauspielerin trägt vor

Zum 75. Jahrestag des verheerenden Angriffs geht es um eine kritische Reflektion der historischen Dimension. Das Programm besteht aus einer Lesung von Zeitzeugenberichten, die von der Kölner Schauspielerin Juliane Ledwoch vorgetragen werden, aus einem Impulsvortrag, einer Podiumsdiskussion und einer Ausstellungseröffnung. Gezeigt werden große und kleine Fotos – auch unter Einsatz „moderner Medientechnik“, wie der Dürener Historiker Dr. Horst Wallraff erklärt. „Es sind auch Abbildungen dabei, die wir noch nicht gezeigt haben.“

Im Mittelpunkt stehen die beiden großen Städte des heutigen Kreises Düren. Der Titel der Schau lautet „Zwischen ,Führer’ und Freiheit – Bombenkrieg und ,Befreiung’ an der Rur“. Diese Zwiespältigkeit wollen das Stadt- und Kreisarchiv Düren, das Museum Zitadelle Jülich und die vier Tageszeitungen in Düren und Jülich als Veranstalter herausstellen.

Die Jülicher Ruinenlandschaft nach dem Bombenangriff am 16.11.1944, rechts der Hexenturm, mittig die Reste der Propsteikirche, links die Jesuitenkirche, fotografiert 1947. Foto: ZVA/Hermann Claasen, Museum Zitadelle Jülich

3000 Spreng- und Brandbomben fielen allein auf Düren in seinem Gründerzeitglanz – „und damit fiel der von Hitler-Deutschland ausgerufene ,Totale Krieg’ im wahrsten Wortsinn auf die Region an der Rur zurück“, schreiben die Historiker beider Städte im Flyer zur Veranstaltung. Mehr noch: „Am Ende des Tages“ seien „Düren und Jülich die am vollständigsten zerstörten Städte in ganz Europa“ gewesen. Wie gedenkt man einer solchen Apokalypse, die aber nicht „aus dem Nichts“ kam, richtig? Der Historiker Malte Thießen (Uni Münster) versucht in einem Impulsreferat, eine Antwort zu geben, wie „richtiges Gedenken“ aussieht.

Danach werden Thießen, die beiden Bürgermeister Paul Larue (Düren) und Axel Fuchs (Jülich) sowie die Historiker Guido von Büren (Jülich) und Horst Wallraff (Düren) in einer moderierten Podiumsdiskussion den Jahrestag der Zerstörung und die Gedenkkultur näher beleuchten. Am Ende der Veranstaltung wird die Fotoausstellung im Haus der Stadt eröffnet, die bis zum 21. Dezember zu sehen ist. Der Eintritt am 19. November ist frei.