Düren: DN-Initiative: Schüler treffen Kommunalpolitiker

Düren: DN-Initiative: Schüler treffen Kommunalpolitiker

Was interessiert junge an der Kommunalpolitik? Und was wollten Sie schon immer einmal von Kommunalpolitikern wissen? Sonaja Baltic (15), Eva Flaßhove (16), Björn Brandt (17) und Sebastian Scheidt (16) diskutierten am Montag auf Initiative der „DN“ mit Thomas Floßdorf (CDU), Liesel Koschorreck (SPD), Bruno Voss (Bündnis 90/Die Grünen) und Alexander Willkomm (FDP).

Themen waren neben der Schulpolitik unter anderem die Attraktivität der Stadt Düren und ein fehlendes Schülercafé in der Innenstadt.

Björn Brandt: Der Wechsel von G 9 zu G8 ist für viele Schüler ein Problem, weil sie viel mehr Stoff in kürzerer Zeit bewältigen müssen. Sind Sie mit diesem Wechsel einverstanden?

Alexander Willkomm: Ich glaube, dass es uns nicht weiterhilft, das Schulsystem erneut komplett zu reformieren, um wieder zu G 9 zurückzukehren. Die Umstellung war zu schnell, es gibt sicher Nachbesserungsbedarf. Es muss beispielsweise gelingen, Schule und Vereine besser miteinander zu koordinieren, damit Schüler trotzdem noch die Möglichkeit haben, ein Hobby zu betreiben.

Liesel Koschorreck: Ich bin auch der Meinung, dass es Nachbesserungsbedarf gibt. Auf Landesebene haben sich jetzt drei Projektgruppen gebildet, die an den Modalitäten von G8 arbeiten.

Bruno Voß: Es hat ja vor einigen Jahren für die Gymnasien die Möglichkeit gegeben, zurück zu G 9 zu gehen. Das haben die meisten Schulkonferenzen abgelehnt. Wir als Bündnis 90/Die Grünen fordern auf kommunalpolitischer Ebene eine dritte Gesamtschule für Düren. Hier haben die Schüler ja neun Jahre Zeit bis zum Abitur.

Thomas Floßdorf: Ich glaube auch, dass der Wechsel zu G8 handwerklich schlecht gemacht ist. Eine Rückkehr zu G 9 ist sehr schwierig. Wir müssen G 8 für die Schüler angenehmer gestalten. Also zum Beispiel die Zahl der Wochenstunden reduzieren. In Düren haben wir viel Geld in die Hand genommen, um mindestens in Sachen Infrastruktur die Situation an den Schulen zu verbessern. Alle Gymnasien haben im Zuge der Einführung von G 8 eine Mensa bekommen, in der die Schüler ihre Mittagspause verbringen können.

Eva Flaßhove: Die höheren Stundenzahlen sind nicht allein das Problem. Die meisten von uns machen jetzt mit 16 oder 17 Jahren Abitur und wissen dann noch gar nicht, was sie machen sollen. Studieren, ein Auslandsjahr oder in eine andere Stadt zu ziehen ist auch aufgrund des Alters eigentlich kaum möglich.

Björn Brandt: Bei den Jungs ist die Wehrpflicht auch noch weggefallen. Dieses Jahr haben wir also auch noch gespart.

Liesel Koschorreck: Ihr seid früher mit der Schule fertig, erlebt aber aufgrund des Alters trotzdem Einschränkungen. Da habt Ihr Recht, das widerspricht sich eigentlich.

Bruno Voß: Deswegen gibt es ja jetzt beim Kreis Düren auch ein Projekt, dass sich speziell mit dem Umgang von Schule zu Beruf beschäftigt.

Was genau ist das für ein Projekt?

Voß: Das ist ein Beratungsangebot, bei dem die Schüler über einen längeren Zeitpunkt begleitet werden sollen.

Björn Brandt: Was kann die Kommunalpolitik eigentlich tun, um Düren attraktiver zu machen? Zum Beispiel auch für junge Leute.

Floßdorf: Düren ist eine sehr stabile Stadt. Die Anmeldezahlen an den Grundschulen sind leicht gestiegen, es gibt fast in jedem Stadtteil Neubaugebete. Düren hat mit dem Haus der Stadt, dem „Komm“-Zentrum und der Arena eine gute Infrastruktur und eine hervorragende Verkehrsanbindung. Diese Trümpfe müssen wir nur mehr vermarkten. Aber die Dürener kommen sich leider immer klein vor. Dabei sind sie das gar nicht.

Sebastian Scheidt: Und trotzdem sind nach dem Abitur die meisten jungen Leute erst einmal weg.

Floßdorf: Unser großes Problem ist, dass wir keine Universität oder Fachhochschule haben.

