Düren: Schnelle Genehmigung von Gewerbegebieten gefordert

Interkommunale Zusammenarbeit : Dringender Bedarf an Gewerbeflächen

Mit Blick auf das sich abzeichnende Tempo des Strukturwandels in der Region und der Notwendigkeit, wahrscheinlich schon bis Ende 2022 Ersatzarbeitsplätze schaffen zu müssen, hat die Stadt Düren ein Problem.

Kurzfristig verfügt sie nur noch über rund zehn Hektar freier Gewerbeflächen, nicht zusammenhängend und mit kaum einer Möglichkeit, Industriebetriebe ansiedeln zu können, wie Dezernent und Wirtschaftsförderer Thomas Hissel im Ausschuss für Stadtentwicklung betonte.

Zwar wird derzeit ein neues Gebiet südlich der Kölner Landstraße mit 22 Hektar entwickelt, „Im Rossfeld I“ aber soll vor allem kleineren Betriebe zur Verfügung stehen.

Dementsprechend angewiesen ist die Stadt auf eine schnelle Genehmigung der interkommunalen Pläne mit den Gemeinden Kreuzau, Merzenich, und Niederzier, die gemeinsam vier Gebiete mit einer Fläche von 122 Hektar entwickeln wollen. Die aber ist nicht abzusehen. Zwar gesteht die Landesregierung den Tagebaukommunen einen Sonderbedarf bei der Entwicklung neuer Gewerbeflächen zu, noch aber fehlt der zuständigen Bezirksregierung Köln die entsprechende Handlungsanweisung, kritisiert Hissel, so dass die Kölner Behörde gemäß geltendem Landesentwicklungsplan weiter eine 1:1-Flächenkompensation fordert. Heißt: Neue Gewerbeflächen werden bis auf Weiteres nur genehmigt, wenn auf bereits ausgewiesene, aber noch nicht realisierte an anderer Stelle verzichtet wird. Damit kann keine der vier Partnerkommunen dienen.

Und auch das betonte Hissel im Ausschuss: Mit einer wann auch immer erfolgenden Genehmigung aus Köln kann ein Gebiet immer noch nicht sofort vermarktet werden. Davor stünden noch Bauleitplanung, der nicht immer einfache Flächenerwerb und Erschließung mit einem zeitlichen Horizont von zwei bis drei Jahren. Um Ende 2022, wenn wahrscheinlich das erste Kraftwerk im Revier stillgelegt wird und die ersten Arbeitsplätze auch in den Tagebauen wegfallen, handlungsfähig zu sein, wird die Zeit bereits knapp. „Wenn wir neue Flächen erst 2024/25 im neuen Regionalplan zugestanden bekommen, könnten sich Ansiedlung bis in die 30er Jahre verzögern“, befürchtet Hissel. Damit würde der Strukturwandel an Düren vorbeigehen.

Nach einer Machbarkeitsstudie, die im Ausschuss vorgestellt wurde, wäre die interkommunale Erweiterung des Gewerbegebietes an der Henry-Ford-Straße gegenüber Neapco (42 Hektar) am ehesten möglich. Hier gehört der Stadt ebenso bereits ein Großteil der Flächen wie in einem Abschnitt „Im Rossfeld II“ (23 Hektar), das entlang der Ostumgehung auch noch einmal um bis 78 Hektar erweitert werden könnte.

Umweltrestriktionen gibt es hier ebenso wenig wie im Bereich Talbenden/Rurbenden, wo in östlicher Richtung an der A4 weitere 25 Hektar ausgewiesen werden könnten. Dort allerdings gibt es mehr als 30 Eigentümer, so dass sich die Verhandlungen in die Länge ziehen könnten. Der Ankauf dürfte auch im geplanten Areal südlich der A4 bei Merzenich das größte Hindernis sein. Der Haupteigentümer wolle nicht verkaufen, heißt es in der Studie. Und ein weiteres Problem taucht auf: Die Ausweisung neuer Gewerbeflächen ist auch von einer Erweiterung der Kläranlage Düren abhängig.

(ja)
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