Kreis Düren: Droht dem Tempo-140-Raser von Heimbach nun eine Haftstrafe?

Kreis Düren : Droht dem Tempo-140-Raser von Heimbach nun eine Haftstrafe?

Dass die Polizei eine Verfolgungsjagd abbricht, kommt extrem selten vor — am vergangenen Wochenende war dies auf der Landesstraße 249 zwischen der Abtei Mariawald, Heimbach und Nideggen jedoch direkt zum Start der Motorradsaison der Fall.

Ein 40-jähriger Motorradfahrer aus Elsdorf raste auf seiner Flucht vor einer Kontrolle mit 140 km/h durch Tempo-30er-Zonen, beschleunigte dann auf bis zu 190 km/h. Für den erfahrenen Motorradpolizisten ist das nicht zu schnell, aber: Er soll kein Risiko eingehen.

„Der Provida-Fahrer bringt sich selbst in Gefahr und könnte den Verfolgten verleiten, andere — insbesondere Unbeteiligte — in Gefahr zu bringen“, erklärt Polizeisprecherin Ingrid Königs. Der Elsdorfer ist auf seiner Flucht so rücksichtlos gefahren, dass er trotz Gegenverkehrs überholt hat. „Wir müssen in solchen Fällen immer abwägen. Und der Abbruch bedeutet nicht, dass wir nicht weiter ermitteln.“

Illegales Rennen

Der Raser wurde anhand des Kennzeichens ausgemacht und weil er nicht alleine unterwegs war. Die Beamten wollten ihn und einen Mitfahrer anhalten, weil sie viel zu schnell unterwegs waren und ein Überholverbot ignoriert hatten. Der Elsdorfer preschte davon, ein 28-Jähriger aus Bergheim hielt an. Ermittelt wird nun auch, ob die beiden sich ein illegales Rennen geliefert haben könnten.

Der Grund für die Flucht des Elsdorfers ist eindeutig: Er ist schon mehrfach wegen schwerer Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung auffällig geworden, musste deswegen seinen Führerschein abgeben. All‘ das reicht aber nicht aus, um zum Beispiel das Motorrad sicherzustellen. „Hätte man ihn vor Ort gefasst, hätte man ihm vermutlich die Schlüssel abgenommen“, sagt Ingrid Königs. Härtere rechtliche Maßnahmen wären dann die Aufgabe von Gerichten. Untersuchungshaft?

„Der Mann hat einen festen Wohnsitz“, erklärt Königs. Rein rechtlich betrachtet besteht dann auch bei einem Raser, der geflüchtet ist, paradoxerweise keine Fluchtgefahr. Wiederholungsgefahr? Die mag zwar naheliegend sein, aber: „Der Mann ist nicht vorbestraft.“

Hinzu kommt, sagt Dr. Jost Schützeberg von der Aachener Staatsanwaltschaft, dass „zu schnelles Fahren erst mal nur eine Ordnungswidrigkeit darstellt“. Und selbst das Fahren ohne Führerschein gilt als Bagatellstraftat Aber: „Natürlich prüfen wir, ob in solchen Fällen das Tatmittel einzuziehen ist“, erklärt Schützeberg.

„Auf der Straße nichts zu suchen“

Für eine harte Strafe spricht sich Roman Buschbell aus. „Wir sprechen hier von einem 40- und keinem 18-Jährigen, der Mann hat im Straßenverkehr nichts mehr zu suchen“, sagt der Dürener Rechtsanwalt, der Experte für Verkehrsrecht und Opferschutz ist. In seinen Augen sei eine Freiheitsstrafe angemessen, die je nach Sachlage und Art der Gefährdung im Straßenverkehr bis zu fünf Jahre betragen könnte.

Dass der Mann nicht vorbestraft ist, kommt ihm wohl entgegen. „Die Höchststrafe kommt nicht im Erstfall zum Tragen, in dem Fall muss geschaut werden, wie schwer die früheren Vergehen waren“, betont Buschbell. „Eine Bewährungsstrafe täte dem 40-Jährigen aber wohl nicht so weh.“ Buschbell ist auch Vorsitzender der Deutschen Interessengemeinschaft für Verkehrsunfallopfer (DIVO), die ihren Sitz in Düren hat.

Auch deswegen fordert er im Fall des Elsdorfers eine harte juristische Linie. Vier Anwälte kümmern sich bei der DIVO um sogenannte „Personengroßschäden“, begleiten Unfallopfer auf rechtlichem Wege. Fälle, in denen Motorradfahrer die Verursacher sind, würden Buschbell sehr selten vorliegen, über den Elsdorfer Raser sagt er aber: „Dem will wirklich keiner auf der Straße begegnen — in den Orten hätte das schlimm ausgehen können. Auch mit Kindern.“

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