Düren fordert schnellere Hilfe beim Strukturwandel von Bund und Land

Strukturwandel: Stadt Düren schlägt Projekte für 280 Millionen Euro vor

Zeitnahe und massive Investitionen in strukturpolitische Maßnahmen fordert die Stadt Düren in einer Resolution von Bund und Land ein, damit ein beschleunigter Ausstieg aus der Braunkohleverstromung „nicht zu einem unkontrollierten Strukturbruch führt“.

Parallel hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt ein 30-seitiges Konzept vorgelegt, in dem Projekte beschrieben werden, die dazu beitragen sollen, dass der anstehende Strukturwandel sozialverträglich aufgefangen werden kann.

„Ein beschleunigter Ausstieg bedeutet auch einen beschleunigten Strukturwandel. Darauf müssen wir reagieren“, betonte Dürens Beigeordneter Thomas Hissel am Dienstag im Rat. „Die Entscheidungen werden zwar in Berlin getroffen, die Folgen werden aber bei uns spürbar sein“, argumentierte er und verwies darauf, dass bis zu 9000 direkte und rund 18.000 indirekte Arbeitsplätze wegfallen würden – allein in Düren mindestens 2000 Arbeitsplätze –, die es frühzeitig zu kompensieren gelte. „Die Wertschöpfung wird nicht nur in der Region erwirtschaftet, sie bleibt zu großen Teilen auch in der Region“, sagte Hissel. Düren als größte Stadt im Rheinischen Revier mit direktem Kontakt zum Tagebau ist aus Sicht des Beigeordneten besonders betroffen, weil die Sozialstruktur schon vor dem Strukturwandel besonders schwierig ist. Schon jetzt sind fast ein Fünftel der Bürger auf Grundsicherung angewiesen, die Arbeitslosenquote ist mit 10,8 Prozent überdurchschnittlich hoch. Vergleichbar ist dies mit Städten im Ruhrgebiet, die allerdings den Strukturwandel bereits hinter sich haben. In NRW liegt der Durchschnitt bei 6,4 Prozent.

Fördergelder

Analog zum Masterplan der Stadt fordert Hissel weitere Investitionen in die Infrastruktur, die eine Ansiedlung neuer Firmen wie schon bei Unternehmen wie Streetscooter ermöglichen sollen. Neben dem Bau der Nordumgehung (B 399n) sollen Fördergelder in interkommunale Gewerbegebiete fließen, um bedarfsgerecht Flächen für Firmen anzubieten, die hochqualifizierte Jobs schaffen. Ein neues Innovationscenter im Bereich der Lagerstraße soll zudem helfen, Startup-Strukturen zu verbessern und Neugründungen zu unterstützen. Start des Projektes ist bereits im Januar, eine entsprechende Förderzusage des Landes liegt vor. Zu den Neugründungen zählt auch ein Internationales Zentrum für Verpackungsinnovationen aus Grasfaser samt Campus und Kompetenzzentrum, das in Düren angesiedelt werden soll und im Idealfall weitere Unternehmen nach Düren locken wird. So wie man im Bereich der Papierindustrie Innovationen stärken will, gilt dies auch für die Autobranche: Die Stadt soll sich als E-Mobilitätsstandort definieren, der weit über die reine Produktion des Streetscooters hinaus reichen soll. Im Bereich Tourismus denkt Hissel an den Bau einer Hochschule mit Sitz in Düren, die Schwerpunkte im Geschäftsreisetourismus und Aktivtourismus lehren könnte. Zudem will er erreichen, dass auch die Stadt Düren vom Regionalen Wirtschaftsförderprogramm profitieren kann, um lokal nachhaltige Investitionen von Unternehmen gezielt unterstützen zu können.

Mehr als zehn innovative Projekte listet die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt auf, die möglichst im Verbund mit anderen Kommunen, aber auch Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft realisiert werden sollen – proaktiv, damit der Strukturwandel gelingen kann. Die am Dienstag im Rat einstimmig von allen Fraktionen beschlossene Resolution setzt darauf, dass Bund und Land die entsprechenden Mittel bereitstellen sollen. Rechnet man alle Positionen aus der von Hissel vorgelegten Projektliste zusammen, kommt man immerhin auf ein Volumen von 280 Millionen Euro.

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