Düren: THW-Einsatz an der Renkerstraße

Fäkalienflut in Düren : THW rückt zur Renkerstraße aus, weil die Heberleitung schwächelt

Die Folgen des Kanaleinsturzes in der Renkerstraße Anfang Mai werden für die gebeutelten Anwohner auch an der Gerhard-Fuß-Straße zum Fass ohne Boden. Zwar war in den vergangenen Wochen so etwas wie Ruhe eingekehrt, von Normalität aber konnte angesichts der großen Stahlrohre der Heberleitung und der Dauerbaustelle vor den Häusern nie die Rede sein.

Und Sonntagabend dann das: Die rund 400 Meter lange Heberleitung, die das Abwasser unter Einsatz von Vakuumpumpen von der Gerhard-Fuß-Straße am maroden Kanalabschnitt vorbei Richtung Rurufer-Radweg führt, versagte aus bislang ungeklärter Ursache gegen 20 Uhr teilweise ihren Dienst. Mit weitreichenden Folgen.

Binnen Minuten stand das mit schwefelhaltigen Rückständen der Papierindustrie belastete Abwasser knöcheltief auf der Gerhard-Fuß-Straße. Fäkalien schwammen über dem Asphalt und drangen teilweise auch in die Höfe und einige nicht durch Rückstauklappen gesicherte Keller angrenzender Häuser auch der Poststraße ein, ekliger Gestank lag in der Luft. Für die Anwohner ein leidvolles Déjà-vu, das niemand braucht, schon gar nicht eine Woche vor Weihnachten. Warum die Heberleitung plötzlich nicht mehr den kompletten Abwasserstrom ­- rund 200 Liter pro Sekunde – weiterleitete, war auch am Montag noch völlig offen. Die erste Vermutung, eine der drei Vakuumpumpen könnte ausgefallen sein, konnte schnell ausgeschlossen werden.

Weil das THW Schläuche über die Gleise legen musste, ist die Rurtalbahnstrecke Düren-Heimbach unterbrochen. Foto: ZVA/Jörg Abels

Vieles deutet nach Angaben des zuständigen Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) darauf hin, dass die voluminöse Heberleitung an irgendeiner Stelle verstopft ist. Anwohner berichten, dass sie in den vergangenen Wochen immer wieder Gepolter im Rohr gehört haben. Sie vermuten, dass weitere Kanalwände, von Schwefelsäure zerfressen, abbröckeln, durch die Ersatzleitung gespült werden und sich jetzt offenbar im Zusammenspiel mit Toilettenpapier und Fäkalien an einer Stelle festgesetzt haben. Um dies herauszufinden, muss jedoch das komplette Rohr erst einmal trockengelegt werden

Schon am Sonntagabend war wie schon Anfang Mai das THW angerückt, um mit dieselbetriebenen und entsprechend lauten Notpumpen und Schläuchen das Abwasser abzuleiten. Seitdem ist die Rurtalbahnstrecke wie im Mai unterbrochen, die Schläuche liegen über den Gleisen. Fußgänger müssen über sie klettern, weniger mobile Bürger sich einen anderen Weg suchen. Die Rurtalbahn soll voraussichtlich im Laufe des Dienstags wieder ihren Betrieb aufnehmen. Bis dahin sollen die THW-Pumpen und Schläuche wieder mit stationären Pumpen und einer unter den Gleisen verlaufenden Druckrohrleitung ersetzt werden.

„Wir hoffen, dass der Aufbau am Dienstagvormittag abgeschlossen sein wird“, erklärte ein WVER-Mitarbeiter vor Ort. Bis dahin werden Fahrgäste gebeten, zwischen Lendersdorf und Kreuzau auf Busse umzusteigen. Der Verkehr auf der Renkerstraße ist derweil nicht beeinträchtigt. „Leidglich bei der Verlegung der Druckrohrleitung von der Rurtalbahn über die Straße ‚Im Kleffert‘ zur Renkerstraße kann es zu einer kurzzeitigen Sperrung kommen“, kündigt WVER-Sprecher Marcus Seiler an. Wann die Heberleitung wieder in Betrieb gehen kann, so dass der Pumpenlärm wieder verschwindet, war am Montag nicht abzusehen.

Die Nerven der Anwohner liegen blank, zumal sie mit Normalität erst wieder in gut einem Jahr rechnen können, wenn der komplette Kanalabschnitt saniert sein soll und die Heberleitung wieder abgebaut werden kann. Was bleibt aber ist weiterhin die Frage, wie es überhaupt zu dem Einsturz mit seinen weitreichenden Folgen kommen konnte und ob der WVER es nicht versäumt hat, den Kanal frühzeitig zu sanieren.

„Wir verlangen lückenlose Aufklärung“, erklärt Anwohner Alfred Jannes, der mittlerweile auch die Bezirksregierung Köln als WVER-Aufsichtsbehörde kontaktiert hat.

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