Düren: Dieter Nuhr: Ein Selbstläufer mit Bodenhaftung

Düren: Dieter Nuhr: Ein Selbstläufer mit Bodenhaftung

Manchmal kann man sich wundern, dass Dieter Nuhr immer noch mit beiden Füßen auf der Bühne steht. Hätte längst schweben können, um von oben auf die Welt zu schauen. So, wie ihn seine Fan-Gemeinde feiert, wäre das nichts Außergewöhnliches.

Da muss einer wie Nuhr erst einmal Nuhr bleiben. Er bleibt es, jedenfalls deutet nichts darauf hin, dass er die Haftung verliert und abhebt, obwohl sie ihm zu Füßen liegen und ihm huldigen als gäbe es kein Morgen.

Jeden Abend, gleich nach seinen Gastspielen oder schon währenddessen, belobigen ihn seine Fans bei „facebook”, sie danken ihm und klatschen tausendfach Beifall im weltweiten Netz.

Dieter Nuhr, sagt etwa auch Franz Wahl, der Manager in der Arena Kreis Düren, „Dieter Nuhr ist derzeit ein Selbstläufer”. Obwohl gerade Februar 2012 ist, läuft schon der Vorverkauf für sein Gastspiel nächstes Jahr Februar in Düren. Und es läuft gut, sagt Wahl. Zufrieden schaut er Freitagabend durch die Halle. Fast 2400 Besucher sind da, noch mal gut 70 mehr als sonst, weil die Bühne etwas kleiner ausfällt und sie ein paar Stühle mehr aufstellen konnten. Auch die Zusatzplätze waren schnell verkauft, eigentlich bräuchte man das nicht extra zu erwähnen.

Es ist 19.30 Uhr, eine halbe Stunde vor dem Auftritt, als Dieter Nuhr in die Arena kommt. Er hat einen Rucksack dabei, sonst nichts. Er braucht nicht mehr. Alles, was er benötigt, hat er im Kopf. Vorweg nämlich das: Sein neues Programm „Nuhr unter uns” ist gewohnt hintersinnig, intelligent und manchmal auch einfach nur witzig. Letzteres mag sich jetzt fast ein wenig negativ anhören, ist aber gar nicht so gemeint, weil einfach nur witzig zu sein, vielen schon nicht gelingt, die wie Nuhr als Comedians unterwegs sind.

Vielleicht ist Comedian bei Nuhr auch das falsche Wort. Vielleicht wäre ganz simpel Kabarettist viel passender. „Nuhr unter uns” bietet wie seine Vorgängerprogramme vieles, was das Leben ausmacht: Es geht um Politik, kleine und große Katastrophen im Alltag, es geht um Jugendliche, Senioren, Religion, Burnout, es geht im Grunde um alles. Was ist nicht alles schon über diesen Nuhr geschrieben und gesagt worden: Er verbreite klugen Witz, schlage nicht unterhalb der Gürtellinie zu, rege zum Nachdenken an, halte uns den Spiegel vor. Es stimmt, so ist es und so war es auch Freitagabend in der Arena. „Er spricht seinem Publikum aus der Seele”, sagt Hallenmanager Wahl, „die Leute, die zu ihm gehen, wollen das, sie würden auch zu ihm ins Theater gehen”. Entsprechend unaufgeregt geht es in der Arena zu. Auf der Bühne ist nur ein kleiner Ständer aufgebaut, auf den Nuhr ab und an schaut, aber er liest nicht ab, vielleicht steht das Teil auch einfach nur da, weil sonst gar nichts da oben stünde. Das ist bei Mario Barth anders, er kommt salopp gesagt mit drei Sattelschleppern und 25 Mann, um sein Publikum zu unterhalten - aber auch dann ist die Arena voll, voller gehts nicht.

Nuhr trägt am Freitag also sein neues Programm vor, er bezieht sich zudem erwartungsgemäß auf aktuelle Themen wie Wulff oder die Torte im Gesicht von zu Guttenberg. Er baut aber auch auf Gewohntes, weil es zieht und weil er es sich leisten kann. Seine Zugaben sind Fragestunden, er hört, was das Publikum wissen möchte und antwortet spontan. Wenn es gerade passt, baut er Pointen aus früheren Programmen ein. Was gut ist, muss nicht ständig neu erfunden werden. Und dass es viele wieder gut fanden, was er in Düren brachte, war auf „facebook” mannigfach nachzulesen, Nuhr war noch gar nicht weg, da ging es schon los.

Er saß da noch im Foyer der Arena und signierte sein Buch. Den Weg von der Bühne bis zu seinem Tischchen nahm er zügig.

Es war ein lockerer Laufschritt, aber er hob nicht ab.