Koschorreck: Es muss uns gelingen, dass die jungen Leute nach dem Studium wieder zurück kommen. Dafür müssen sie sich mit ihrer Stadt identifizieren und sie auch mitgestalten. Deswegen möchte meine Partei unbedingt ein Jugendparlament einrichten, dessen Mitglieder wirklich auch Dinge in Düren mitentscheiden dürfen.

Voß: Wir brauchen in Düren Wohnraum für Studenten. Dann bleiben die jungen Leute vielleicht nach der Schule hier.

Wie müsste denn Düren sein, damit Ihr nach dem Studium wieder zurückkommt?

Björn Brandt: Wichtig ist, dass die Unternehmen offen sind, junge Leute einzustellen.

Sebastian Scheidt: Wenn ich in Düren einen gleich guten Job finde wie in Aachen oder Köln, würde ich mich eher für Düren entscheiden. Es gibt hier die Nähe zur Eifel, viel Natur. Das sind Vorteile, wenn man eine Familie gründen möchte.

Willkomm: Das denke ich auch. Für Berufsanfänger und junge Familien ist Düren ideal. Es gibt städtisches Leben und Natur. Und wir haben hier in unmittelbarerer Nähe viele Unternehmen, bei denen man auf Weltklasseniveau arbeiten kann.

Eva Flaßhove: Ein Thema, das uns interessiert, ist das Busticket für 1,90 Euro, das die SPD einführen will. Das wäre für viele junge Leute echt eine gute Sache. Aber ist das auch finanzierbar?

Koschorreck: Die Finanzexperten in meiner Partei sagen, dass so ein Ticket zunächst 200 000 Euro kosten würde. Die muss die Stadt investieren. Auf Dauer zieht so ein günstiges Busticket aber mehr Fahrgäste an, so dass die Kosten für die Stadt wieder sinken.

Floßdorf: Unsere Finanzexperten sagen, dass so ein Ticket viel mehr kostet, nämlich 900 000 bis eine Million Euro. Dafür hat der städtische Haushalt im Augenblick nicht die nötigen finanziellen Spielräume. Grundsätzlich sind wir aber auch der Meinung, dass die Busverbindungen in Düren optimiert werden müssen. Vor allem sollten die Stadtteile besser mit dem öffentlichen Personennahverkehr zu erreichen sein.

Eva Flaßhove: Ich würde mir für Düren ein echtes Schülercafé wünschen, wo Jugendliche sich treffen, für kleines Geld etwas trinken und auch Hausaufgaben machen können. Halten Sie das für möglich?

Floßdorf: Früher gab es ein Schülertreff in der Marienstraße.

Björn Scheidt: Ja, aber das war nicht zentral genug. Ein Schülercafé gehört in die Innenstadt.

Floßdorf: Ich finde die Idee gut. Denkbar wären zum Beispiel die Räume in der Weierstraße, in denen jetzt noch das städtische Jugendamt untergebracht ist. Wenn das Jugendamt in das sanierte Rathaus umzieht, könnte hier ein Schülercafe installiert werden. Das sollten wir im Auge behalten.

Koschorreck: Ein Schülercafé wäre aus meiner Sicht ein typisches Projekt, mit dem sich ein Jugendparlament beschäftigen könnte.

Sebastian Scheidt: In vielen Punkten sind Sie einer Meinung. Können Sie uns einen Punkt nennen, in dem Sie sich unterscheiden?

Floßdorf: In der Bildungspolitik zum Beispiel. Die CDU möchte die Dürener Schullandschaft so belassen wie sie ist. Jedenfalls so lange die Eltern das auch wollen. Wir werden in Düren keine Sekundarschule einrichten.

Voß: Wir wünschen uns für Düren eine dritte Gesamtschule und viel mehr Grün für die Stadt.

Koschorreck: Wir glauben, dass längeres gemeinsames Lernen wichtig ist. Die Schulstruktur muss sich ändern. Es muss in Düren auch eine Sekundarschule geben.

Willkomm: Die FDP ist für das differenzierte, dreigliedrige Schulsystem. Wir sind gegen eine Sekundarschule.

Koschorreck: In wieweit interessiert Euch überhaupt die Kommunalpolitik? Werdet Ihr wählen gehen?

Björn Brandt: Das auf jeden Fall, aber ich finde die Kommunalpolitik nicht so spannend wie die Bundespolitik.

Sebastian Scheidt: Das sehr ich komplett anders. Die Themen bei der Kommunalwahl sind zwar vielleicht kleiner, aber sie betreffen uns doch viel direkter.

Eva Flaßhove: Wir leben zum Glück in einer Demokratie und haben die Möglichkeit, zur Wahl zu gehen. Diese Möglichkeit muss man unbedingt wahrnehmen.

Sonaja Baltic: Das finde ich auch. Aber ich finde es schwer, sich für eine Partei zu entscheiden, weil sich alle sehr ähnlich sind.

(kin)