Gürzenich: Drachenbootrennen: Von Wikingern und „Dragon Girls“

Gürzenich : Drachenbootrennen: Von Wikingern und „Dragon Girls“

Übung macht den Meister. Doch da vor dem Startschuss des zweiten Drachenbootrennens auf dem Badesee jeder Mannschaft nur eine halbe Stunde Trainingszeit zur Verfügung stand, hatten sich die „Dragon Girls“ der Spezialpapierfabrik Kanzan im Vorfeld etwas einfallen lassen.

„Wir haben eine Möglichkeit gefunden, im Büro zu üben“, verriet Teamkapitänin Sabine Weber. Die Details sind ebenso geheime Verschlusssache wie die Reaktion der Kollegen auf den Probelauf der elf Frauen im Trockenen. Doch eines sei verraten: Ein Mülleimer wurde zur Trommel umfunktioniert, mit der die Schlagzahl beim Paddeln gesteuert werden kann.

Die „Dragon Girls“ der Spezialpapierfabrik Kanzan waren das einzige Frauenteam des Wettbewerbs. Dafür gab es einen Extrapreis. Foto: Stephan Johnen

Ob es etwas genützt hat? Nun, die einzige Damenmannschaft hat tapfer gekämpft. Gegen die Crew des Dürener Turnvereins, die den Titel verteidigte, hatte kein anderes Boot eine Chance. Platz 13 von 13 war für die „Dragon Girls“ vielleicht nicht die Wunschvorstellung, lässt aber für die Teilnahme im nächsten Jahr Luft nach oben. Und erneut anmelden wollen sich die Frauen auf jeden Fall. „Es wäre schön, wenn generell mehr Frauen-Teams mitmachen würden“, rührte Sabine Weber die Werbetrommel.

So sehen Sieger aus: DSB-Chef Richard Müllejans (rechts) gratulierte den Sportlern des Dürener Turnvereins zur Titelverteidigung. Foto: Stephan Johnen

14 Mannschaften waren der Einladung des Dürener Service Betriebs (DSB) gefolgt. Ein Team musste kurzfristig absagen. Der DSB hatte zwei Mannschaften am Start, aber auch die Sparkasse, die Kreisbahn, das Dürener Krankenhaus, die SWD-Powervolleys, das Stadtcenter sowie weitere Unternehmen und Vereine waren beteiligt. Manche Crews hatten Zelte, Bänke und genug Ausrüstungsmaterial mitgebracht, um am Stand der Dürener Adria ein kleines Zeltlager entstehen zu lassen.

Sportlich gesehen galt für die „Dragon Girls“ der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles. „Wenn das Boot Fahrt aufnimmt und alle im Takt paddeln ist das ein super Gefühl“, sagte Kirsten Franken. „Das macht einfach nur Spaß“, steuerte Kapitänin Sabine Weber bei. Und es schweißt auch die Mannschaft, die aus allen Abteilungen des Unternehmens zusammengesetzt ist, zusammen.

„Drachenbootrennen sind immer beliebter. Sie machen Spaß, eignen sich aber auch hervorragend für ein Team-Building“, weiß Nicole Jäger vom DSB. Was aus Sicht des Zuschauers relativ locker aussieht, sei ein schweißtreibender Kraftakt. Die größte Herausforderung sei es, dass alle zehn Paddler — unterstützt von den Kommandos des Steuermanns, äußerst synchron arbeiten müssen. Die Trommelschläge, die über den Badesee hallten, sollen das Team im übertragenen Sinne anpeitschen. „Wer einmal mit 70 Schlägen pro Minute 160 Meter gepaddelt hat, ist nachher platt“, sagte Nicole Jäger.

Teams wie die DSB-Mannschaften oder die „Paddel-Chaos-Düren“-Crews ließen sich davon nicht abschrecken und trugen Perücken beziehungsweise Wikingerhelme. Die Krankenhausmannschaft setzte sich in OP-Kitteln ins Boot. Gedopt waren die Klinik-Paddler vermutlich nicht: Sie belegten Platz 12. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch.

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