Düren: Diese „Kirmes-Urgesteine“ stehen seit 50 Jahren auf dem Karussell

Düren : Diese „Kirmes-Urgesteine“ stehen seit 50 Jahren auf dem Karussell

Urlaub ist für Annelie und Heinz Cremer ein Fremdwort. „Einmal“, sagt Annelie Cremer (69), „da waren wir vier Tage in Neuschwanstein. Aber das war in 50 Jahren unser einziger Urlaub.“ Annelie und Heinz Cremer sind Schausteller, ein Leben lang schon. 1968 haben sie sich mit einem Kinderkarussell selbstständig gemacht und seitdem, also genau seit 50 Jahren, haben sie keine Annakirmes ausgelassen.

„Wir sind die ältesten selbstständigen Schausteller, die immer mit dem gleichen Fahrgeschäft unterwegs sind, auf der Annakirmes“, sagt Heinz Cremer. Und man merkt dem 74-Jährigen an, dass ihn dieses Jubiläum schon ein bisschen stolz macht.

Die Cremers sind echte „Kirmes-Urgesteine“. Beide stammen aus eingefleischten Schaustellerfamilien. Annelie Cremer stammt aus einer bekannten Dürener Zuckerbäckerfamilie. Ihre Vorfahren standen schon im 19. Jahrhundert auf der Annakirmes — als die Budenreihen noch innerhalb der alten Stadtmauern standen. Heinz Cremers Familie waren mit einer Schießbude und einem Kinderkarussell unterwegs. Annelie Cremer: „Ich bin schon seit 1958 auf der Annakirmes, weil ich meinen Eltern in ihrem Süßwarenstand immer geholfen habe.“

Und eigentlich hatte die junge Annelie damals andere Pläne. „Ich wollte nie Schaustellerin werden“, sagt sie. „Ich hatte gute Noten in der Schule und wollte gerne im Büro arbeiten.“ Aber ihre Eltern hatten damals andere Pläne. „Ich durfte noch die Handelsschule machen und musste danach auf die Kirmes. Das war einfach früher so.“

Trotzdem ist Annelie Cremer glücklich geworden. „Natürlich war es nicht immer einfach. Anfangs gab es keinen Strom, kein fließendes Wasser und schon gar kein Handy. Das waren schon schwere Zeiten, vor allem, als unsere beiden Kinder klein waren. Am Ende hat es aber dann doch immer geklappt.“

Im Dezember 1966 haben Annelie und Heinz Cremer geheiratet, nur zwei Jahre später entstand der Wunsch, sich mit einem modernen Kinderkarussell selbstständig zu machen. „Das Karussell hat damals 100.000 Mark gekostet“, erinnert sich der erfahrene Schausteller. „Das war viel Geld.“ Umso wichtiger war für die beiden, die aus dem Schaustellerdorf Titz-Rödingen stammen, ein Platz auf der großen Dürener Annakirmes. Heinz Cremer erinnert sich: „Damals haben alteingesessene Schausteller Wetten abgeschlossen, wann unser Karussell günstig zu kaufen ist. Aber den Gefallen haben wir denen nicht getan.“

Heinz Cremer denkt gerne an die Anfangszeiten zurück. „Damals war es normal, mit Anzug und Krawatte im Kassenhäuschen zu sitzen. Und eine Fahrt hat anfangs bei uns 30 Pfennig gekostet.“ Von April bis Weihnachten sind die Cremers unterwegs gewesen. „Nach Hause sind wir nur gefahren, um die Post zu holen oder kurz nach dem Rechten zu sehen. Heute ist der Kirchturm immer in Sichtweite, und wir haben ab und zu auch einmal ein paar Tage frei.“

Im Laufe der Jahrzehnte hat Heinz Cremer drei Kinderkarussells selbst entworfen und gebaut. „Darauf bin ich seht stolz“, sagt er. Und Ehefrau Annelie ergänzt: „Mein Mann kann alles. Und das muss er als Schausteller auch.“ Vor allem der Aufbau ist bei den modernen Karussells einfacher. „Unser Fahrgeschäft von 1966 wiegt sechs Tonnen“, sagt der Fachmann. „Und die haben meine Frau und ich bei den Aufbautagen alle selbst geschleppt. Heute wiegen die Karussells doppelt so viel, aber sie bauen sie sich viel schneller auf und ab.“

„Höher und schneller“

Die Cremers lieben das Leben auf dem Rummel, und sie lieben auch die Annakirmes. Heinz Cremer: „Der Dürener Rummel ist höher und schneller geworden. Ansonsten ist eigentlich alles wie immer.“ Die Kinder hätten nach wie vor viel Spaß an seinem Kinderkarussell. „Wir haben auf dem Fahrgeschäft ein kleines Fahrrad. Das ist besonders beliebt“, sagt Annelie Cremer. „Darüber wundere ich mich jedes Mal.“

Ansonsten kommen mittlerweile schon Großeltern mit ihren Enkeln, die früher als Kinder bei den Cremers ihre Runden gedreht haben. „Da wird immer viel erzählt. Das macht einfach Spaß“, sagt Heinz Cremer.

Nur eine Veränderung haben die Cremers dann doch bemerkt. Annelie Cremer: „Heute fahren fast so viele Eltern auf dem Kinderkarussell mit wie Kinder. Weil die große Sorgen haben, dass ihrem Kind etwas passiert. Und es gibt immer wieder Mütter und Väter, die möchten, dass wir das Karussell anhalten, weil ihr Kind weint. So etwas hat es früher nicht gegeben.“

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