Düren: Düren 99 Mittelrheinmeister treffen sich seit 1963 jährlich

Düren : Düren 99 Mittelrheinmeister treffen sich seit 1963 jährlich

Es ist schon wieder passiert: Am Samstag hat der Regionalligist SSV Ulm den amtierenden Pokalsieger und Bundesligist Eintracht Frankfurt mit 2:1 aus dem DFB-Pokal geworfen. „Im Pokal ist so etwas möglich“, sagt Horst Maaßen.

„Den vermeintlich stärkeren Mannschaften fehlt es oft an der richtigen Einstellung. Und das kann im Pokal zu einem riesigen Problem werden. Schwächeln die Profis, werden in der Regel die Amateure immer stärker.“ Horst Maaßen weiß genau, wovon er spricht. Der 77-Jährige hat selbst erfolgreich Fußball gespielt — in den 60er Jahren als Verteidiger bei Düren 99.

Diese Herren wurden 1965/66 Mittelrheinmeister und waren bei der Feier im Sportheim an der Mariaweilerstraße dabei. Foto: kin

Vor 55 Jahren, also in der Saison 1962/63 ist Maaßen mit seinem Team Mittelrheinmeister geworden. „Das war damals das höchste, was man im Amateurfußball erreichen konnte. Und seitdem treffen wir uns jedes Jahr.“

Gegen Gladbach

Natürlich wird dann über die erfolgreiche Meisterschaftssaison gesprochen, geklönt und in Erinnerungen geschwelgt. Am Samstag war wegen der ersten Runde im DFB-Pokal aber eben auch dieser besondere Fußball-Wettbewerb Thema. „An der Westkampfbahn hat es ja auch so ein besonderes Pokalspiel gegeben“, erinnert sich Maaßen an den Sommer 1964, als Borussia Mönchengladbach zu Gast war. „Die Fohlenmannschaft ist mit ihrem besten Kader angetreten“, erzählt Maaßen. „Hennes Weisweiler war Trainer, zur Mannschaft gehörten zum Beispiel Jupp Heynckes und Günter Netzer.“

Gladbach hat damals 2:3 in Düren verloren. Maaßen: „Die haben in der Kabine von Hennes Weisweiler eine unglaubliche Ansage bekommen, schon in der Halbzeitpause. Und für uns war dieses Spiel ein riesiges Erlebnis.“ Und zwar eines, dass die Mannschaft zusammengeschweißt hat, wie überhaupt die gemeinsame Fußballzeit prägend für die Männer war.

„Wir haben zweimal in der Woche trainiert“, erzählt Peter Breuer. „Und wenn starke Gegner kamen auch dreimal.“ Trainer der Truppe war Leo Engels, der Vater des späteren Bundesliga-Profis Gerd Engels. „Dem war es auch wichtig“, sagt Maaßen, „dass wir uns gut verstanden haben.“

In der Erfolgs-Saison 1962/63 kamen die Gegner von Düren 99 unter anderem aus Eschweiler, Baesweiler, Troisdorf, Köln, Bergisch Gladbach, Siegburg und Bonn. „Es waren immer um die 3000 Zuschauer bei unseren Spielen“, sagt Peter Vogt, seinerzeit Linksverteidiger. „Und bei Spitzenspielen waren es sogar um die 6000 Fußballfans.“

Neun Spiele ohne Gegentor

Die Saison 1962/63 sei für Düren 99 extrem gut gelaufen. „Wir waren neun Spiele ohne Gegentor“, weiß Paul Vogt noch gut. „Und als wir dann in Köln antreten mussten, titelte damals eine Kölner Zeitung: ‚Wer schießt das erste Tor gegen Düren?‘ Das waren schon aufregende Zeiten.“ Düren war aber nicht nur in der Abwehr gut, sondern auch im Sturm. „Mir fehlt noch eine andere Zeitungsüberschrift ein“, sagt Horst Maaßen. „Die hieß: ‚Beste Abwehr, bester Sturm‘“ Bei uns war damals immer der direkte Weg zu Tor der Entscheidende. Taktieren gab es eigentlich gar nicht.“

Für die Erfolgskicker von 1963, die noch immer das Geschehen rund um den Dürener Fußball genau beobachten, ist das liebe Geld ein Grund dafür, warum der Fußball sich so stark verändert hat. „Heute wird schon in der Kreisliga gezahlt“, sagt Peter Fuß. „Und das taugt einfach nichts. Bei uns hat damals Geld überhaupt keine Rolle gespielt.“

Was den neu gegründeten 1. FC Düren angeht, der ja auch in der Mittelrheinliga antritt, sind die 99er eher skeptisch. Peter Vogt: „Ich wünsche es dem Verein wirklich, dass er erfolgreich ist. Dazu braucht es sehr viele finanzielle Mittel, und ich weiß nicht, ob es die gibt. Und Toni Moll ergänzt: „Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft funktioniert, weil die Konkurrenz zwischen den Klubs, die fusioniert sind, immer noch existiert.“

Apropos Zusammenhalt: Neben der großen Torgefährlichkeit und der guten Verteidigung war Teamgeist der dritte Erfolgsgarant der Mannschaft. „Wir haben viele Punkte auch beim Feiern und beim Singen gemacht“, sagt Peter Fuß. „Wir hatten einfach jede Menge Spaß zusammen.“

Rolf Maaßen hört zu und überlegt kurz. Dann lächelt er. „Wenn mich heute einer fragt, was unsere Mannschaft ausgemacht hat, dann sage ich immer nur den einen Satz: Uns macht aus, dass wir uns auch nach 55 Jahren immer noch treffen. Das ist aus meiner Sicht wirklich einzigartig.“

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