Düren/Aachen: Dr. Alfred Etheber: „Das Dürener Platt vermisse ich schon“

Düren/Aachen : Dr. Alfred Etheber: „Das Dürener Platt vermisse ich schon“

Dr. Alfred Etheber ist ein überzeugter Christ. Das merkt man sofort, wenn man dem 53-Jährigen in seinem Büro im Generalvikariat in Aachen gegenübersitzt. Auf Ethebers Schreibtisch liegt ein Neues Testament, auf viele der ihm gestellten Fragen antwortet der gebürtige Birkesdorfer ganz spontan mit einem Bibelzitat.

Etheber ist Diplom-Theologe und seit Juli Leiter der „Hauptabteilung pastorales Personal“ des Bistums Aachen. In einfacheren Worten: Dr. Alfred Etheber ist Personalchef des Bistums und damit zuständig für 244 Priester, 16 ständige Diakone, 109 Pastoralreferenten, 210 Gemeindereferenten und 45 Diakone mit Zivilberufen.

Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Bildung von Pastoralteams, die Ausbildung und Akquise neuer Mitarbeiter und natürlich die Personalverwaltung. Dr. Alfred Etheber: „Priester haben keinen Arbeitsvertrag. Sie gehen ein gegenseitiges Treue-Verhältnis mit dem Bischof ein. Im Umkehrschluss bedeutet das aber natürlich, dass Angelegenheiten wie eine Krankenversicherung geregelt werden müssen.“

Bevor er Personalchef geworden ist, hat Etheber beim Diözesan-Caritasverband gearbeitet. Er ist überzeugt, dass sein Theologiestudium auch für die neue Aufgabe eine gute Grundlage ist.

Kirche von innen kennen

„Es ist für meine Arbeit sehr wichtig, die Kirche von innen zu kennen. Ich muss wissen, was unsere Kirche ausmacht und wofür sie steht.“ Gefragt, was das konkret heißt, antwortet Etheber mit einem Jesuszitat. „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium. In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben und die Kranken werden geheilt werden.“ Oder anders ausgedrückt: „Glaube, hoffe, liebe — das sind die Säulen unserer Kirche.“

Alfred Etheber hat sich nicht für den Posten des Personalchefs beworben. Vielmehr haben der Generalvikar und der Bischof ihn gefragt, ob er diese wichtige Aufgabe übernehmen wolle. „Das Amt“, formuliert es Etheber, „ist quasi berufsbiografisch auf mich zugekommen.“ Grundsätzlich, ergänzt er, sei er ein Anhänger der Job-Rotation. „Ich glaube, dass es gut ist, nach zehn, 15 Jahren eine neue Herausforderung anzunehmen. Wenn man sehr lange an der gleichen Stelle arbeitet, hat sich Vieles eingeschliffen. Manche Dinge werden einfach nicht mehr hinterfragt. Da kann es hilfreich sein, wenn jemand Neues von Außen kommt.“

Natürlich weiß auch Alfred Etheber, dass die Zahl der pastoralen Mitarbeiter insgesamt und die der Priester im Besonderen nicht steigt, sondern im Gegenteil stark zurückgeht. „Die Berufungszahlen“, sagt Etheber, „haben sich auf einem niedrigen Level eingependelt.“ Das habe zum einen mit dem Wegbrechen des klassischen katholischen Milieus zu tun. „Es kommt heute mehr denn je auf den persönlichen Glaubensweg jedes Einzelnen und die Frage nach der eigenen Berufung an.“

Deswegen, und auch das gehört zu Ethebers Aufgaben, hat das Bistum Programme entwickelt, um junge Menschen für pastorale Berufe zu begeistern. „Es gibt zum Beispiel das Programm ‚Visionauten‘“, sagt Etheber. „Junge Leute bekommen nach der Schule die Gelegenheit, in einer Wohngemeinschaft zu leben und ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen. Dabei werden sie begleitet und bekommen die Chance, dem eigenen Leben und dem eigenen Glauben auf die Spur zu kommen.“

Denn eines sagt Etheber auch in aller Deutlichkeit: „Wir brauchen mehr gute, wache, lebendige Leute für die pastorale Arbeit.“ Und wieder fällt dem Personalleiter das passende Bibelzitat ein: „Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenig; bittet den Herrn, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte.“ Natürlich gebe es kein Patentrezept dafür, wie man diese Leute finden könne. „Aber wir dürfen nicht nachlassen, mit den Menschen über Gott zu sprechen. Und wir dürfen uns auch nicht beängstigen oder entmutigen lassen. Dazu gibt es absolut keinen Grund.“ Ermutigung, ergänzt er, sei auch ein sehr wichtiger Teil seiner Arbeit.

„Ich bin für die Priester der erste Ansprechpartner. Und natürlich haben die manchmal aufgrund immer größer werdender Pfarrstrukturen immer weniger Zeit für die Gläubigen. Da ist es mir wichtig, sie immer wieder zu ermutigen, dass es sich lohnt, sich Zeit für die Menschen zu nehmen und mit ihnen über den Glauben zu sprechen.“

„Buntes, vielfältiges Leben“

Zu Beginn seiner neuen Tätigkeit hat Etheber viele der Menschen, für die er zuständig ist, getroffen. Einige sind zu ihm nach Aachen gekommen, andere hat er in ihren Gemeinden besucht. „Wer denkt, dass die Arbeit als Hauptabteilungsleiter trocken und langweilig ist, der irrt. Genau das Gegenteil stimmt. Bei meiner Arbeit geht es um die Menschen, und ich erlebe ein buntes, unglaublich vielfältiges Leben in unseren Gemeinden.“

Aufgewachsen ist Alfred Etheber in Düren, er sagt von sich selbst, „überzeugter Rheinländer und Birkesdorfer“ zu sein. „Ich habe mich schon als Jugendlicher sehr stark in der Pfarre in Birkesdorf engagiert. Und diese Arbeit hat mich sehr geprägt.“

Monsignore Norbert Glasmacher, der heute als Pfarrer für die Gemeinschaft der Gemeinden St. Franziskus und damit auch für Birkesdorf zuständig ist, ist auch ein Birkesdorfer Urgestein. Etheber und er sind nur wenige Straßen voneinander entfernt aufgewachsen. „Noch heute verbindet uns eine Freundschaft“, sagt Etheber, der mittlerweile mit seiner Frau und den erwachsenen Töchtern (20 und 22 Jahre) in Aachen lebt. Ansonsten hat der begeisterte Wanderer nur noch wenig Kontakt in die alte Heimat. „Aber das Dürener Platt vermisse ich schon sehr.“