Drogendealer-Prozess: Angeklagte aus Düren schweigen

Prozess gegen mutmaßliche Dürener Drogendealer : Alle fünf Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen

In Aachen steht eine Dürener Familie vor Gericht, weil sie in der Nordstadt bandenmäßig Kokain verkauft haben soll. Der Prozess ist zäh, weil die Angeklagten schweigen und ihren Anwälte offensiv verteidigen.

Schon früh machte Katja Schlenkermann-Pitts am Mittwochmorgen deutlich, dass sie sich nicht „durch die Verhandlung quälen“ wolle. Der Fall vor dem Aachener Landgericht gegen eine mutmaßliche Drogendealer-Bande aus Norddüren sei schließlich kompliziert genug. Deshalb nervte es die Oberstaatsanwältin sichtlich, dass die Verteidigung jeden potenziellen Formfehler monierte und so für einige Unterbrechungen des zweiten Verhandlungstages sorgte. Zu der offensiven Taktik der Verteidiger zählte auch, dass sich noch keiner der fünf Angeklagten albanischer Herkunft, darunter eine dreiköpfige Familie um den mutmaßlichen Drahtzieher, zu den Vorwürfen äußern wollte. Laut Anklage soll die Familie ab Dezember 2016 über anderthalb Jahre bandenmäßig Kokain verkauft haben, die beiden weiteren Angeklagten stiegen im Laufe der Zeit ein. Die Beweisaufnahme ist am Mittwoch jedoch nicht wirklich vorangekommen – es droht ein zähes Verfahren.

Es waren nicht nur die Angeklagten Ardian und Nazime C., beide 50 Jahre alt, ihr 21-jähriger Sohn Jürgen sowie der 20-jährige Ijoni L. und der 33 Jahre alte Sparti M., die sich am Mittwoch nicht äußern wollten. Auch die beiden Zeugen André B. und Nick T., jeweils 20 Jahre alte Merzenicher, machten keine Aussage. Gegen sie laufen noch andere Verfahren, unter anderem wegen Einbruchdiebstahls. Die Straftaten, die ihnen vorgeworfen werden, hatte die Polizei aufgedeckt, als eine speziell eingerichtete Ermittlungsgruppe dem Norddürener Drogen-Netzwerk ab Anfang des Jahres vier Monate auf der Spur gewesen war. Die Familie C. soll Wohnungen an der Alten und Neuen Jülicher Straße, der Schulstraße und ein Billard-Café an der Neuen Jülicher Straße als Drogenumschlagplätze genutzt haben. Aufgeflogen sind die Machenschaften bei einer Durchsuchung des Hauses an der Schulstraße am 13. März dieses Jahres. Ardian C., Ijoni L. und Sparti M. sitzen aktuell noch in Untersuchungshaft.

Die 19-jährige Denise Z. aus Titz war die einzige Zeugin, die der Vorsitzende Richter Markus Vogt ausführlich befragte. Sie kennt sowohl André B. als auch Nick T. Sie waren befreundet, trafen sich einige Male zusammen in der Wohnung von T. Dort hätten die jungen Männer gekifft und auch mal „weißes Pulver“ zu sich genommen. Sie selbst habe mit Drogen nichts am Hut.

Richter Vogt interessierte sich vor allem für einen Tag im Spätherbst 2017: Denise Z. erzählte, wie sie mit Nick T. eines Abends von Merzenich mit dem Taxi nach Norddüren gefahren ist. Aus einem Haus – an die Adresse erinnerte sie sich nicht – reichte ein Mann den Haustürschlüssel an. Beide gingen rein, und T. verschwand dann mit dem Mann, der „Deutsch mit Akzent sprach“, in der Küche. Auf Nachfrage von Richter Vogt sagte die 19-Jährige, sie habe keinen Drogendeal gesehen, wohl aber, dass T. später weit weniger als die ursprünglichen 200 Euro in der Tasche hatte. Später am Abend habe sie in der Küche von T. wieder das „weiße Pulver“ gesehen, noch mehrere Freunde von Nick T. und auch André B. kamen später dazu.

Nach Denise Z. sollte der polizeiliche Ermittlungsführer H. aussagen – doch auch das beanstandete die Verteidigung, zu der insgesamt elf Anwälte zählen. Begründung: Weil er die Ermittlungsergebnisse vortragen würde, ohne dass die Angeklagten vorher ausgesagt hätten, könnten die Schöffen beeinflusst werden. Richter Vogt argumentierte, dass „ein Überblick ohne Färbung“ dem komplexen Sachverhalt zwar gut tun würde, eine Vernehmung an einem anderen Tag aber möglich sei.

Der Prozess wird am Mittwoch, 17. Oktober, ab 9 Uhr fortgeführt. Unter anderem sollen zwei weitere Polizisten der speziellen Ermittlungsgruppe aussagen. Dass es ein zäher Prozess werden kann, hat sich schon am ersten Prozesstag Ende September gezeigt: Damals wurde nur die Anklage verlesen und kein Zeuge befragt, weil die Verteidigung die geänderte Besetzung der Schöffen rügte und eine Unterbrechung beantragte.

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