Düren: Band „Wildfire“ bei Spotify vor Eminem

Erst seit einem Jahr eine Band : Die vier Jungs von „Wildfire“ überholen selbst Eminem

Eine junge Band aus Düren ist aktuell auf der Überholspur. Mit ihrer ersten Single „Closed Doors“ landen „Wildfire“ einen Durchbruch, mit dem sie in Online-Charts selbst den seit den 90er Jahren sehr erfolgreichen US-Rapper Eminem kurz in den Schatten stellen.

Erst im Nachhinein fiel Fabian Kuhn, Jonas Kurth, Michel Bielitzer und Eric Pingen auf, dass ihr spontan gewählter Bandname „Wildfire“ (Lauffeuer) sehr gut beschreibt, wie es seit der Gründung vor rund einem Jahr für sie lief. Hatten sie im Januar noch ihren ersten Auftritt in einem Dürener Café vor recht überschaubarem Publikum, so spielten sie zuletzt im Kölner Szenelokal „Blueshell“.

Ihre Mischung aus Rock, Indie und Pop kommt gut an, das beweist zumindest das Online-Musikportal Spotify. In den sogenannten „Viral Charts“ werden fünfzig Songs gelistet, die aktuell das meiste Aufsehen in den sozialen Medien wie Facebook erregen, sprich am meisten geteilt, kommentiert und mit „Gefällt mir“ markiert werden. Dass sie dort mit ihrem Debüt „Closed Doors“ auf dem 35. Platz landen, hätten die vier sich nicht träumen lassen. Und wie angedeutet: Eminem landete hinter ihnen.

„Folgen keinem Genre“

Fabian Kuhn, 20, Sänger und Akustikgitarrist der Band sagt daher selbstbewusst: „Wir folgen keinem bestimmten Genre oder irgendwelchen Trends. Wir haben unseren eigenen Stil, und ich glaube, dass uns die Leute gerade deshalb für voll nehmen.“ Von ihm stammen meist die Ideen zu Texten und Melodien für die gefühlvoll-ruhigen bis rockigen Lieder, die „Wildfire“ bei ihren Auftritten spielen. Neue Songs entstehen aber gemeinsam.

„In den Proben spielen wir einfach nach Gefühl drauf los. Wir sind nicht so die Notenfans, das Meiste entsteht in Jam-Sessions, also wenn wir improvisieren und jeder nach Gehör seinen Senf dazu gibt“, erzählt Kuhn bildhaft. Schauplatz der Songschmiede ist der Keller von Keyboarder Michel Bielitzer in seinem Vettweißer Elternhaus. „Meine Eltern sind Gott sei Dank ziemlich kulant, was Lautstärke betrifft“, sagt der 19-Jährige.

Es ist letztendlich das Aufeinandertreffen verschiedener Einflüsse, die die Musik von „Wildfire“ ausmacht. Fabian Kuhn hat vor der Gründung Straßenmusik gemacht, war unter anderem in Köln mit der Gitarre unterwegs. E-Gitarrist und jüngstes Mitglied Jonas Kurth, 17, sorgt vor allem für Elemente aus dem Indie-Bereich, seinem Lieblingsgenre. Michel Bielitzer mag Musik aus den 70er und 80er Jahren, wohingegen Eric Pingen (Schlagzeug) am liebsten Metal hört. Bielitzer und Pingen kommen aus der Big-Band des Wirteltor-Gymnasiums, die hauptsächlich Jazz spielt. „Wir haben also alle unterschiedliche Neigungen und Erfahrungen, die sich als Ganzes zusammensetzen“, erklärt Jonas Kurth.

Den Grundstein für ihren Erfolg legten die Vier im März beim Bandwettbewerb „Toys2Masters“. Der Wettbewerb, der seit 1995 von der Kulturinitiative der Stadt Bonn veranstaltet wird, möchte jungen Künstlern zu mehr Bekanntheit verhelfen. Innerhalb zweier Vorrunden konnten sich „Wildfire“ gegen rund 60 andere Bands durchsetzen. Auch bei der zweite Runde im Mai entschied sich das Publikum per Abstimmung für die Band aus Düren. Mitte September gewannen die Vier auch das Viertelfinale. Das Halbfinale ist am Samstag, 27. Oktober, im Harmonie Bonn.

Die ersten Schritte in die richtige Richtung sind also getan, denn als Preis gewannen die vier Musiker bislang einen Tag im Tonstudio mit professioneller Aufnahme und Videodreh und einen Gutschein von der Vertriebsplattform Artistfy. „Uns war klar, dass wir das natürlich für eine erste Veröffentlichung nutzen wollen“, sagt Fabian Kuhn. Über Artistfy, einer Plattform, die es sich zum Ziel gesetzt hat, aufstrebende Künstler auf die gängigen Musikkanäle wie Spotify, Amazon, Google Play und Apple Music zu bringen, schafften es „Wildfire“ schließlich, ihre erste Single „Closed Doors“ an den Mann zu bringen.

Innerhalb von dreieinhalb Wochen erreichte „Closed Doors“ 25.000 Aufrufe auf Spotify und wurde somit zur erfolgreichsten Veröffentlichung in der zwölfjährigen Geschichte von Artistfy. Kurze Zeit später platzierte sich die Band in den „Viral 50“ Charts, der über 100.000 Leute auf Spotify folgen. Mittlerweile hat der Song über 40.000 Aufrufe.

Seitdem reißen auch die Auftritte nicht ab. Fabien Kuhn erinnert sich nur zu gerne an den im Kölner „Blueshell“: „Der Laden war rappelvoll“, erzählt er begeistert. „Erst dachte ich, meine Stimme wäre doppelt und etwas stimmt mit dem Ton nicht, bis mir klar wurde, dass die Leute laut mitsingen.“

Dass das Musikgeschäft aber nicht das bequemste ist, haben die Bandkollegen schon zu spüren bekommen. Jonas Kurth: „Wir stehen noch am Anfang, und gerade jetzt ist alles mit sehr viel Aufwand verbunden. Bewerbungen, Organisation von Auftritten, rechtliche Themen und vieles mehr – aus dem Hobby ist quasi ein Nebenjob geworden.“

Mittlerweile ist ihr zweiter Song erschienen: „Lost In Devotion“ heißt der ruhige Titel. Irgendwann wollen sie, wenn sie jemand nach ihrem Beruf fragt, antworten: „Musiker.“

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