Digitalpakt Bildung wird auch im Kreis Düren Schub geben

Geld vom Bund : Digitalpakt Bildung wird auch im Kreis Düren Schub geben

Der Digitalpakt Schule präsentierte sich als durchaus harte Nuss, die aber geknackt werden konnte. Erstmals kann im föderalen System der Republik Geld direkt vom Bund an die Kommunen gezahlt werden, um die digitale Ausstattung zu verbessern oder im Idealfall auf den neuesten Stand zu bringen.

„Wir wollen schließlich keine digitalen Analphabeten“, sagt der Dürener Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel (CDU), der als Parlamentarischer Staatssekretär für Bildung und Forschung diesen Prozess hautnah begleitet hat. Jetzt wird die Einigung bejubelt, wann aber kann das Geld – fünf Milliarden Euro in fünf Jahren – denn tatsächlich fließen?

„Am Jahresende“, antwortet Rachel, denn bis alle Regelungen rechtswirksam sind und die ersten Anträge zum Beispiel der Schulen aus dem Kreis Düren gestellt werden können, dauert’s noch ein bisschen. Der Staatssekretär hat schon viele Fragen beantworten müssen, und in einigen Kommunen laufen die Vorbereitungen – zum Beispiel in Düren. „Wir haben mit dem Bürgermeister und allen Schulen zusammengesessen, und jeder hat Konzepte in der Tasche“, berichtet Dr. Claudia Fülling, Leiterin des Gymnasiums am Wirteltor in Düren auf Nachfrage der Redaktion. Eine konzertierte und abgestimmte Aktion hat sicher Vorteile, aber wofür sollen denn Mittel her? „Wir denken zum Beispiel über digitale Endgeräte nach“, sagt Claudia Fülling und meint damit Geräte, die über Bluetooth-Verbindung gleich mit einem Beamer gekoppelt werden können.

Thorsten Vogelsang, Schulleiter des Jülicher Gymnasiums Haus Overbach, denkt in eine ähnliche Richtung, „weil wir schon viel Geld in Kupfer und Glasfaser investiert und auch die WLAN-Ausleuchtung der Schule optimiert haben“. Im Moment sei Overbach sehr daran gelegen, dass die Schule in freier Trägerschaft auch nach außen an das schnelle Netz angebunden wird, was noch nicht der Fall sei. Das wird aber kommen, denn der Kreis Düren hat – siehe Bericht unten – seine Breitbandoffensive gestartet und will alle Schulen ans Glasfasernetz bringen. Grundsätzlich freut sich Thorsten Vogelsang, dass der Digitalpakt auch private Schulen fördert.

Die Anbindung ans schnelle Netz ist eine Fördergrundvoraussetzung, wie Thomas Rachel erklärt. „Die erste Frage lautet: Hat die Schule Glasfaser?“ Ein Datentransfer von „30 Megabit pro Klasse“ sei Bedingung. Ab dem Schultor können dann mit dem Pakt als Finanzierungsinstrument die hausinterne Vernetzung, die Serverausstattung, die WLAN-Ausleuchtung, Anzeigegeräte (Whiteboards/Beamer) und schließlich auch digitale Arbeitsgeräte angeschafft werden. Nicht zuletzt oder vielleicht besonders wichtig: Auch die Lehrer-Qualifikation und -fortbildung ist förderfähig. Am Gymnasium Haus Overbach in Jülich ist laut Thorsten Vogelsang vor den Sommerferien „ein großer Fortbildungstag geplant“.

Thomas Rachel, Staatssekretär: Der Digitalpakt Bildung „wird einen Schub geben.“. Foto: Volker Uerlings

Neben der Glasfaseranbindung ist ein pädagogisches Konzept zwingend erforderlich, erklärt der Staatssekretär, aus dem sich die zu fördernde digitale Infrastruktur ergibt. Auch wenn der Löwenanteil des Geldes aus Berlin kommt: Die Länder müssen mitfinanzieren (festgeschrieben sind 500 Millionen Euro) und sind in der Wächterfunktion. Wenn also, wie in Düren geschehen, die Stadt als Schulträger den Ausstattungsbedarf sammelt, muss sie einen Antrag stellen, der nach Düsseldorf beziehungsweise zur Bezirksregierung Köln geht. „Das Land begutachtet, bewilligt und zahlt aus“, erklärt Rachel.

„Die Schulen brauchen nicht vorfinanzieren, um neue digitale Bildungsmöglichkeiten zu etablieren. Das wird einen Schub geben“, ist der Staatssekretär überzeugt. Letztlich sind die digitalen Medien im Unterricht ein wichtiger Baustein, aber auch nicht allein glück­seligmachend.

Thorsten Vogelsang: „Wir werden immer dann auf digitale Methoden setzen, wenn es um einen Mehrwert geht.“ Letztlich sei es für eine Schule in kirchlicher Trägerschaft wie Overbach auch wichtig, die Balance zu halten: zwischen individueller Förderung, aus der aber „keine Gesellschaft von Einzelkämpfern“ werden dürfe.

Wenn alles gut läuft – auch der Glasfaseranschluss der Schulen selbst –, müsste sich im Laufe des Jahres 2020 die Digitalausstattung sukzessive spürbar verbessern.

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