Düren: Förderprojekt für SLCR Lasertechnik

Förderprojekt von SLCR : Die Idee, in Zukunft Maschinen mit VR-Brillen zu warten

Die Dürener Firma SLCR Lasertechnik wird mit 185.000 Euro vom Bund in einem Forschungsprojekt gefördert. Sie will unter anderem digitale Betriebsanleitungen entwickeln.

Wenn Anlagenbauer ihre Maschinen verkaufen, müssen sie anschließend in der Regel auch Personal für deren Wartung auf Dienstreise zu den Kunden schicken. Die Dürener Firma SLCR Lasertechnik hofft, dass es bei ihren Produkten in Zukunft anders läuft. Die Kunden sollen die Wartung selbst übernehmen können, im Idealfall mit einer sogenannten VR-Brille, sagt David Schiffer, Projektleiter bei dem Unternehmen aus dem Gewerbegebiet „Im Großen Tal“.

VR ist die Abkürzung für Virtual Reality, also virtuelle Realität. Die wird dem Träger jener Brille angezeigt; die Gläser sind quasi Bildschirme. Im Falle der SLCR-Maschinen, die unter anderem mit Laser-Roboterarmen ausgestattet sind, könnte es bald so sein, dass der Kunde eine VR-Brille trägt und ihm Schritt für Schritt vor der Anlage erklärt wird, wie er sie zu warten hat. In anderen Worten: Er sieht eine anschauliche, vereinfachte digitale Bedienungsanleitung.

Das ist noch alles Theorie. Damit es bald aber zur Praxis werden könnte, ist SLCR Teil eines Förderprojektes. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt insgesamt sechs Firmen mit rund zwei Millionen Euro, SLCR erhält davon 185.000 Euro. Bis Ende/Mitte 2021 soll das Projekt abgeschlossen sein.

„Wir möchten dem Kunden beim wiederkehrenden Service interaktiv unter die Arme greifen“, beschreibt David Schiffer den Grundgedanken. Alles, was zu den Spezialmaschinen heute noch seitenweise auf Papier steht, soll demnächst in einer digitalen Datenbank liegen. Gleiches soll für Wartungsprotokolle gelten. „Wir stellen uns auch vor, dass Kunden bald 3-D-Animationen unserer Maschinen mit detaillierter Beschreibung für den Computer erhalten“, sagt David Schiffer.

Noch einen Schritt weiter gedacht hofft das Unternehmen, dass die fortwährend digitalisierten Maschinen in Zukunft „mitdenken“ und quasi ankündigen können, wann ein Bauteil gewartet oder erneuert werden muss, erklärt der 24-Jährige. Das wäre gerade bei Anlagen vorteilhaft, die aus verschiedenen Teilen von mehreren Herstellern zusammengesetzt sind. „Für Anlagenbauer wäre das ein extrem wichtiger Punkt, denn ein einziges kaputtes Bauteil kann zum Ausfall der kompletten Maschine führen“, erklärt Schiffer. Ob und welche Ansätze im Laufe des Projekts gefunden werden, sei noch völlig offen.

Sicher ist, dass die Ergebnisse aus dem Bereich digitaler Betriebsanleitungen nur im Verbund der sechs Firmen genutzt würden. Welchen finanziellen Vorteil diese hätten, sei laut David Schiffer „schwer abzuschätzen“. Ohnehin gehe es vorrangig darum, Zeit zu sparen, denn die „Arbeitserleichterung ist erheblich“. Nach Angaben von Geschäftsführer Olav Schulz verkauft SLCR rund 25 Prozent seiner Maschinen in Deutschland, weitere 70 Prozent im übrigen Europa. Kürzlich hat das Unternehmen erstmals Anlagen in die USA und China geliefert.

Ein weiteres Unternehmen aus dem Kreis Düren in dem Verbundprojekt ist die Firma Kima Process Control aus Jülich-Welldorf, die mit rund 148.000 Euro gefördert wird. Sie entwickelt und fertigt Messtechnik, damit Zementwerke effektiver und umweltschonender laufen, da sie viel Strom verbrauchen und eine Menge Kohlendioxid ausstoßen. Kima hat Kunden in mehr als 50 Ländern und will mit dem Projekt herausfinden, „wie man einen verbesserten Fernzugriff auf die Maschinen bekommt, damit die Diagnose weitgehend autonom abläuft“, erklärt Peter Kalkert. Dem Geschäftsführer schwebt auch ein Online-Kundenportal mit den häufigsten Problemen vor. „Uns geht es aber nicht darum, Arbeitsplätze einzusparen, sondern die hochqualifizierten Leute, die normalerweise an diese Arbeit gebunden sind, für andere Aufgaben freizumachen“, betont Kalkert.

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