Düren: Drei Dürener haben doppelte Chancen, Weltmeister zu werden

Düren : Drei Dürener haben doppelte Chancen, Weltmeister zu werden

Mexiko, Schweden, Südkorea — das sind die drei Vorgruppengegner der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Russland. Am Sonntag starten „Jogis Jungs“ mit der Partie gegen Mexiko ins Turnier. Aber welchen Stellenwert hat Fußball in diesen drei Ländern? Wie wird dort Fußball gefeiert?

Oder gibt es in Mexiko, Schweden und Südkorea etwa Sportarten, die populärer sind als die „wichtigste Nebensache der Welt“? Unsere Zeitung hat drei Dürener gefragt, die es wissen müssen: Vicky Seybold ist in Düren geboren und lebt seit mehr als 40 Jahren in Veracruz in Mexiko.

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Günther Koerffer aus Merzenich hat vor knapp vier Jahrzehnten im schwedischen Ulricheham eine neue Heimat gefunden, und Hyun Neulen aus Düren hat südkoreanische Wurzeln und enge Kontakte in dieses Land. Ihre Eltern, die Jahrzehnte in Düren gewohnt haben, viele Verwandte und Freunde leben dort und berichten in diesen Tagen regelmäßig darüber, was sich fußballmäßig in Südkorea so tut.

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Vicky Seybold hat schon am Montag ihren Fernsehapparat in die Garage verfrachtet. Die 74-Jährige unterrichtet in Mexiko Deutsch und Englisch. Ihre Studenten haben sich zum Fußballgucken am Sonntag angemeldet. „Etwas zu essen bringen die mit“, sagt Seybold. „Aber ganz ehrlich? Am liebsten würde ich das Spiel alleine in meinem Schlafzimmer gucken. Dann könnte ich ganz ungeniert der deutschen Mannschaft die Daumen drücken.“

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So richtig will Seybold sich nicht festlegen, für wen ihr Fußballherz schlägt. „Natürlich hänge ich sehr an Deutschland und habe große Sehnsucht nach meiner alten Heimat. Aber ich liebe auch Mexiko. Dieses Land hat mir viel gegeben. Vielleicht können die ja am Sonntag einfach unentschieden spielen.“

Grundsätzlich sei Mexiko ein absolut fußballverrücktes Land. „Und die Leute finden es natürlich toll, dass ihre Mannschaft gegen den amtierenden Weltmeister ins Turnier startet.“ Der 17. Juni sei in Mexiko zudem Vatertag, ergänzt Seybold. „Dann ist hier sowieso der Teufel los. Und in diesem Jahr wird es wegen des Fußballspiels noch mehr Trubel geben.“

Die Mexikaner, erzählt Seybold, würden Fahnen lieben. „In unserer Stadt leuchtet alles grün, weiß und rot. Sicher auch wegen der Fußball-WM, aber vor allem auch wegen der Präsidentschaftswahlen am 1. Juli.“ Klar, dass es in Mexiko auch Public Viewing gibt. „Und zwar überall. Selbst in ganz kleinen Dörfern werden Leinwände aufgebaut. Und Leute, die nur ganz wenig Geld haben, leihen sich wegen der WM einen Fernsehapparat.“

Für Günther Koerffer, der in Schweden eine eigene Konditorei betreibt und vor acht Jahren die Hochzeitstorte für Kronprinzessin Viktoria von Schweden gebacken hat, ist zwar Eishockey Sportart Nummer eins, Fußball guckt er aber auch. „Die Schweden mögen Fußball“, sagt er. „Die sind sogar so fußballverrückt, dass Schweden weltweit die vierthöchste Zahl an Ticketbuchungen für die Spiele in Russland hat. Ich habe viele Freunde, die zur WM fahren.“

Schweden sei immer in den Landesfarben Blau und Gelb geschmückt. „Das liegt an unserem Königshaus“, sagt Koerffer, der mittlerweile einen schwedischen Pass hat. „Aber auch daran, dass die Schweden stolz auf ihre Fahne sind.“ Public Viewing sei in seiner Wahlheimat völlig unüblich. Koerffer: „Das gibt es hier überhaupt nicht. Manche Schweden treffen sich zum Fußballgucken in einer Kneipe. Die meisten gucken aber zu Hause.“

Privataudienz beim Papst

Günther Koerffer muss sich ein Plätzchen in Rom suchen, um das erste Deutschlandspiel der WM zu sehen. Der 64-Jährige ist Vorsitzender des Weltverbandes der Bäcker und Konditoren und hat in dieser Funktion am Samstagnachmittag eine Privataudienz bei Papst Franziskus. „Wir möchten uns den Segen des Papstes holen, weil wir ein ‚Jahr des Brotes‘ ausrufen wollen.“

Grundsätzlich würde ihn aber sowieso die Partie Deutschland gegen Schweden am kommenden Samstag viel mehr interessieren — wegen Schweden. „Natürlich habe ich meine Wurzeln in Deutschland, und das werde ich auch nie vergessen. Aber ich bin schon so lange hier zu Hause. Ich drücke der schwedischen Nationalmannschaft die Daumen — auch wenn sie gegen Deutschland spielt.“

In Südkorea ist Baseball immer noch die beliebteste Sportart, aber seit der WM im eigenen Land vor 16 Jahren (Südkorea hat das Turnier mit Japan ausgerichtet), wird Fußball immer populärer. „Markenzeichen der Koreaner“, sagt Hyun Neulen, die am Mittwoch, 27. Juni, beim Spiel Südkorea gegen Deutschland auf jeden Fall auf einen deutschen Sieg hofft, „sind rote T-Shirts“. Während der WM in Japan und Korea habe es riesige Public Viewings gegeben. „Das ist aber jetzt viel weniger“, sagt die 43-Jährige. „Es gibt kleine Public Viewings und natürlich die Möglichkeit, in Pubs zu gucken. Sehr beliebt ist aber auch, sich einfach mit Freunden zu Hause zu treffen.“

Cafés werden für die WM in den koreanischen Fahnen geschmückt, Autos hin und wieder auch, Häuser dagegen selten. „Gerade in den Großstädten wie Seoul leben die Menschen fast ausschließlich in Hochhäusern“, sagt Hyun Neulen. „Und die werden in der Regel nicht geschmückt.“

Grundsätzlich ist die Fußball-Weltmeisterschaft ein Thema, dass alle drei Dürener interessiert. Und es gefällt ihnen auch, dass ihre zwei Heimaten dank der Vorrundenauslosung miteinander in Verbindung kommen. Vicky Seybold: „Eigentlich ist es doch sehr schön, in zwei Nationen zu Hause zu sein. Ich habe jedenfalls die doppelte Chance, Fußball-Weltmeister zu werden.“

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