Diskussionsabend über Inklusion an Schulen im Kreis Düren

Diskussion über Inklusion an Schulen im Kreis Düren : Vom gemeinsamen Lernen profitieren wirklich alle

Mit dem Thema Inklusion kennt sich Kirstin Fuß gut aus. Die 59-Jährige ist Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und seit zwei Jahren Vorsitzende des Integrationsausschusses der Stadt Düren. An einem Informationsabend wird fleißig mit Eltern und Fachleuten diskutiert.

Sie will mit Eltern, Lehrern und Fachleuten beim Diskussionsabend am 5. November im „Komm“-Zentrum vor allem den Ist-Zustand in den Schulen des Kreises aufarbeiten.

„Ich habe mich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema Inklusion auseinandergesetzt“, sagt sie, „und dabei festgestellt, dass ich nicht wirklich viel über das Thema Inklusion in der Schule weiß.“

Das hat Kirstin Fuß zum Anlass genommen, noch tiefer in die Materie des Themas einzudringen und gemerkt, dass sie nicht die einzige ist, die wenig über das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht-behinderten Kindern weiß. „Das war für mich das Motiv“, sagt die studierte Sozialmanagerin, „zu einem Informationsabend einzuladen.“

Am Dienstag, 5. November, spricht Kirstin Fuß ab 18 Uhr im Dürener „Komm“-Zentrum in Düren, August-Klotz-Straße 21, mit Eltern und Fachleuten zum Thema „Inklusion in der Schule – Wo stehen wir zehn Jahre nach Inkrafttreten der UN Behindertenrechtskonvention?“.

„Mein Eindruck ist, dass die Inklusion an Schulen nur sehr langsam anläuft. Im Bereich der Grundschulen passiert schon sehr viel, bei den weiterführenden Schulen läuft es schlechter, an den Gymnasien ganz schlecht“, sagt Fuß. Grundsätzlich, hänge auch sehr viel vom Engagement der Eltern ab, ergänzt die Expertin. Fuß: „Zwar gibt es beim Kreis Düren eine Inklusionsfachberatungsstelle, aber Eltern müssen viel leisten, wenn sie möchten, dass ihr Kind inklusiv beschult wird.“

Sehr unterschiedlich diskutiert

Eine weitere Beobachtung, die Fuß bei ihrer Recherche gemacht hat, ist, dass das Thema Inklusion in Schulen sehr unterschiedlich diskutiert wird. „Es gibt Eltern, die begeistert davon sind, wie gut ihr behindertes Kind auf einer Regelschule zurecht kommt. Es gibt aber auf der anderen Seite auch Mütter und Väter, die sich entscheiden, ihr Kind doch auf der Förderschule anzumelden. Selten begeistert vom Thema Inklusion sind die Lehrer.“

Wenn das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht-behinderten Kindern funktioniere, habe es für Lehrer wie Schüler durchweg positive Aspekte. „Die Lehrer loben, dass es in der Klasse ein besseres Klima gibt, sie im Team arbeiten und mehr Anerkennung bekommen. Und Kinder und Jugendliche profitieren von der Inklusion sowieso.“

Es sei wichtig, dass Jungen und Mädchen schon früh lernten, dass Menschen unterschiedlich sind. „Sie lernen Diversität anzuerkennen und zu akzeptieren.“

„Mehr als in Stuhlreihen zu sitzen“

Inklusives Lernen bedeutet, individuelle Lernziele für die Kinder in der Klasse und auch andere Lernformen. Fuß: „Beim inklusiven Unterricht werden einzelne Themen in Gruppen erarbeitet und anschließend den anderen Kindern präsentiert. Das ist viel mehr, als in Stuhlreihen zu sitzen und dem Lehrer zuzuhören.“

Grundsätzlich, weiß die Expertin, gebe es in Klassen mit behinderten und nicht-behinderten Kindern weniger Mobbing. „Gleichzeitig erreichen mehr Kinder am Ende des Schuljahres das Klassenziel.“

Die nicht-behinderten Schüler lernten, viel selbstständiger zu arbeiten. Die behinderten Kinder erreichten häufiger einen besseren Abschluss als auf der Förderschule und damit auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

All diese Themen will Fuß am 5. November mit Eltern, Lehrern und Betroffenen diskutieren. „Ich hoffe, dass sich ein reges Gespräch entwickelt, von dem am Ende alle profitieren.“

Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

(kin)
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